Liebesaffären mit Kriminellen und Spionage –  Zürcher Polizei unter Druck


Whistleblower packt aus

Gegen einen Polizisten der Stadtpolizei Zürich wird derzeit ermittelt. Er soll sensible Daten an Dritte weitergegeben haben. (Archivbild)

KEYSTONE

Vorwürfe gegen einen Zürcher Stadtpolizisten sorgen für Aufsehen: Ein Whistleblower spricht von missbräuchlichen Datenabfragen und der Weitergabe vertraulicher Informationen. Die Stadtpolizei verweist auf bestehende Kontrollmechanismen. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Ermittlungen aufgenommen.

Samuel Walder

Darum geht’s

  • Gegen einen Zürcher Stadtpolizisten läuft ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung.
  • Er soll vertrauliche Polizeidaten für private Zwecke genutzt und weitergegeben haben.
  • Ein Whistleblower wirft dem Beamten vor, Polizeifotos, Einsatzberichte und Personendaten Bekannten gezeigt zu haben.
  • Die Stadtpolizei verweist auf bestehende Kontrollmechanismen. Gleichzeitig läuft ein weiteres Verfahren gegen eine ehemalige Polizistin wegen des Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Stell dir vor, du könntest die Personen in deinem Umfeld durchleuchten, überprüfen und persönliche Informationen in Erfahrung bringen. Die Polizei hat Zugang zu solchen Programmen und kann damit umfangreiche Informationen über eine Person abrufen. Dieser Zugriff darf jedoch nur für dienstliche Zwecke genutzt werden.

Wie nun der «Tages-Anzeiger» berichtet, wirft ein Whistleblower einem Zürcher Stadtpolizisten vor, vertrauliche Polizeidaten für private Zwecke genutzt zu haben. Laut einer Strafanzeige soll der Beamte Polizeifotos, Einsatzberichte und Daten aus internen Systemen an Dritte weitergegeben und Bekannte sowie Freunde ausgespäht haben.

Die Staatsanwaltschaft Zürich bestätigt ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung. Der Anwalt des beschuldigten Polizisten weist die Vorwürfe zurück und verweist auf die Unschuldsvermutung.

Nach Angaben des Whistleblowers soll der Polizist unter anderem Fotos eines tödlichen Tramunfalls am Bahnhof Oerlikon sowie Bilder der Verhaftung des Influencers Skorp gezeigt haben. «Er hat mir geheime Daten mit dem Diensthandy gezeigt», sagt der Whistleblower zur Zeitung. Zudem habe der Polizist wiederholt Einsatzberichte vorgelesen und sich darüber lustig gemacht. Der Whistleblower sei überzeugt, dass dadurch die Persönlichkeitsrechte zahlreicher Menschen verletzt worden seien.

Bereits drei Verurteilungen

Das Sicherheitsdepartement der Stadt Zürich bestätigt, dass in den vergangenen Jahren bereits drei Stadtpolizisten wegen Amtsgeheimnisverletzung rechtskräftig verurteilt wurden. Darunter seien eine Polizistin, die einem Mann aus dem kriminellen Milieu vertrauliche Informationen beschafft habe, sowie ein Polizist, der einen Bekannten über Jahre mit internen Daten versorgt und auf Streifenfahrten mitgenommen habe. Zum dritten Fall macht das Departement keine Angaben.

Eine Häufung solcher Fälle sieht das Sicherheitsdepartement nicht. Es verweist darauf, dass rund 2050 Mitarbeitende Zugriff auf das Polizei-Informationssystem «Polis» haben, schreibt der «Tages-Anzeiger». Zudem seien Verdachtsfälle häufig von der Stadtpolizei selbst angezeigt worden. «Das zeigt mir, dass die Kontrollmechanismen der Stadtpolizei funktionieren», sagt Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart zur Zeitung.

Weiteres Strafverfahren gegen ehemalige Polizistin

Parallel dazu läuft ein weiteres Strafverfahren gegen eine ehemalige Stadtpolizistin wegen des Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung. Die Staatsanwaltschaft bestätigt auch dieses Verfahren. Die Frau arbeitet seit Dezember 2025 nicht mehr bei der Stadtpolizei. Diese erklärt, die Trennung sei «nicht aufgrund einer möglichen Verletzung des Amtsgeheimnisses erfolgt». Gleichzeitig hält sie fest, eine «Liebesbeziehung mit einem verurteilten Straftäter» lasse sich nicht mit der Tätigkeit als Polizistin vereinbaren. Das berichtet der «Tages-Anzeiger».

Der Mann, mit dem die Polizistin eine Beziehung eingegangen sein soll, war bereits früher im Zusammenhang mit einer rechtskräftig verurteilten Stadtpolizistin aufgetaucht. Gemäss den Akten bewegte er sich im schwerkriminellen Milieu und wurde unter anderem wegen Drogendelikten und Vergewaltigung mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Kritik an Datenschutz und Kontrollen

Anders als die ehemalige Polizistin ist der Stadtpolizist, gegen den aktuell ebenfalls ermittelt wird, weiterhin im Dienst. Die Stadtpolizei erklärt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», aufgrund ihres damaligen Kenntnisstands hätten sich keine personalrechtlichen Sofortmassnahmen aufgedrängt. Solche Schritte hätten zudem die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gefährden können.

Der Whistleblower sieht darin ein grundsätzliches Problem. «Jemand, der unrechtmässig auf sensible Daten zugreift, hat bei der Polizei nichts verloren», sagt er zur Zeitung. Die Stadtpolizei habe ein «strukturelles Problem mit dem Datenschutz», weil Polizistinnen und Polizisten auf sensible Informationen zugreifen könnten, ohne dass jede Abfrage automatisch überprüft werde.

Die Stadtpolizei widerspricht dieser Darstellung. Sie erklärt, sämtliche Zugriffe auf das Polizei-Informationssystem würden protokolliert und während zwölf Monaten unveränderbar gespeichert. Vollautomatische Kontrollen seien jedoch technisch und operativ nicht möglich. Kontrollen würden deshalb anlassbezogen durchgeführt.

Auch Karin Rykart betont, technische Schutzmassnahmen könnten «menschliches Fehlverhalten im Einzelfall nicht vollständig ausschliessen». Deshalb investiere die Stadtpolizei seit Jahren in Aus- und Weiterbildungen zum Umgang mit sensiblen Daten. Wie viele Strafverfahren gegen Polizistinnen und Polizisten wegen Amtsgeheimnisverletzung insgesamt laufen, ist nicht bekannt. Laut Staatsanwaltschaft werden dazu keine Statistiken geführt.


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