Selbst Fans werden nervös
Donald Trump hat nicht gehalten, was er seinen Wählern versprochen hat.
Alex Brandon/AP photo/dpa
Darum geht’s
- Donald Trump hat den Wählern sinkende Preise versprochen – doch die Wirklichkeit in den USA sieht anders aus.
- Inflation, hohe Lebenshaltungskosten und Trumps Zollpolitik belasten viele Haushalte spürbar.
- Selbst unter Republikanern wächst laut neuen Umfragen die Unzufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten.
- Für viele seiner Wähler zählt die Wirtschaftslage trotzdem weniger als die Hoffnung, dass Trump die Probleme langfristig besser löst als seine politischen Gegner.
Donald Trump hat die Präsidentschaftswahl 2024 vor allem mit dem Versprechen gewonnen, Inflation und Lebenshaltungskosten zu senken. Anderthalb Jahre später ist davon jedoch nicht viel geblieben. Die wirtschaftliche Situation in den USA ist angespannt, die Stimmung in der Bevölkerung alles andere als euphorisch. Selbst unter Republikanern schwindet das Vertrauen in Trumps wirtschaftliche Kompetenz und dass der Präsident für finanzielle Entlastung im Alltag ihrer Familien sorgen kann.
Eine neue Studie des Pew Research Center zeigt, dass die Mehrheit der Amerikaner die Wirtschaftslage weiterhin negativ bewertet. Zwar sehen viele Republikaner die Entwicklung nach wie vor deutlich optimistischer als Demokraten. Doch auch Trumps Wähler zeichnen Inflation und hohe Lebenshaltungskosten zunehmend Sorgenfalten auf die Stirn.
Passend dazu zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag der «Washington Post», dass nur noch 34 Prozent der Republikaner sagen, sie seien seit Trumps Amtsantritt finanziell besser gestellt. Zum gleichen Zeitpunkt seiner ersten Amtszeit waren es noch 53 Prozent. Im Gegenzug stieg der Anteil jener Republikaner, die sich finanziell schlechter aufgestellt sehen, von vier auf 18 Prozent.
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Dass die Inflation weiterhin hartnäckig ist, liegt nicht zuletzt am Krieg gegen den Iran, der die Energiepreise zuletzt wieder deutlich steigen liess. Die US-Notenbank Fed hat daher auch unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh bislang auf Zinssenkungen verzichtet.
Für viele Amerikaner ist seit dem Beginn seiner zweiten Amtszeit das Gegenteil dessen eingetreten, was Donald Trump versprochen hatte: Benzin, Lebensmittel und zahlreiche Alltagsgüter sind nicht billiger geworden. Im Gegenteil.
Wie schlecht geht es der US-Wirtschaft unter Donald Trump wirklich?
Trumps wirtschaftliche Bilanz fällt widersprüchlich aus. Von einer Rezession kann keine Rede sein. Entgegen der schlimmsten Befürchtungen zeigt sich der Arbeitsmarkt weitgehend robust. Hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und digitale Infrastruktur sorgen in einzelnen Branchen für Wachstum. Auch die Aktienmärkte entwickelten sich – wegen des KI-Booms – über weite Strecken positiv.
- Arbeitsmarkt bleibt insgesamt robust.
- Börsen profitieren vom KI-Boom.
- Milliardeninvestitionen in Rechenzentren und Infrastruktur.
- Teile der Industrie profitieren von Trumps Förderung der heimischen Produktion.
- Einige Unternehmen verlagern Produktionskapazitäten zurück in die USA.
- Inflation bleibt mit 3,5 Prozent über dem Ziel der US-Notenbank (zwei Prozent).
- Der Iran-Krieg hat Öl- und Benzinpreise spürbar verteuert.
- Lebensmittelpreise bleiben auf hohem Niveau.
- Hohe Hypothekenzinsen belasten den Immobilienmarkt.
- Neue Zölle verteuern zahlreiche Importwaren.
Positive Entwicklungen
Negative Entwicklungen
Volkswirtschaftlich betrachtet mag die amerikanische Wirtschaft unter Donald Trump gar nicht so schlecht dastehen. Immerhin entwickeln sich Beschäftigung und Unternehmensinvestitionen stabil. Allerdings profitieren längst nicht alle Amerikaner von dieser Entwicklung.
Während viele Konzerne hohe Gewinne erzielen, kämpfen Millionen Haushalte der Mittel- und Unterschicht mit hohen Preisen. Viele Familien geben an, am Monatsende kaum mehr Geld übrig zu haben. Für Konsumenten zählen eben nicht Börsenkurse, sondern der Einkauf im Supermarkt, die Tankrechnung oder die Miete.
Trumps Zölle kosten US-Haushalte bis zu 960 Dollar
Viele Preise sind nach den Inflationsschüben der vergangenen Jahre zwar nicht mehr so stark gestiegen wie zuvor – gefallen sind sie jedoch ebenfalls nicht. Für viele Amerikaner fühlt sich der Alltag deshalb weiterhin deutlich teurer an als noch vor einigen Jahren. Dafür wird insbesondere Trumps aggressive Zollpolitik verantwortlich gemacht.
So sprechen Wirtschaftsexperten des Think Tanks «Center for American Progress» von einer «beispiellosen und chaotischen Zollpolitik», die der amerikanischen Wirtschaft erheblichen Schaden zugefügt habe.
Die häufig kurzfristig angekündigten Zölle hätten weder neue Handelsabkommen gebracht noch den Marktzugang amerikanischer Exporteure verbessert. Im Gegenteil: Das Handelsdefizit der USA lag im Mai mit 77,6 Milliarden Dollar rund 41 Prozent höher als zum Zeitpunkt der ersten Zollankündigungen. Fachleute schätzen, dass US-Haushalte durch die Zollpolitik im laufenden Jahr durchschnittlich zwischen 700 und 960 Dollar zusätzlich zahlen müssen.
Darums sind Trumps Wähler zwar skeptischer, halten aber weiterhin zu ihm
Reporter und Reporterinnen der «Washington Post» haben mit republikanischen Wählern aus verschiedenen Bundesstaaten gesprochen. Ihre Aussagen zeigen ein bemerkenswert einheitliches Bild: Viele sind enttäuscht über die Entwicklung ihrer Lebenshaltungskosten unter Donald Trump. Den Rücken wollen sie ihm aber nicht zukehren. Schuld seien schliesslich die anderen. Und Joe Biden.
So beschreibt Crystal Pepe aus Long Island ihre Situation als typischen für die amerikanische Mittelschicht. Trotz zweier Einkommen lebt ihre Familie nur von Gehalt zu Gehalt. Besonders Lebensmittelpreise und Benzinkosten machten ihr zu schaffen. Dennoch glaubt sie, Trump versuche zumindest, die Probleme zu lösen – und macht vor allem die Vorgängerregierung für die heutige Lage verantwortlich.
Ähnlich klingt es bei Jonathan Grieser aus Texas. Der IV-Rentner müsse beim Konsum deutliche Abstriche machen, Reisen genauer planen und bei Restaurantbesuchen sparen. Trotzdem würde er bei einer erneuten Wahl wohl wieder republikanisch stimmen. Seine wirtschaftliche Lage habe sich eher verschlechtert, sagt er zwar – doch eine Alternative sieht er bei den Demokraten nicht.
Unternehmer wie Michael Grivette bleiben ohnehin überzeugte Trump-Anhänger. Rivette etwa profitiert nach eigener Einschätzung von Trumps Industriepolitik. Für ihn sind die Zölle ein notwendiger Schritt, um Produktionsarbeitsplätze zurück in die USA zu holen. Seine Firma produziert ausschliesslich im Inland – entsprechend spürt er die negativen Folgen der Zölle kaum.
Es gibt allerdings auch erste Absetzbewegungen. Kathy Borunda aus Kalifornien unterstützte Trump zunächst, weil sie hoffte, er werde den Staat wie ein Unternehmen führen. Heute sagt die Rentnerin, seine Politik gehe «auf Kosten der Mittelschicht». Steigende Ausgaben für Benzin, Lebensmittel und Gesundheit zwängen sie inzwischen dazu, auf Erspartes zurückzugreifen.
Kippt die Stimmung vor den Zwischenwahlen – oder doch nicht?
Die aktuellen Umfragen zeigen, dass Trump ausgerechnet bei seinem wichtigsten Wahlkampfthema an Rückhalt verliert. Mehr Republikaner als noch während seiner ersten Amtszeit sagen, ihre finanzielle Lage habe sich verschlechtert. Gleichzeitig bleibt die Unterstützung für den Präsidenten erstaunlich stabil. Viele seiner Anhänger machen für die hohen Preise eher den Iran-Krieg, die Vorgängerregierung oder internationale Entwicklungen verantwortlich als Trump selbst.
Für den Präsidenten ist das eine ungewohnte Situation. Die Wirtschaft galt lange als seine grösste Stärke, nun fällt die Bilanz deutlich gemischter aus. Zwar wächst die US-Wirtschaft weiter, Unternehmen investieren und der Arbeitsmarkt hält sich robust. Doch viele Amerikaner spüren davon im Alltag wenig. Im Vordergrund stehen für sie teure Lebensmittel, hohe Spritpreise und steigende Lebenshaltungskosten.
Ob sich diese Unzufriedenheit bis zu den Zwischenwahlen auch an der Wahlurne bemerkbar macht, ist offen. Fest steht aber: Das Versprechen, die finanzielle Lage der Amerikaner schnell zu verbessern, überzeugt längst nicht mehr alle – selbst in Teilen von Trumps eigener Wählerschaft.
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