Rücktritt nach Verletzungen
Lara Gut-Behrami tritt zurück – das war ihre Karriere
Statt noch einmal um Siege mitzufahren, beendet Lara Gut-Behrami nach ihrer schweren Verletzung im letzten Winter ihre grosse Karriere. Ein Schicksal, welches sie mit anderen Skistars teilt.
Die Olympischen Spiele 2026 hätten den Schlusspunkt unter Lara Gut-Behramis Karriere setzen sollen. Doch es kam anders: Mitte November des vergangenen Jahres zog sie sich eine schwere Verletzung am linken Knie zu. Die Diagnose war verheerend: Kreuzbandriss, Innenbandriss und Meniskusriss.
Lange war unklar, ob die Tessinerin zurücktreten oder – auch im Hinblick auf die Heim-WM 2027 in Crans Montana – noch einen Anlauf nehmen wird. Jetzt hat Gut-Behrami ihre Karriere für beendet erklärt.
«Trotz fast 20 Jahren Spitzensport, trotz Stürzen und Verletzungen habe ich keine wiederkehrenden Schmerzen und möchte auch keine haben», erklärt die 35-Jährige. Gut-Behrami ist längst nicht die erste grosse Skifahrerin, die nach einer schweren Verletzung von der grossen Bühne abtritt. Eine Auswahl:
Anna Veith (geborene Fenninger) war eine der besten Kolleginnen von Lara Gut-Behrami im Ski-Weltcup und eine ihrer grössten Konkurrentinnen. Die Österreicherin holte Olympiagold, wurde mehrfache Weltmeisterin und entschied gleich dreimal den Gesamtweltcup für sich. 2015 zog sie sich die erste schwere Knieverletzung zu, 2019 kam ein weiterer Kreuzbandriss dazu. Obwohl sie nochmals auf die Piste zurückkehren wollte, schaffte sie es nicht. Veith beendete im Mai 2020 ihre erfolgreiche Karriere, weil ihr Körper nicht mehr mitspielen wollte.
Silvano Beltrametti, 2001
Am 8. Dezember 2001 stürzt der aufstrebende Speed-Fahrer Silvano Beltrametti in der Abfahrt von Val d’Isère schwer. Mit Tempo 120 km/h verliert der Bündner nach einer kleinen Unachtsamkeit die Kontrolle, donnert durch zwei Fangnetze und prallt gegen einen Pfosten. Dabei wird seine Wirbelsäule schwer verletzt – und rund zwei Stunden nach dem Unfall herrscht traurige Gewissheit: Beltrametti ist querschnittgelähmt und wird für den Rest seines Lebens im Rollstuhl sitzen. Der Unfall ist Auslöser für strengere Sicherheitsmassnahmen. Es werden etwa blaue Linien eingeführt, die den Fahrern die Richtung zum nächsten Tor anzeigen sollen. Für Beltrametti und seine Karriere kommt dies aber zu spät. Beltrametti wird danach Hotelier in Lenzerheide, GR.
Silvano Beltrametti hat den Spass am Skifahren auch nach seinem schweren Unfall nicht verloren.
KEYSTONE
Daniel Albrecht, 2013
Im Training der Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel wird Daniel Albrecht im Januar 2009 der Zielsprung zum Verhängnis. Mit rund 138 km/h rast Albrecht auf den Sprung zu, gerät in der Luft in Rücklage und knallt 70 Meter später brutal auf die Piste. Der Walliser bleibt regungslos liegen – und kämpft in den folgenden Wochen um sein Leben. Albrecht liegt auf der Intensivstation in Innsbruck mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma und Lungenverletzungen über drei Wochen im künstlichen Koma. Als er aufwacht, weiss Albrecht nicht, wer er ist – und muss gar wieder neu lernen zu sprechen. Zwar kehrt Albrecht mehr als 22 Monate nach dem Sturz noch einmal zurück in den Weltcup. Zählbare Resultate kann er aber nicht herausfahren. Im Oktober 2013 verkündet Albrecht im Alter von 30 Jahren schliesslich seinen Rücktritt.
Julia Mancuso, 2018
Die Amerikanerin gab Gas auf der Skipiste und auch daneben. Mancuso galt im Skizirkus als Lebefrau, war für jeden Spass zu haben. Leider hatte die vierfache Medaillengewinnerin an Olympischen Spielen immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Chronische Hüftprobleme, mehrere Operationen, jahrelang fuhr sie mit Schmerzen. 2018 musste sie deshalb tschüss sagen, Mancuso meinte, sie habe den Kampf gegen ihre Hüftprobleme verloren. Ihr 399 und letztes Weltcuprennen bestritt sie im Wonder-Woman-Kostüm.
Julia Mancuso trat 2018 im Wonder-Woman-Kostüm ab.
AP
Aksel Lund Svindal, 2019
Er gehört zu den erfolgreichsten Skifahrern der letzten Jahre. Zweimal Olympiagold, fünf Weltmeistertitel, zweifacher Gesamtweltcupsieger. Doch Svindal fuhr in seiner Karriere fast so viele Verletzungen wie Siege ein. 2007 erlitt er bei einem Sturz in Beaver Creek einen Jochbeinbruch, einen doppelten Nasenbeinbruch und eine tiefe Schnittwunde am Gesäss. Vorübergehend musste ein künstlicher Darmausgang gelegt werden. Im Herbst 2014 erlitt Svindal beim Fussball einen Achillessehnen-Riss. Im Januar 2016 kam ein Kreuzbandriss dazu. 2019 beendete er seine Karriere wegen anhaltenden Knieproblemen. Vier Jahre lang waren der Norweger und US-Girl Julia Mancuso das prominenteste Pärchen im Ski-Zirkus. 2013 dann die Trennung.
Aksel Lund Svindal nach seinem Sturz in der Kitzbühel-Abfahrt 2016.
APA
Mauro Caviezel, 2023
Die grosse Leidensgeschichte von Mauro Caviezel nimmt im Januar 2021 ihren Lauf. Im Training zur Abfahrt von Garmisch stürzt Caviezel schwer und zieht sich nebst anderen Verletzungen ein Schädel-Hirn-Trauma zu. Die Saison 2021/22 fällt anschliessend komplett ins Wasser. Ende November 2022 kehrt Caviezel zurück. Das Comeback ist aber nicht von langer Dauer. Bei seinem zweiten Renneinsatz, dem Super-G von Lake Louise, stürzt Caviezel erneut und zieht sich wieder ein Schädel-Hirn-Trauma zu. Am 10. Januar 2023 verkündet er seinen Rücktritt und erklärt: «Es geht mir leider nicht gut genug, um wieder in den Skirennsport einzusteigen.»
Marc Gisin, 2020
Immer wieder wird Marc Gisin in seiner elfjährigen Karriere von Verletzungen zurückgeworfen. 2012 reisst er sich das Kreuzband. 2015 erleidet er ein Schädel-Hirn-Trauma mit Hirnblutung. Noch schlimmer erwischt es ihn in der Abfahrt von Gröden 2018. Er zieht sich bei einem Sturz erneut ein Schädel-Hirn-Trauma zu sowie mehrere Brüche und eine Lungenquetschung, die ihn beinahe das Leben kostet. Dennoch kämpft sich der Engelberger Mal für Mal in den Weltcup zurück. Von den Verletzungen erholt sich sein Körper aber nie ganz. 2020 tritt er zurück.
Nach seiner Karriere war Marc Gisin drei Jahre lang Rennchef bei Stöckli Ski.
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Lindsey Vonn (?)
Lindsey Vonns Karriere war beziehungsweise ist geprägt von Verletungen. Im Oktober 2018 kündigte die US-Amerikanerin ihren Rücktritt nach der Saison 2018/19 an. Anfang 2019 wurden die Knieschmerzen dann so gross, dass sie in einem emotionalen Interview im ORF ihr sofortiges Karriereende verkündete.
Fünfeinhalb Jahre nach dem Rücktritt erhielt Vonn eine Knieprothese, daraufhin kündigte sie ihre Rückkehr in den Weltcup an. Im Dezember 2024 feierte sie mit 40 Jahren tatsächlich ihr Combeback – und war schnell wieder erfolgreich. Für die Olympia-Abfahrt 2026 galt sie im Vorfeld sogar als grosse Favoritien, doch kurz vor dem Rennen riss sich Vonn in Crans-Montana das Kreuzband. Trotzdem ging sie in Cortina d’Ampezzo an den Start – und zog sich bei einem Sturz schwere Beinverletzungen zu.
Der dramatische Sturz von Lindsey Vonn bei den Olympischen Spielen.
OBS/OIS/IOC
Vonns Vater erklärt die Karriere seiner Tochter kurz danach für beendet, die ehrgeizige Athletin selbst hat das aber bislang nicht offiziell verkündet. «Ich möchte keine voreiligen Schlüsse ziehen oder darüber spekulieren, was ich tun könnte», betonte die 41-Jährige im April.
Noch sei der Moment nicht gekommen, um über ihre sportliche Zukunft zu entscheiden. Der Sturz in Italien habe sie tief erschüttert. «Es ist eine ganz andere Verletzung, vor allem wegen des Schweregrades und der Erkenntnis, dass ich mein Bein hätte verlieren können und wie schlimm es wirklich war», erklärte Vonn. Derzeit befinde sie sich weiterhin im «Überlebensmodus». Deshalb wolle sie auch noch kein Fazit über ihre Karriere ziehen.
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