Darum geht’s
- Weddingplanerin Evelyne Schärer hat über 650 Hochzeiten organisiert, darunter Feiern von Prominenten und Multimillionären mit Budgets bis zu einer Million Franken. Sie betont, dass auch wohlhabende Paare vor allem eines gemeinsam haben: Sie möchten einen besonderen Tag erleben.
- Die häufigsten Fehler sind unrealistische Budgetvorstellungen, unterschätzte Planung und falsche Erwartungen durch Social Media. Besonders die Gästezahl beeinflusst die Kosten deutlich stärker als viele Paare denken.
- Für Schärer macht nicht die Inszenierung eine gelungene Hochzeit aus, sondern die Menschen und die Atmosphäre. Sie sieht ihre Aufgabe darin, Wunsch und Realität ehrlich in Einklang zu bringen.
Frau Schärer, Sie haben bereits Hochzeiten von Prominenten und Millionären organisiert. Wie unterscheiden sich solche Feiern von denen mit kleinerem Budget?
Evelyne Schärer: Es gibt natürlich Besonderheiten wie Security, Geheimhaltungsvereinbarungen oder prominente Gäste. Ich durfte unter anderem die Hochzeiten der ehemaligen Fussballprofis Marco Streller und Alex Frei sowie von Formel-1-Fahrer Timo Glock und Ex-Radprofi Jan Ullrich begleiten. Jan Ullrich hat mich menschlich besonders überrascht – er war unglaublich fein und angenehm. Viele meiner Kundinnen und Kunden sind erfolgreiche Unternehmer oder Multimillionäre. Am Ende sind das aber auch einfach Menschen, die heiraten möchten.
Welche war die teuerste Hochzeit, die Sie organisiert haben?
Nach oben sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Die teuerste Hochzeit, die ich organisiert habe, hatte ein Budget von rund einer Million Franken. Der Durchschnitt liegt bei unseren Hochzeiten allerdings zwischen 60’000 und 70’000 Franken.
Was macht eine Millionen-Hochzeit aus – wofür wird so viel Geld ausgegeben?
Ein Beispiel war ein durchsichtiger Flügel für die Pianistin, welche aus den USA eingeflogen wurde. Der Flügel musste aus dem Ausland kommen und dazu auch jemand, der ihn stimmte. Das Brautpaar übernahm das Flugticket und das Hotel für die Pianistin, den Transport des Flügels sowie die Anreise und die Arbeit des Flügelstimmers. Das sind Kosten, die für die Hochzeitsgäste nicht sichtbar sind.
Unterscheiden sich Hochzeiten von Multimillionärinnen und Multimillionären von anderen Hochzeiten?
Ab einem gewissen Vermögen bezahlt niemand einfach den Preis auf der Offerte. Es wird über alles verhandelt. Da versteht man schnell, warum manche Menschen so vermögend geworden sind.
Sie arbeiten am Hauptsitz von Your Perfect Day in Zürich. Wo heiraten Zürcher Paare heute am liebsten?
Rund um Zürich eher selten. Viele wünschen sich eine Destination- Wedding. Besonders beliebt ist die Region Vierwaldstättersee – vor allem bei internationalen Paaren wegen der Swissness. Wir selbst haben uns seit Jahren auf Italien spezialisiert. Rund 90 Prozent unserer Hochzeiten finden dort statt, vor allem in der Toskana, im Piemont oder – vereinzelt – an der Amalfiküste.
Und Schweizer*innen generell?
So wie ich es empfinde, ist es selten am Wohnort. Tatsächlich fehlt mir hier jedoch das Wissen.
Welche Fehler machen Brautpaare am häufigsten?
Budget, Budget, Budget. Viele haben entweder viel zu hohe Erwartungen oder investieren am falschen Ort. Gleichzeitig wird das Zeitmanagement massiv unterschätzt. Wie lange dauert es, 80 Gäste zu transportieren? Gibt es genügend Parkplätze? Wie viel Verkehr hat es? Solche Fragen gehen oft vergessen.
In vielen Bereichen gilt heute: Weniger ist mehr. Gilt dieser Trend auch für Hochzeiten? Wünschen sich viele Paare ein möglichst schlichtes Fest?
Ja. Aber genau das macht sie so kompliziert. Das ist wie beim No-Make-up-Look. Damit man aussieht, als wäre man gar nicht geschminkt, braucht es einen Spezialisten. Genauso ist es bei Hochzeiten. Die scheinbar einfachen Feste sind oft die aufwendigsten.
Sie verkaufen Träume – müssen Sie diese auch mal platzen lassen?
Ja. Ich verkaufe Märchen, allerdings auch die Realität. Ich mache den Reality-Check. Ein Paar wollte nach der Trauung aus einer vollen Kirche herauslaufen – so wie im Film. Ich musste ihnen sagen: Das funktioniert nicht. Entweder ist draussen niemand oder die Kirche ist leer. Vieles, was wir im Fernsehen oder auf Tiktok sehen, ist zusammengeschnitten und weit weg von der Realität.
Wenn Sie die Träume platzen lassen, braucht es viel Fingerspitzengefühl. Gab es schon Tränen oder Paare, die die Zusammenarbeit gekündigt haben?
Tränen ja, jedoch hat noch niemand wegen einer realen Einschätzung meine Dienste nicht länger in Anspruch nehmen wollen. Ehrlichkeit zahlt sich immer aus.
Ist es schon vorgekommen, dass die Hochzeit nicht stattgefunden hat, weil sich die Paare beim Organisieren derart zerstritten haben?
Die Verlobungszeit halte ich für wichtig. Welche Werte man als Paar hat, zeigt sich sehr wohl bei der Hochzeitsplanung. Wir hatten ganz wenige Trennungen während der Planung. Es waren immer Paare, welche an einem Ehevertrag gearbeitet haben.
Wie stark ist heute der Einfluss von Tiktok und Co.?
Extrem. Ich bin oft die Spielverderberin. Bräute zeigen mir Bilder von Pinterest und ich muss erklären, dass allein die Dekoration mehr kostet als ihr gesamtes Budget. Manchmal sitzen sie dann mit Tränen in den Augen vor mir. Social Media setzt völlig falsche Erwartungen, gerade was das Budget angeht.
Und wo kann man am einfachsten sparen?
Bei der Gästezahl. Das Brautkleid kostet gleich viel, egal ob 20 oder 200 Gäste kommen. Auch DJ oder Band bleiben gleich teuer. Der grösste Hebel ist die Anzahl Gäste.
Braucht man für eine schöne Hochzeit überhaupt eine Weddingplanerin?
Viele glauben, das sei Luxus. Ich sehe es genau umgekehrt. Gerade Paare mit kleinem Budget profitieren von einer Beratung, weil sie teure Fehler vermeiden können. Ich weiss, welche Dienstleister zu welchem Budget passen.
Gab es Wünsche, bei denen Sie Nein sagen mussten?
Einige. Einmal wollte ein Paar, dass sich alle Gäste spontan ein Kostüm aus einem Verleih anziehen. Ein anderes wollte mit dem Fallschirm landen. Oder ein Brautpaar sollte mit dem Helikopter eingeflogen werden – noch bevor der gestartet war, musste sich die Braut übergeben. Da hole ich die Leute lieber auf den Boden der Realität zurück.
Welche Trends beobachten Sie aktuell?
Viele wollen heute einfach spektakulärer sein als alle anderen. Es geht um Aufmerksamkeit und Inszenierung. Persönlich gefällt mir das weniger. Eine Hochzeit sollte kein Wettkampf sein. Es geht darum, ein Bekenntnis zu feiern – mit den Menschen, die einem wichtig sind.
Gibt es eine bevorzugte Jahreszeit für Hochzeiten?
Seit 2004 warte ich darauf, dass Winterhochzeiten Trend werden. Die meisten Bräute stellen sich ein Hochzeitsfest im Freien vor. Von April bis September ist Saison.
Nach über 650 Hochzeiten – ist Weddingplanerin immer noch Ihr Traumjob?
Ja, absolut. Ich mache das immer noch wahnsinnig gerne. Meine Aufgabe ist es, meine Erfahrung einzubringen. Wenn ich etwas nicht empfehle, dann, weil ich es schon hunderte Male erlebt habe. Genau deshalb buchen mich die Paare.
Was macht am Ende eine gelungene Hochzeit aus?
Nicht das Budget. Wenn man liebevolle Menschen eingeladen hat, wird es ein wunderschönes Fest. Hat man nur Chaoten eingeladen, wird es eine Chaoten-Hochzeit – egal, wie viel Geld man ausgibt. Es geht um die Menschen, nicht um die Inszenierung. Da bekomme ich heute noch vor Freude Gänsehaut.
Evelyne Schärer gründete 2004 die Hochzeitsagentur Your Perfect Day. Die Kommunikations- und Marketingexpertin organisiert mit ihrem Team Hochzeiten in der ganzen Schweiz und in Italien.
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