Gülsha begeistert beim «Donnschtig-Jass» in Amriswil


Volksmusik trifft Stand-up

Eine gute «Donnschtig-Jass»-Ausgabe steht und fällt nicht nur mit den Karten, sondern auch mit der Chemie zwischen Moderator Rainer Maria Salzgeber und seinen Gästen. In Amriswil stimmt sie vom ersten Moment an. Vor allem Gülsha Adilji bringt mit urbanem Charme, Schlagfertigkeit und spürbarer Begeisterung frischen Wind in die Jass-Show.

Lukas Rüttimann

Heute um 06:43Heute um 06:44

Darum geht’s

  • Gülsha Adilji ist der prominente Gast beim «Donnschtig-Jass» in Amriswil.
  • Die Moderatorin und Stand-up-Comedienne gewinnt knapp die Strassenkünstler-Challenge gegen Stefan Büsser.
  • Rainer Maria Salzgeber und Gülsha liefern sich einen gut gelaunten Schlagabtausch – nur die Suche nach ihrem Traummann wird etwas gar oft bemüht.
  • Baschi und Oesch’s die Dritten sorgen für ausgelassene Feststimmung.
  • Beckenried LU gewinnt das Gastgeberrecht für die nächste Ausgabe.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Es gibt beim «Donnschtig-Jass» Abende, an denen die Karten besonders gut fallen. Und solche, an denen vor allem die Menschen am Tisch und auf der Bühne zusammenpassen. In Amriswil ist beides der Fall.

Schon früh merkt man Rainer Maria Salzgeber an, dass er sich auf seinen prominenten Gast so richtig gefreut hat. Gülsha Adilji wiederum macht überhaupt keinen Hehl daraus, wie aufgeregt sie ist, beim legendären «Donnschtig-Jass» dabei zu sein.

Das ist durchaus bemerkenswert. Denn auf dem Papier treffen hier zwei ziemlich unterschiedliche Schweizer Unterhaltungswelten aufeinander: Auf der einen Seite Jasskarten, Volksmusik und Dorfplatz.

Auf der anderen eine Moderatorin, Podcasterin und Stand-up-Comedienne mit türkisch-albanischen Wurzeln und urbanem Charme, die ein deutlich jüngeres Publikum erreicht – und selbst offen zugibt, vom Jassen noch kaum etwas zu verstehen. Doch genau diese Mischung tut dem «Donnschtig-Jass» gut. Gülsha kann nicht jassen – aber sie kann eine Liveshow.

Gülsha braucht ein paar Minuten

Gülsha ist zu Beginn noch nervös.

Gülsha ist zu Beginn noch nervös.

Screenshot SRF

Zu Beginn ist der Ostschweizerin die Nervosität allerdings noch anzumerken. Die sonst so schlagfertige Entertainerin wirkt fast ein bisschen überwältigt davon, plötzlich selbst mitten in jener Schweizer TV-Institution zu stehen, die sie zuvor noch als «riesiges TV-Event» bezeichnet hatte.

Doch das legt sich schnell. Je länger der Abend dauert, desto mehr findet Gülsha zu ihrer gewohnten Schlagfertigkeit. Und bald muss sich selbst Stefan Büsser warm anziehen. Bei der Strassenkünstler-Challenge etwa sollen die beiden innerhalb von 30 Minuten möglichst viel Geld von Passanten einsammeln. Gülsha tanzt sich beinahe die Seele aus dem Leib – und entscheidet das Duell hauchdünn für sich.

Den höheren Unterhaltungswert liefert allerdings Büsser. Seine Strategie besteht im Wesentlichen darin, Passanten mit seinem «Gesang» so lange zu belästigen, bis sie dafür bezahlen, dass er endlich wieder aufhört. Resultat: Gülsha gewinnt. Büssi hat die Pointe.

«Hallo Mami!»

Baschi und Rainer Maria Salzgeber in Amriswil.

Baschi und Rainer Maria Salzgeber in Amriswil.

Screenshot SRF

Auch das Zusammenspiel zwischen Gülsha und Salzgeber funktioniert erstaunlich gut. Sie necken sich, werfen sich Pointen zu, und der Moderator lässt seinem Gast genügend Raum, um aufzudrehen. Lediglich ein Thema wird etwas gar ausdauernd bewirtschaftet: Gülshas Suche nach einem Mann.

Natürlich, das ist auch in ihren eigenen Comedy-Programmen eines ihrer bevorzugten Themen. Trotzdem wirkt der Running Gag irgendwann etwas bemüht. Amriswil muss ja nicht gleich Tinder ersetzen. Zu Beginn muss deshalb gleich das Publikum als Datingpool herhalten. Was Monika Fasnacht, Kliby oder Hausi Leutenegger davon halten, die in Amriswil für den nötigen Glamour auf der Festbank sorgen, bleibt offen.

Deutlich charmanter ist da ein anderer Moment: Gülsha stellt Salzgeber ihre Mutter vor, die offenbar ein grosser Fan des Moderators ist. «Das ist mein Mami», sagt sie. Salzgeber dreht sich zur Mutter und sagt: «Hallo Mami!»

100 angesagt, 100 gemacht

Auch am Jasstisch passt die Stimmung. Für den sportlichen Höhepunkt sorgt dabei Kandidat Tim. 100 Differenzpunkte sagt er an. 100 Differenzpunkte macht er. Eine Punktlandung, bei der selbst die Profis staunen.

Und dass die Livesendung auch zweimal kurz daran erinnert, tatsächlich live zu sein, gehört zum Charme des Formats. Einmal wird versehentlich die Differenz verraten, später fällt auch noch kurz der Strom aus. Beides wird weggesteckt.

Baschi muss jetzt nach Hause

Und dann ist da noch die Musik. Baschi zeigt mit zwei Auftritten einmal mehr, weshalb er für solche Veranstaltungen eine eingebaute Stimmungsgarantie besitzt. Der frischgebackene Vater zeigt sich als Rampensau wie eh und je – nur das Programm danach hat sich geändert. Früher sei es nach solchen Auftritten noch in die Bar gegangen, erzählt er. «Heute gehe ich nach Hause zu Mutter und Kind.»

Auch Oesch’s die Dritten lassen sich von der ausgelassenen Atmosphäre anstecken. Vor allem Melanie Oesch gibt ungewohnt offensiv die Einheizerin: «Chömed, Amriswil!», feuert sie das Publikum immer wieder an. Und Amriswil lässt sich nicht zweimal bitten.

Frischer Wind für eine alte Institution

Melanie Oesch heizt dem Publikum ein.

Melanie Oesch heizt dem Publikum ein.

Screenshot SRF

Am Ende gewinnt Beckenried mit dem starken Resultat von nur 43 Differenzpunkten das Gastgeberrecht für die nächste Ausgabe. Der eigentliche Gewinner dieses Abends ist aber wieder einmal das Format selbst.

Denn der «Donnschtig-Jass» zeigt in Amriswil, weshalb er auch im 43. Sommer funktioniert. Er kann Baschi und Oesch’s die Dritten genauso selbstverständlich auf dieselbe Bühne stellen wie eine urbane Stand-up-Comedienne, die ein ganz anderes Publikum anspricht – ohne dass sich irgendjemand am falschen Ort anfühlt.

Gülsha ist dafür die ideale Gästin. Sie kommt nicht als ironische Beobachterin einer etwas folkloristischen Fernsehwelt. Sie hat sichtbar Freude daran, Teil davon zu sein. Und diese Begeisterung überträgt sich.

Vielleicht braucht der «Donnschtig-Jass» deshalb gar keine Innovationen, um frisch zu bleiben. Manchmal reicht der richtige Gast.

Volkssängerin Melanie Oesch: «Ich bin im Gegenstrom geschwommen»

Melanie Oesch von Oeschs die Dritten ist zu Besuch in der TV-Sendung «On the Rocks». Die Sendung steht ganz im Zeichen von Jodel, Jassen und ganz viel Swissness.


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