Trump braucht Sprachrohr
Der Abgang von Regierungssprecherin Karoline Leavitt ist für US-Präsident Donald Trump ein grosser Verlust.
Keystone/EPA/Shawn Thew
Darum geht’s
- Karoline Leavitt hört als US-Regierungssprecherin auf.
- Ihr Rücktritt erfolgt zu einem äusserst schlechten Zeitpunkt für Donald Trump, der politisch massiv unter Druck steht.
- In Washington wird daher intensiv über mögliche Nachfolger*innen spekuliert.
- Gehandelt werden zahlreiche Kandidat*innen, von TV-Stars bis hin zu Mitgliedern aus Trumps Pressestab.
Karoline Leavitt tritt zurück – und hinterlässt damit eine klaffende Lücke für Donald Trump. Die erst 28-Jährige wird selbst von Kritiker*innen für ihr Handwerk gelobt, ihr Chef schwärmt in den höchsten Tönen von ihr.
Schliesslich entsprach Leavitts Umgang mit den Medien genau dem Geschmack des US-Präsidenten. So schmetterte sie unliebsame Fragen etwa nach dem Krieg im Iran oder Jeffrey Epstein geschickt ab, wies vermeintlich dreiste Journalist*innen schroff zurecht – und natürlich huldigte sie Donald Trump bei jeder Gelegenheit. Der befindet sich indessen in schwierigem Fahrwasser und braucht dringend eine Nachfolge ihres Kalibers.
Leavitts Bedeutung für Trump ist also kaum hoch genug einzuschätzen. Auch deshalb wird in Washington heftig über mögliche Nachfolger*innen spekuliert.
blue News stellt die heiss gehandelten Kandidat*innen im Überblick vor:
Die TV-Moderatorin Sage Steele bei einer Trump-Veranstaltung im November 2024. (Archivbild)
AP Photo/Matt Rourke/Keystone
Die TV-Moderatorin Sage Steele wurde bereits nach Trumps Wahlsieg 2024 als Kandidatin für den Job gehandelt. Und auch jetzt werden ihr von US-Medien grosse Chancen auf den Posten zugesprochen. Zwar hatte sie entsprechende Ambitionen vor Trumps Amtsantritt verneint, nun jedoch bleiben Steeles Dementis aus.
Die 53-Jährige war 16 Jahre lang beim TV-Sender ESPN tätig, unter anderem als Moderatorin von «SportsCenter». Sie verliess den Sender jedoch im Jahr 2023 und behauptete, ESPN habe ihr Recht auf freie Meinungsäusserung verletzt. Das gefiel auch Trump, der sie mehrfach zu Veranstaltungen einlud, wo sie bereits als dessen inoffizielles Sprachrohr fungierte. Sie selbst bezeichnete die Auftritte als «eine der aufregendsten Erfahrungen» in ihrem Leben.
Anna Kelly gilt als heisse Kandidatin.
AnnaKellyGOP/X
Weit oben auf der Liste potentieller Nachfolger*innen befindet sich Anna Kelly. Die ehemalige Schönheitskönigin ist die Stellvertreterin von Karoline Leavitt und ihr in vieler Hinsicht ähnlich. So ist Kelly mit ihren 29 Jahren vergleichbar jung, verfügt aber dennoch über viel Erfahrung in Washingtons Politik-Betrieb. Bereits mit 15 arbeitete sie als Praktikantin für ein lokales Komitee der Republikanischen Partei in Virginia.
Von dort aus stieg sie stetig die Karriereleiter in der Partei hinauf – sie arbeitete für die Republikanische Partei von Wisconsin, einen republikanischen Kongressabgeordneten sowie das Republikanische Nationalkomitee, bevor sie schliesslich zur ersten stellvertretenden Pressesprecherin des Weissen Hauses aufstieg.
Von zahlreichen US-Medien wird wild über Steven Cheung spekuliert, der seit vergangenem Jahr Kommunikationsdirektor im Weissen Haus ist. Wie auch Anna Kelly ist Cheung damit bestens vertraut mit dem medialen Betrieb Washingtons, und zumindest gemäss Hierachie ein naheliegender Nachfolger.
Ausserdem übernimmt Cheung bereits einige Aufgaben dieser Funktion. So trifft er sich regelmässig mit Journalist*innen, um sie zum einen mit Informationen zu versorgen, und nicht zuletzt deren Berichterstattung zu beeinflussen. Allerdings gilt Cheung eher als zurückhaltend und meidet Auftritte vor Kameras – keine ideale Voraussetzung also für den Posten des Regierungssprechers.
Auch Tricia McLaughlin hat eine Menge Erfahrung im derzeit chaotischen Polit-Betrieb Washingtons. Sie war bis Februar stellvertretende Staatssekretärin für öffentliche Angelegenheiten im Ministerium für Innere Sicherheit. Mit ihren scharfzüngigen Auftritten vor der Presse erlangte sie bereits früh die Aufmerksam Trumps. So bezeichnete der Präsident sie nach einem Auftritt bei Fox News als «wundervoll», die «weiss, was sie tut».
McLaughlin hatte die schwierige Aufgabe, umstrittene Massnahmen der Regierung zu verteidigen, wie etwa die Massenabschiebungen oder das rabiate Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE.
Trumps Anwältin Alina Habba. (Archivbild)
AP/Keystone
Wie unter anderem die «New York Post» berichtet, soll sich auch Trumps Anwältin Alina Habba in der engeren Auswahl befinden. Sie vertrat den Präsidenten in einigen seiner zahlreichen Rechtsstreitigkeiten.
Für souveräne Auftritte vor der Presse ist sie jedoch nicht bekannt – im Gegenteil. So fungierte sie während Trumps Zivilprozess wegen Betrugs in New York 2024 zeitweise bereits als dessen Pressesprecherin und trat während des Gerichtsverfahrens mehrfach unklugerweise vor die Medien.
Jason Miller ist ein langjähriger, enger Berater von US-Präsident Donald Trump.
IMAGO/Newscom World
Als weiterer möglicher Nachfolger Leavitts kommt ausserdem Jason Miller in Frage, der Donald Trump schon seit 2015 treu zur Seite steht. Er gilt als einer der engsten Berater des US-Präsidenten, der als Sprecher der Wahlkampagne bereits mehrfach öffentlich in Erscheinung getreten ist.
Diesen Sommer wurde mehrfach für einen wichtigen Posten in Washington gehandelt, und taucht auch jetzt wieder auf. «Jason ist ein Vertrauter des Präsidenten, er respektiert ihn und ist schon seit langer Zeit an seiner Seite», sagte ein Insider Anfang Juli zu CNN.
Allerdings könnte ihm seine persönliche Vergangenheit im Weg stehen. So verzichtete er auf einen Posten während Trumps erster Amtszeit, nachdem Berichte über eine Affäre mit einer Wahlkampfmitarbeiterin aufgetaucht waren, die er schliesslich bestätigte. Ausserdem gab er sexuelle Kontakte mit Prostituierten zu.
Matthew Boyle bei einem Auftritt bei der Conservative Political Action Conference 2025.
IMAGO/NurPhoto
Laut der US-Ausgabe der «Economic Times» gilt zudem Matthew Boyle als möglicher Kandidat, allein wegen seiner engen Verbindungen zum Trump-Universum. Er fungiert derzeit als Bürochef von Breitbart News in Washington D. C. Zur Erinnerung: Breitbart News wurde einst vom rechtsextremen Kampfhund Steve Bannon zum populären rechtskonservativen Sprachrohr gemacht und gilt als Leitmedium der US-amerikanischen Alt-Right-Bewegung.
Boyles enge Verbindungen zur MAGA-Bewegung machen ihn zu einem aussichtsreichen Kandidaten für die Trump-Regierung, die sich schon in der ersten Amtszeit konservativen und nicht-traditionellen Medien zuwendet. Schon Karoline Leavitt führte ein, dass bei jeder Medienkonferenz eine dieser Medien die erste Frage stellen darf. Mitunter handelt es sich dabei schlicht um (ultra-)rechte Influencer*innen.
Scott Jennings gilt ebenfalls als Kandidat.
Georgetown University
Zumindest nach Informationen des «Daily Beast» soll jedoch sehr wahrscheinlich ein vermeintlicher Aussenseiter das Amt übernehmen. Demnach gilt laut Insidern der politische Kommentator der MAGA-Bewegung, Scott Jennings, derzeit als Favorit für die Nachfolge Leavitts.
Jennings ist für seine streitlustigen und bisweilen kindischen Auftritte bekannt, bei denen er Trump auf CNN verteidigt. Der 49-Jährige war zuvor im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig und arbeitete in der Regierung von George W. Bush als Sonderberater des Präsidenten und stellvertretender Direktor für politische Angelegenheiten.
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