Ehrung am Locarno Film Festival
Asia Argento am Filmfestival in Venedig im September 2024.
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Darum geht’s
- Asia Argento (50) stammt aus einer berühmten italienischen Künstlerfamilie, machte sich aber als Schauspielerin, Regisseurin und Musikerin einen eigenen Namen. Am 13. August erhält sie am Locarno Film Festival den Life Achievement Award.
- International bekannt wurde sie durch ihre Filmkarriere und als frühe Stimme der #MeToo-Bewegung mit Vorwürfen gegen Harvey Weinstein. Später geriet sie selbst wegen Vorwürfen des Schauspielers Jimmy Bennett in die Schlagzeilen.
- Auch ihr Privatleben sorgte oft für Aufmerksamkeit, unter anderem durch ihre Beziehung mit Anthony Bourdain sowie ihren offenen Umgang mit Sucht und Depressionen. Seit 2021 lebt sie nach eigenen Angaben nüchtern.
- Das Locarno Film Festival findet vom 5. bis 15. August statt. blue News ist vor Ort und berichtet.
Asia Argento heisst eigentlich nicht Asia
Horror-Meisterregisseur Dario Argento und seine damalige Frau, Schauspielerin Daria Nicolodi, wollten ihre Tochter eigentlich Asia nennen. Doch das römische Standesamt (Anagrafe) verweigerte die Eintragung des Namens.
Grund war ein Gesetz aus der Mussolini-Zeit, das Vornamen verbot, die auf fremde Kontinente Bezug nahmen. «Dario, Daria – also soll sie Aria heissen», erinnerte sich Asia Argento später in einem Interview an die Entscheidung ihres Vaters. Offiziell heisst sie deshalb Aria Maria Vittoria Rossa Argento. In der Öffentlichkeit und auch selbst verwendet sie jedoch den ursprünglich geplanten Namen Asia.
Aus einer Künstlerdynastie
Asia Argento entstammt einer Künstlerfamilie. Sie ist die Tochter des Horror-Regisseurs Dario Argento, der mit Filmen wie «Profondo Rosso» («Deep Red») und «Suspiria» das Giallo-Genre prägte – eine stilbildende italienische Mischung aus Thriller, Krimi und Horror. Ihr Grossvater Salvatore Argento war ein erfolgreicher Filmproduzent und produzierte zahlreiche Werke seines Sohnes.
Auch ihre Grossmutter Elda Luxardo war eine prägende Figur der italienischen Kulturszene. Die renommierte Porträtfotografin führte in Rom das Studio Luxardo, eines der bedeutendsten Fotoateliers des Landes. Vor ihrer Kamera standen Filmgrössen wie Gina Lollobrigida, Sophia Loren, Anna Magnani und Marcello Mastroianni. Das Atelier galt über Jahrzehnte als feste Adresse der italienischen Film- und Kulturszene.
Sohn Dario Argento hielt sich dort oft auf und erzählt, dass er dort seine Leidenschaft für die Entwicklung von Filmrollen, die Liebe zum Detail sowie für aufwendiges Make-up und kunstvolle Inszenierungen entdeckte.
Mütterlicherseits stammt Asia Argento aus einer ebenso prominenten Künstlerfamilie. Ihre Mutter Daria Nicolodi war Schauspielerin und Drehbuchautorin und wurde durch Filme wie «Profondo Rosso», «Inferno» und «Tenebre» zur Ikone des italienischen Horrorfilms.
Gemeinsam mit Dario Argento schrieb sie zudem die Geschichte zum Kultfilm «Suspiria». Auch der Stammbaum ihrer Mutter ist prominent: Asia Argentos Urgrossvater war der Komponist, Pianist und Dirigent Alfredo Casella (1883–1947), der zu den wichtigsten Erneuerern der italienischen klassischen Musik im 20. Jahrhundert zählt.
Ihre Filme polarisieren – inklusive Hundekuss
Asia Argento spielte an der Seite von Actionstar Vin Diesel die Rolle der Yelena im Blockbuster «xXx-Tripple x.» Der Film kam 2002 in die Kinos.
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Asia Argento stand schon als Neunjährige vor der Kamera. Ihr Filmdebüt gab sie 1986 in «Demons 2», drei Jahre später folgte eine Rolle in Nanni Morettis «Palombella rossa». In den 1990er-Jahren gelang ihr der Durchbruch mit Filmen wie «Trauma», «The Stendhal Syndrome» und «Traveling Companion». Später arbeitete sie mit Regisseuren und Regisseurinnen wie Sofia Coppola, Gus Van Sant und Abel Ferrara und war im Hollywood-Actionfilm «xXx»an der Seite von Vin Diesel zu sehen.
Doch Argento wollte mehr als schauspielern: Mit «Scarlet Diva» und «The Heart Is Deceitful Above All Things» arbeitete sie auch als Regisseurin.
Für Schlagzeilen sorgte sie 2007 jedoch mit einer spontanen Szene im Film «Go Go Tales»: Darin küsst sie einen Rottweiler auf den Mund. Argento erklärte später, die Sequenz sei nicht geplant gewesen und habe ihrer Karriere geschadet. Trotzdem entwickelte sich der Hundekuss zu einem der meistdiskutierten Momente des Films.
Vorreiterin der #MeToo-Bewegung
2017 gehörte Asia Argento zu den ersten Schauspielerinnen, die dem früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein öffentlich sexuelle Gewalt vorwarfen.
Ein Jahr später sorgte sie mit einer emotionalen Rede bei den Filmfestspielen von Cannes weltweit für Aufsehen. Darin sagte sie, Weinstein habe sie 1997 in Cannes vergewaltigt, und bezeichnete das Festival als dessen «Jagdrevier». Gleichzeitig forderte sie, sexuelle Übergriffe in der Filmbranche konsequent aufzuarbeiten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Anklage wegen sexueller Belästigung
2018 geriet Asia Argento selbst ins Zentrum schwerer Vorwürfe. Der US-Schauspieler Jimmy Bennett beschuldigte sie, ihn 2013 im Alter von 17 Jahren sexuell missbraucht zu haben. Argento war damals 37 Jahre alt, Bennett hatte das geltende Schutzalter von 18 Jahren noch nicht erreicht. Argento bestritt die Missbrauchsvorwürfe zunächst, räumte später jedoch ein, dass es zu sexuellem Kontakt gekommen sei. Nach ihrer Darstellung sei die Initiative von Bennett ausgegangen.
Bekannt wurde zudem, dass Bennett eine Zahlung von 380’000 Dollar erhalten hatte. Das Geld stammte aus dem Vermögen von Argentos damaligem Lebenspartner Anthony Bourdain, der laut seinem Umfeld einen drohenden Reputationsschaden für sie abwenden wollte.
Asia Argento (li) mit Rose McGowan an der Demo am internationalen Frauentag in Rom 2018.
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Die Affäre führte auch zum Bruch mit ihrer langjährigen Freundin und #MeToo-Mitstreiterin Rose McGowan, die Argento öffentlich zu mehr Ehrlichkeit im Umgang mit den Vorwürfen aufforderte.
Asia Argento mit ihrer grossen Liebe, Starkoch Anthony Bourdain, am Women in the World Summit-Anlass im April 2018 in New York.
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Asia Argento war mit dem italienischen Regisseur Michele Civetta und dem Musiker Marco Castoldi, besser bekannt als Morgan, liiert. Aus den Beziehungen stammen ihre beiden Kinder: Tochter Anna Lou (geboren 2001) und Sohn Nicola Giovanni (geboren 2008).
Ihre wohl bekannteste Beziehung führte sie mit dem US-Starkoch und Bestsellerautor Anthony Bourdain. Die beiden lernten sich 2016 während der Dreharbeiten zu Bourdains CNN-Sendung «Parts Unknown» in Rom kennen und wurden kurz darauf ein Paar. Bourdain unterstützte Argento öffentlich, nachdem sie Harvey Weinstein Vergewaltigung vorgeworfen hatte, und stand ihr während der #MeToo-Debatte zur Seite.
Die Beziehung geriet jedoch unter Druck, als 2018 die Missbrauchsvorwürfe des Schauspielers Jimmy Bennett gegen Argento bekannt wurden. Wenige Monate später nahm sich Bourdain während Dreharbeiten in Frankreich das Leben. Sein Tod erschütterte Argento zutiefst. Bis heute bezeichnet sie ihn als die grosse Liebe ihres Lebens.
Der Kampf gegen ihre Dämonen
Asia Argento sprach offen über ihre Alkohol- und Drogensucht. Sie erzählte, zeitweise schon morgens getrunken und sich jahrelang in Depressionen und Abhängigkeit verloren zu haben. Den Wendepunkt habe sie vor allem ihren Kindern, dem Buddhismus und den Treffen der Anonymen Alkoholiker zu verdanken.
Seit 2021 lebt sie nach eigenen Angaben nüchtern. Über ihren 2018 verstorbenen Lebensgefährten Anthony Bourdain sagte sie rückblickend: «Wir waren beide Alkoholiker und depressiv, aber wir haben uns geliebt.» Einen Menschen wie ihn habe sie nie wieder gefunden.
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