Hohe Nachfrage in der Schweiz
Heute legen die Menschen mehr Wert auf Gesundheit, Beweglichkeit und inneres Wohlbefinden.
Technogym
Darum geht’s
- Pilates hat sich vom Trend zu einer dauerhaften Säule der Wellnessbranche entwickelt.
- Pilates-Trainingsgeräte, sogenannte Reformer, waren bisher vor allem in Pilates-Studios, Fitnesscentern und Hotels zu finden. Jetzt entdecken sie immer mehr Privatpersonen für sich.
- blue News hat bei Dr. Christina Röcke, Ko-Direktorin des UZH Healthy Longevity Centers nachgefragt, weshalb Menschen bereit sind, mehrere Tausend Franken für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden auszugeben.
7250 Franken kostet der frisch lancierte Technogym Reform, ein Gerät, auf dem man gezielt Pilates-Übungen machen kann. Mehrwertsteuer und Installation sind bei diesen Kosten noch nicht inbegriffen. Für diesen Preis könnte man sich jahrelang ein Fitnessabo samt Kursen leisten oder sich Wellness-Ferien gönnen.
Schick sieht er aus, der neue Reform. Und er macht einen robusten Eindruck. In der historischen Orangerie des Enea Tree Museums in Rapperswil-Jona testen die Teilnehmerinnen das Gerät während 45 Minuten – angeleitet von Pilates-Instruktorin Francesca Timpano. Das Setting könnte kaum mehr Wellness versprühen: Bäume, Vogelgesang und Matcha Latte statt Kaffee.
Spätestens bei den Ausfallschritten wird klar: Die Übungen sehen einfacher aus, als sie sich anfühlen. Als der hintere Fuss oben auf die Footbar des Reforms gestellt und der vordere Fuss auf der gleitenden Plattform nach vorne bewegt werden soll, wird es zunächst wackelig. Konzentriert bleiben heisst es jetzt und Körperspannung halten. Nach einigen Wiederholungen stellt sich der Bewegungsablauf ein, und die Übungen, die Kraft und Balance gleichermassen fordern, gelingen bestens.
Ob man auf dem Gerät tatsächlich Muskeln spürt? Für die Autorin ist dies eine entscheidende Frage, schliesslich gilt Pilates als eher sanfte Trainingsform. «Wer sich nach einer Stunde nur gedehnt fühlt, hat kein Pilates gemacht», sagt Francesca Timpano später im Gespräch mit blue News.
Dass die Übungen fordernd sind, liegt vor allem an ihrem schrittweisen Aufbau, der die Intensität nach und nach steigert. Die Federn des 110 Kilogramm schweren Geräts sorgen für zusätzlichen Widerstand, was den grössten Unterschied zum Pilates auf der Matte darstellt.
«Das ist vergleichbar mit dem Training mit Hanteln: Man fügt dem Körper Widerstand hinzu», erklärt Timpano. Und tatsächlich brennen hier und da nach mehreren Wiederholungen die Muskeln. Das Gefühl «etwas getan zu haben» stellt sich ein. Und das Gefühl trügt nicht: Am nächsten Tag machen sich die 45 Minuten Reformer-Pilates bemerkbar. Die Oberschenkel ziehen leicht; der geplante Lauf wird auf den Folgetag verschoben. Von einer blossen Dehneinheit kann jedenfalls keine Rede sein.
Wunsch nach einem «Pilates Body»
Das Fitnessstudio ersetze ein Pilates-Reformer nicht, ergänze das Training aber sinnvoll so die Pilates-Instruktorin, deren Routine aus Krafttraining für den Muskelaufbau sowie Pilates zur Stärkung der Körpermitte besteht und durch gelegentliches intensives Intervalltraining (HIIT) ergänzt wird.
Viele erhoffen sich vom Pilates-Training auch körperliche Veränderungen. Nicht zuletzt auf Social Media wurde der Pilates-Hype, der während der Corona-Pandemie stark an Fahrt aufnahm, durch den sogenannten «Pilates Body» zusätzlich verstärkt.
Unter einem «Pilates Body» versteht man in der Fitnesswelt einen flexiblen Körper mit starker Rumpfmuskulatur und einer aufrechten Haltung. Doch die Pilates-Instuktorin warnt: «Pilates allein führt nicht automatisch zu dem Körperbild, das häufig auf Social Media präsentiert wird. Körperliche Veränderungen hängen von vielen Faktoren ab – Ernährung, Trainingsintensität und weiteren Sportarten.»
Wenn Gesundheit Tausende Franken kostet
Aus dem Pilates-Trend ist inzwischen eine dauerhafte Säule der Wellnessbranche geworden, die über ästhetische Ideale hinausgeht. «Der Boom hängt stark mit dem wachsenden Interesse an Rumpfstabilität und ganzheitlichem Wohlbefinden zusammen», erklärt Cristiano Zemella, Verantwortlicher für das Privatkundengeschäft bei Technogym. «Früher stand oft der ästhetische Aspekt im Vordergrund – etwa ein Sixpack oder ein muskulöser Körper. Heute legen die Menschen mehr Wert auf Gesundheit, Beweglichkeit und inneres Wohlbefinden».
Noch befindet man sich auf weiblich dominiertem Terrain, doch Immer mehr Männer probieren Pilates aus. «Statt nur Muskelmasse aufzubauen, wollen auch sie sich ganzheitlich fit und beweglich fühlen», erklärt Zemella.
Während Reformer bisher vor allem in Pilates-Studios, Fitnessstudios und Hotels zu finden waren, entdecken inzwischen immer mehr Privatpersonen die Geräte für sich. Auf dem Foto: Der frisch lancierte Technogym Reform.
Technogym
Während Reformer bisher vor allem in Pilates-Studios, Fitnessstudios und Hotels zu finden waren, entdecken laut Technogym inzwischen immer mehr Privatpersonen die Geräte für sich. Rund 40 Prozent des Umsatzes erzielt das Unternehmen heute bereits mit Privatkundinnen und -kunden – Tendenz steigend.
«Menschen, die materiell bereits alles haben, investieren zunehmend in ihre Gesundheit», erklärt Cristiano Zemella. «Besonders in der Schweiz beobachten wir eine hohe Nachfrage im Vergleich zu anderen Ländern». Ein eigener Reformer für zu Hause ist für viele der erste Schritt zu einem hochwertigen Trainingsbereich, dessen Kosten schnell einen fünfstelligen Betrag erreichen können.
blue News hat bei Dr. Christina Röcke, Ko-Direktorin des UZH Healthy Longevity Centers, nachgefragt, weshalb Menschen bereit sind, mehrere Tausend Franken für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden auszugeben. Für die Expertin kommt dieser Trend nicht überraschend. «Es wundert mich nicht, dass Menschen viel Geld in ihre eigene Gesundheit investieren – oder zumindest glauben, dies zu tun», sagt sie.
Röcke weist allerdings darauf hin, dass die Gesundheitskompetenz nach wie vor stark von Bildung und den finanziellen Möglichkeiten abhängt. Entscheidend für Gesundheit und ein langes Leben seien jedoch vor allem regelmässige Bewegung und eine gute soziale Einbindung. «Beides muss nicht viel kosten.»
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