Darum geht’s

  • Beim Putzen kann gut gemeint schnell das Gegenteil von gut gemacht sein.
  • Manche verbreiteten Putzgewohnheiten verteilen Dreck oder sorgen dafür, dass neuer schneller haften bleibt.
  • Selbst bei Putzlumpen, Staubsauger und WC-Bürste gibt es überraschende Hygiene-Fallen.
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Eigentlich ist die Aufgabenstellung beim Putzen überschaubar: Der Dreck soll weg. Trotzdem gibt es viele Möglichkeiten, ihn stattdessen neu zu verteilen, festzukleben oder durch anderen Dreck zu ersetzen. Und so kann man sich eine Stunde lang redlich bemühen und am Ende eine Wohnung hinterlassen, die zwar nach «Meeresbrise» riecht, aber objektiv nicht unbedingt sauberer ist.

Wie das gelingt? Erstaunlich einfach.

Viel hilft viel? Beim Putzmittel nicht

Es klingt zunächst logisch: Wenn ein Spritzer Putzmittel sauber macht, müssten fünf Spritzer ungefähr fünfmal so sauber machen. Nur funktioniert Chemie bedauerlicherweise nicht nach dieser Haushaltsmathematik.

Zu viel Reinigungsmittel kann auf Oberflächen einen Film hinterlassen. An diesem bleiben Staub, Haare und andere Partikel besonders gut hängen. Im schlimmsten Fall investiert man also zusätzliche Zeit, zusätzliches Putzmittel und zusätzliche Muskelkraft, damit der Tisch oder der Boden schneller wieder dreckig wird.

Ähnlich kontraproduktiv ist es, Putzmittel grosszügig direkt auf eine Oberfläche zu sprühen. Besser ist es meistens, das Mittel zuerst auf ein Tuch oder einen Schwamm zu geben. So lässt sich die Menge besser kontrollieren.

Noch mehr Putzmittel braucht ein durchschnittlicher Haushalt sowieso kaum. Für den üblichen Hausputz werden von Expert*innen lediglich ein milder Allzweckreiniger, ein saurer Reiniger gegen Kalk, Scheuermilch und Spülmittel empfohlen.

In einem Privathaushalt sind Desinfektionsmittel laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Regel nicht nötig. Die imposante Sammlung aus «Power-Fettlöser», «Hygiene-Spray» und «Ultra-Aktiv-Badreiniger» kann also unter Umständen vor allem eines reinigen: das Portemonnaie.

Duftende Feinstaubbelastung

Selbst der Geruch nach Sauberkeit kann eine kleine Mogelpackung sein. Frische Düfte von Raumsprays oder Duftsteckern verstärken laut dem BAG tatsächlich unseren Eindruck von Sauberkeit und Hygiene. Sauberer wird die Luft dadurch allerdings nicht: Raumdüfte belasten sie zusätzlich mit chemischen Substanzen.

Wer nach dem Grossputz noch eine Duftkerze anzündet oder ein Räucherstäbchen abbrennt, setzt Verbrennungsprodukte wie Feinstaub, Russpartikel und Kohlenmonoxid frei. Besonders Räucherstäbchen können die Feinstaubbelastung stark erhöhen. Wer einen unangenehmen Geruch loswerden möchte, sollte deshalb besser lüften und dessen Ursache suchen, statt ihn unter «Vanilletraum» zu begraben.

Auch der Putzlumpen muss sauber werden

Beim Waschen der eigentlichen Putzutensilien lauert eine kleine Falle: Mikrofasertücher und Frotteelappen sollten nicht mit Weichspüler gewaschen werden. Er kann die Fasern beschichten. Beim nächsten Einsatz landet ein Teil dieses Films auf den frisch geputzten Flächen und kann dort Schlieren oder einen trüben Belag hinterlassen. Besonders auf Glas fällt das auf.

Mindestens genauso wichtig ist, dass der Lappen überhaupt regelmässig in der Waschmaschine landet. Das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) bezeichnet Putzlumpen und Abtrocknungstücher im Zusammenhang mit Küchenhygiene als mögliche «Bakterienreservoirs». Es empfiehlt, sie häufig zu wechseln und bei 60 Grad oder heisser zu waschen.

Und nein, ein Lumpen sollte nicht zum Allrounder werden. Empfohlen werden getrennte Tücher für Geschirr, Arbeitsflächen und Fussboden; auch für Küche, Bad und WC sollten verschiedene Putzutensilien verwendet werden. Sonst gelingt womöglich das Kunststück, die Toilette gründlich zu reinigen und ihre Bewohner anschliessend gleichmässig in der Wohnung zu verteilen.

Wie man Böden dreckig putzt

Besonders hübsch ist ein beliebter Putztrend aus den sozialen Medien: Waschmittel ins Wischwasser geben. Schliesslich macht es Wäsche sauber, warum sollte es bei einem Boden plötzlich seine Fähigkeiten verlieren?

Weil Waschmittel für Waschmaschinen und Textilien formuliert ist. Beim Wischen kann es Rückstände auf dem Boden hinterlassen. Auch hier ist das Problem der zurückbleibende Film: An ihm haftet neuer Dreck, mit der Zeit kann der Boden stumpf wirken. Man wischt also, damit der Boden sauber wird, und verteilt dabei eine Schicht, die ihm beim Dreckigwerden hilft.

Eine weitere Möglichkeit, den Dreck nach dem Putzen möglichst schnell wieder zurückzubringen, ist übrigens sehr einfach: Untersuchungen zeigen, dass Schuhsohlen Mikroorganismen und anderen Schmutz von draussen auf Innenböden übertragen können. Eine Studie von 2023 fand beispielsweise Fäkalbakterien auf New Yorker Gehwegen, Schuhsohlen und Innenböden; besonders stark belastet waren Eingangsbereiche.

Wie oft man tatsächlich feucht aufnehmen muss, hängt von Boden, Haushalt, Haustieren und Nutzung ab. Als grobe Faustregel wird für stark genutzte Bereiche häufig einmal pro Woche empfohlen. Wer die Strassenschuhe an der Tür auszieht, regelmässig saugt und Flecken sofort entfernt, kann weniger frequentierte Räume durchaus nur alle zwei Wochen feucht aufnehmen.

Mehr ist allerdings auch hier nicht automatisch besser. Vor allem Holz- und Laminatböden mögen keine dauernden Wasserbäder. Zu häufiges oder zu nasses Wischen kann Oberflächen und Fugen schädigen.

Auch der Staubsauger möchte mal geputzt werden

Ein bisschen ironisch mutet es auch an, dass ausgerechnet die Dinge, mit denen wir Dreck beseitigen, selbst erstaunlich lange dreckig bleiben dürfen. Staubsauger, Waschmaschine oder WC-Bürste benötigen selbst Pflege.

Dabei können verschmutzte Putzgeräte Dreck weitertragen, statt ihn zuverlässig zu entfernen. Beim Staubsauger bedeutet das: Behälter leeren oder Beutel wechseln, Haare und Fäden aus Bürstenrollen entfernen und Filter nach Herstellerangaben reinigen oder ersetzen.

Waschbare Filter müssen danach vollständig trocknen, bevor sie zurück ins Gerät kommen. Wie oft ein Filter gereinigt werden muss, hängt vom Modell ab. Dyson empfiehlt bei seinen entsprechenden Modellen beispielsweise eine monatliche Filterwäsche und mindestens 24 Stunden Trocknungszeit.

Beim Staubsauger kommt noch ein zweiter blinder Fleck hinzu: Staub, Haare, Pollen und Hautschuppen sammeln sich auch auf Polstermöbeln und Vorhängen. Dafür gibt es allerdings Polsterdüsen und andere passende Aufsätze. Wer gerade den Eingangsbereich abgesaugt hat, sollte deshalb nicht mit derselben Bodendüse übers Sofa fahren. Sonst hätten wir endlich die Königsdisziplin dieses Artikels erreicht: den Dreck erfolgreich vom Boden auf die Couch umzusiedeln.

Ein weiterer gern übersehener Ort sind Lüftungsgitter und Ventilatoren. Dort sammelt sich Staub, der beim Betrieb wieder im Zimmer verteilt werden kann. Regelmässig absaugen oder feucht abwischen verhindert, dass ausgerechnet der Ventilator nach dem Putzen die Wiederverteilung übernimmt.

Das traurige Leben der WC-Bürste

Noch schlechter als der Staubsauger hat es vermutlich die WC-Bürste. Sie erledigt eine der unbeliebtesten Arbeiten im Haushalt und wird danach nass in einen Behälter gestellt, bis man sie wieder braucht.

Genau das ist keine besonders gute Idee. Nach dem Reinigen sollte die Bürste noch in der Toilette mit sauberem Spülwasser abgespült und anschliessend getrocknet werden. Ein einfacher Trick besteht darin, den Griff zwischen WC-Sitz und Schüssel einzuklemmen, sodass der Bürstenkopf über der Schüssel abtropfen kann. Erst danach kommt sie zurück in den möglichst gut belüfteten Halter.

Auch der Halter selbst muss gereinigt und getrocknet werden. Sonst stellt man die gerade gereinigte Bürste zurück in eine kleine Pfütze, in der sich Mikroorganismen ausgesprochen wohlfühlen. Das ist ungefähr die sanitäre Version davon, nach dem Duschen wieder die getragenen Socken anzuziehen.

Eine starre wissenschaftliche Austauschfrist gibt es für WC-Bürsten übrigens nicht. Entscheidend ist eher ihr Zustand: Sind die Borsten beschädigt oder lässt sich die Bürste nicht mehr richtig reinigen, sollte sie ersetzt werden. Wichtiger als ein Kalenderdatum ist aber, dass Bürste und Halter sauber sind und zwischen den Einsätzen trocknen können.

Sonne im Herzen, Schlieren am Fenster

Ein sonniger Tag scheint der perfekte Moment zum Fensterputzen zu sein. Endlich sieht man jedes Fleckchen auf dem Glas. Und genau dann sollte man etwas anderes tun.

Bei direkter Sonne trocknet die Putzflüssigkeit auf warmem Glas schneller. Das begünstigt Streifen und Schlieren. Für Fenster eignen sich deshalb bewölkte Tage besser. Die gute Nachricht lautet also: Wenn draussen schönes Wetter ist, gibt es einen sachlichen Grund, das Fensterputzen aufzuschieben.

Bleibt noch der ärgerlichste Rat: Regelmässiges Putzen hilft also durchaus. Wer allerdings falsch oder zu enthusiastisch putzt, kann zusätzlichen Dreck verteilen, Oberflächen mit Rückständen überziehen oder sie sogar beschädigen. Im Haushalt ist mehr Einsatz nicht zwingend mehr Erfolg – entscheidend ist, dass der Dreck am Ende tatsächlich weg ist.


Bötschi fragt Gülsha Adilji und Maja Zivadinovic

Gülsha Adilji und Maja Zivadinovic starten gemeinsam einen neuen Podcast. Im «Bötschi fragt» sprechen sie über Männer, Geld und Rampenlicht – und verraten, warum die eine ins «Dschungelcamp» will und für die andere Applaus besser als Sex ist.