Schweiz reagiert auf Trumps neue Strafzölle – weist Vorwürfe zurück


Darum geht’s

  • US-Präsident Donald Trump verhängt neue Zölle, um auslaufende Zölle mit sofortiger Wirkung zu ersetzen – auch die Schweiz ist betroffen.
  • Ab dem heutigen Freitag müssen Schweizer Exporteure beim Export in die USA einen Basiszoll von 12,5 Prozent entrichten; für EU-Unternehmen gilt ein Satz von 10 Prozent.
  • Die US-Regierung begründet die neuen Zölle mit einer laxen Umsetzung von Verboten der ‌Zwangsarbeit in den betroffenen Ländern.
  • Die Schweiz weist die im Rahmen der US-Untersuchungen vorgebrachten Vorwürfe zur Zwangsarbeit zurück.
  • Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse bewertet die neuen Zölle als zusätzliche Belastung für Schweizer Unternehmen
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US-Präsident Trump hält an seiner Zollpolitik fest: Kurz vor dem Auslaufen einer Übergangsregelung für seine globalen Zölle legt die US-Regierung neue Importzölle für Dutzende Handelspartner fest. Wie erwartet gehört die Schweiz dazu.

Welche Zölle gelten neu?

Die Trump-Regierung ist nach einer wochenlangen Untersuchung zum Schluss gekommen, dass rund 60 Handelspartner angeblich unzureichend gegen Zwangsarbeit vorgehen. Pünktlich zum Ende des gesetzlichen Zeitrahmens von Trumps bisherigen globalen Zölle verkündet sein Handelsbeauftragter Jamieson Greer aus diesem Grund neue Importgebühren auf Einfuhren besagter Handelspartner: einen Zollsatz von 10 beziehungsweise 12,5 Prozent. Dieser liegt auffällig nah an der bisherigen Abgabe – die vorigen globalen Zölle lagen bei 10 Prozent. Nach US-Angaben betreffen die neuen Zölle 99,4 Prozent aller Importe.

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Die Schweiz wird nun unter anderem neben der Europäische Union, Taiwan und Japan als Handelspartner genannt, bei dem für die Importe bestimmter Produkte in die USA beide Sätze aufgeführt werden. Den Zollsatz machen die USA den Angaben zufolge auch davon abhängig, ob Handelspartner Verbote für mit Zwangsarbeit hergestellte Waren wirksam durchsetzen. Die Schweiz und andere Länder handeln nach US-Darstellung in dieser Hinsicht nicht entschlossen genug.

Wie reagiert die Schweiz?

Die Schweiz hat den angekündigten US-Zusatzzoll von bis zu 12,5 Prozent auf Schweizer Importe zur Kenntnis genommen. Wie das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) auf Anfrage von Keystone-SDA am frühen Freitagmorgen mitteilte, weist die Schweiz die im Rahmen der US-Untersuchungen vorgebrachten Vorwürfe zur Zwangsarbeit jedoch entschieden zurück.

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«Der Gesamtzoll wird auf mindestens 12,5 Prozent angehoben, aber bestehende Meistbegünstigungszölle werden angerechnet. Damit steht die Schweiz gleich wie Japan und Südkorea, ist jedoch schlechter gestellt als die EU und Taiwan mit einem Gesamtzoll von zehn Prozent», teilte das WBF Keystone-SDA mit.

Wie schneidet die Schweiz im Vergleich ab?

Die Schweiz gehört zu den Ländern, für die neu ein Zusatzzoll von 12,5 Prozent gilt. Greer präzisiert, dass im Falle der Schweiz, der EU, Japan, Südkorea und Taiwan der «Most-Favoured Nation»-Zoll abgezogen wird. Das bedeute, dass die Schweiz genau 12,5 Prozent zu zahlen hat und nicht 12,5 Prozent zusätzlich, führte die «Neue Zürcher Zeitung» aus. Bei Gütern, auf denen schon bisher mehr als 12,5 Prozent zu entrichten waren, verändere sich das Zollniveau nicht.

Gegenüber den meisten übrigen untersuchten Ländern sei die Schweiz besser gestellt, weil dort ein Zusatzzoll von 12,5 Prozent zum Meistbegünstigungszoll hinzugerechnet werde; einzelne Länder wie Kanada, Mexiko oder das Vereinigte Königreich unterlägen allerdings nur einem Zusatzzoll von zehn Prozent, so das WBF weiter. Zudem würden für bestimmte Schweizer Produkte Ausnahmen gelten. Die Schweiz strebe weiterhin ein rechtsverbindliches Abkommen mit den USA an.

Schaffen neue Zölle Wettbewerbsnachteile?

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse bewertet die neuen Zölle für die Schweiz als zusätzliche Belastung für Schweizer Unternehmen. «Aus Sicht von economiesuisse ist dieser Entscheid weder nachvollziehbar noch gerechtfertigt», teilte der Verband am frühen Freitagmorgen mit. Der neue Zollsatz schaffe Wettbewerbsnachteile gegenüber Ländern mit tieferen Zollsätzen, darunter die Europäische Union (EU) und das Vereinigte Königreich.

Den Vorwurf, die Schweiz unternehme zu wenig gegen den Import von Waren aus Zwangsarbeit, wies auch die Economiesuisse zurück. «Es gibt keine Hinweise darauf, dass Schweizer Lieferketten genutzt würden, um Waren aus Zwangsarbeit in den US-Markt zu schleusen. Zwangsarbeit ist in der Schweiz bereits heute verfassungs-, zivil- und strafrechtlich verboten», erklärte der Verband. Zudem habe die Schweiz die einschlägigen ILO-Konventionen ratifiziert und die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte umgesetzt.

Bleibt Unsicherheit für Unternehmen?

Mit der heutigen Bekanntgabe halten sich die USA momentan an die im vergangenen November gemeinsam mit der Schweiz vereinbarte Absichtserklärung. Dieses sieht für die meisten US-Importzölle aus der Schweiz eine Deckelung auf 15 Prozent vor. Die Schweiz habe ihrerseits bereits zentrale Elemente der Erklärung umgesetzt, so die Economiesuisse. Gleichzeitig erhöhe der neue Zollsatz die Kosten für Schweizer Exporte, ohne die bestehende Unsicherheit zu beseitigen. Umso wichtiger sei es, dass aus der laufenden US-Untersuchung zu angeblichen Überkapazitäten in der industriellen Produktion keine zusätzlichen Zollbelastungen entstehen würden.

Der Wirtschaftsdachverband fordert nun, dass die Gespräche mit den USA weitergeführt werden müssen. damit die Benachteiligung gegenüber der EU und weiteren Ländern beseitigt und weitere handelspolitische Unsicherheiten verhindert werden können.

Wann geht es los und welche Produkte sind betroffen?

Die Zölle gelten seit Freitagmorgen (24.07.2026) 06.01 Uhr Schweizer Zeit (Mitternacht US-Ostküstenzeit). Ausgenommen sind laut den USA unter anderem Produkte, die bereits bestimmten anderen Zöllen unterliegen, wie zum Beispiel Stahl und Aluminium. Auch Öl und Gas seien nicht betroffen, sagte ein hochrangiger US-Beamter der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Ausnahmen gibt es für Waren, die zuvor bereits auf ein Schiff geladen wurden.

Die neuen Zölle kommen aus Perspektive des US-Präsidenten gerade rechtzeitig, um den Wegfall globaler Zölle auszugleichen, für die er nun keine rechtliche Grundlage mehr gehabt hätte. Diese konnte die US-Regierung maximal 150 Tage lang erheben – damit wäre am Freitag Schluss gewesen.

Die USA hatten seit dem 24. Februar auf die meisten Einfuhren aus dem Ausland einen Zoll von zehn Prozent verlangt. Trump hatte diese in Windeseile verkündet, nachdem der Supreme Court weite Teile seiner vorherigen Zölle kassiert hatte.

Was ist die gesetzliche Grundlage?

Die neuen Zölle basieren auf dem gleichen Handelsgesetz aus dem Jahr 1974, das die Regierung bereits bei ihren temporären globalen Zöllen herangezogen hatte. Statt auf Paragraf 122 stützt sich Trump nun auf Paragraf 301, der der Regierung die Möglichkeit einräumt, bei nachweislich «ungerechtfertigten, unangemessenen oder diskriminierenden» Handelspraktiken aktiv zu werden. Anders als manche vorherige Ansätze Trumps, Zölle zu verhängen, ist dieser rechtliche Hebel in den USA kein Novum.

Voraussetzung dafür ist, dass die Regierung zuvor Untersuchungen durchgeführt, Kommentare eingeholt und Anhörungen abgehalten hat. Der Handelsbeauftragte hat nach eigenen Angaben «mehr als 1600 schriftliche Stellungnahmen zu der vorgeschlagenen Gegenmassnahme erhalten, geprüft und analysiert», hiess es in der Mitteilung. Zudem hätten mehr als 100 Zeugen bei öffentlichen Anhörungen ausgesagt und Fragen beantwortet.

Wie schätzen Experten Trumps Zollpolitik ein?

Experten und Ökonomen sehen Trumps Vorgehen kritisch. «Die beispiellose und chaotische Zollpolitik der Trump-Regierung (…) hat der US-Wirtschaft schweren Schaden zugefügt», heisst es etwa in einer Analyse der Denkfabrik Center for American Progress. Grund dafür seien der Umfang und «ihre oft impulsive Umsetzung» gewesen. So hatte Trump oft unangekündigt und mit wenig Tagen Vorlauf neue Zölle angekündigt.

«Sie führten weder zu neuen Handelsabkommen noch zu einem besseren Marktzugang für amerikanische Exporteure», erklärte Ryan Mulholland vom Center for American Progress. Er bemängelte, dass das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten im Mai bei 77,6 Milliarden US-Dollar gelegen habe – 41 Prozent höher als zum Zeitpunkt der Zollankündigung.

Experten gehen davon aus, dass vor allem Trumps Landsleute die Leidtragenden sind: Die überparteiliche Denkfabrik Tax Foundation schätzt, dass US-Haushalte im laufenden Jahr im Durchschnitt wegen der Zölle eine Zusatzbelastung von 700 Dollar zu schultern haben – das Tax Policy Center beziffert die Bürde sogar auf 960 Dollar.

Und was ist mit den EU-Exporten in die USA?

Für die meisten Importe aus der EU gilt eigentlich weiter ein Zoll von bis zu 15 Prozent. Dabei handelt es sich um das auch als «Turnberry-Deal» bekannte, bilaterale Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump hatten sich darauf geeinigt, um einen drohenden Handelskrieg abzuwenden.

Brüssel machte weitere Zugeständnisse wie die Abschaffung von EU-Zöllen auf US-Industriegüter. Angesichts der impulsiven Politik unter Trump hat die EU zusätzlich ein Sicherheitsnetz eingebaut: Sollten die USA ihre Zusagen nicht vollständig umsetzen oder Absprachen wieder ausgesetzt werden, können auch Zugeständnisse der EU ausgesetzt werden.

Wie ist der aktuelle Stand bei den EU-Ausfuhren?

Bisher hält sich Washington laut Brüsseler Kreisen zumindest in den meisten Fällen an das Abkommen. Für rund 93 Prozent der EU-Exporte in die Vereinigten Staaten fielen Zölle in Höhe von maximal 15 Prozent an, sagte ein EU-Beamter. Bei den restlichen Produkten liege der Satz allerdings höher: Dies sei etwa für Käse zutreffend, der effektiv mit knapp 25 Prozent verzollt werde.

Die Ausfuhren in Richtung USA haben nach Darstellung des EU-Beamten nicht besonders gelitten. «Man sieht die Auswirkungen der von den USA verhängten Zölle nicht wirklich», sagte er. Zwar sei es zu «erheblichen Schwankungen» gekommen – signifikante Auswirkungen seien mit Ausnahme bestimmter Branchen wie der Automobilindustrie allerdings ausgeblieben.

US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer über neue Strafzölle.

Die USA erhöhen den Druck auf die Schweiz im laufenden Zollstreit. Die Regierung von Präsident Donald Trump hat neue Strafzölle gegen rund 60 Handelspartner vorgeschlagen, darunter auch die Schweiz.