«Keine weibliche Befreiung»

Alexandria Ocasio-Cortez dokumentiert auf Instagram ihre Fruchtbarkeitsbehandlung.

DPA

Die demokratische US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez will ihre Eizellen einfrieren lassen und nimmt ihre Follower*innen auf Social Media mit durch den Prozess. Dabei kritisiert sie auch das Gesundheitssystem im Land – und macht viele Republikaner*innen wütend.

Lea Oetiker

Darum geht’s

  • Alexandria Ocasio-Cortez lässt ihre Eizellen einfrieren und dokumentiert den Prozess offen in den sozialen Medien.
  • Sie kritisiert die hohen Kosten sowie die mangelnde Unterstützung durch das US-Gesundheitssystem und fordert eine offenere Debatte über Fruchtbarkeit.
  • Während sie viel Zuspruch erhält, sorgen konservative Kritiker*innen mit persönlichen Angriffen für Empörung.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Alexandria Ocasio-Cortez zählt zu den bekanntesten Gesichtern der US-Politik. Die Demokratin, besser bekannt als AOC, steht für den progressiven linken Flügel ihrer Partei und setzt sich unter anderem für Klimaschutz, soziale Absicherung und Arbeitsrechte ein.

Seit 2019 vertritt die 36-Jährige Teile der Bronx und von Queens im Repräsentantenhaus. Internationale Bekanntheit erlangte sie auch durch ihren direkten und persönlichen Auftritt in den sozialen Medien.

Nun gewährt Ocasio-Cortez dort einen besonders privaten Einblick: Sie lässt ihre Eizellen einfrieren und will den Prozess Schritt für Schritt auf Social Media begleiten. Es gehe darum, «mehr Kontrolle über mein Leben» zu haben, begründete Ocasio-Cortez ihre Entscheidung für die Behandlung.

Auf Instagram veröffentlichte sie ein Video und zeigte, wie sie sich selbst eine Injektion in den Bauch gab. «Das war gar nicht so schlimm», sagte sie anschliessend lächelnd.

Die Hormoninjektionen sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Bereits zehn bis vierzehn Tage vor der Eizellentnahme müssen sich die Patientinnen die Spritzen selbst verabreichen.

«Ich muss alles selbst bezahlen»

Ocasio-Cortez gibt auch einen Einblick in die Kosten. «Meine Versicherung übernimmt keinen Cent davon. Ich muss alles selbst bezahlen», sagt sie.

Sie habe lange auf die Behandlung gespart und die Entscheidung sorgfältig abgewogen, schrieb sie auf Social Media.

Für Medikamente zahlt sie nach eigenen Angaben rund 3500 Dollar. Insgesamt rechnet sie mit Kosten von 8000 bis 9000 Dollar. Hinzu kommen später etwa 1200 Dollar pro Jahr für die Lagerung der eingefrorenen Eizellen.

Kritik am US-Gesundheitssystem

Gleichzeitig kritisiert sie das US-Gesundheitssystem. Es sei «kaputt» und vernachlässige insbesondere die Gesundheitsversorgung von Frauen und Fruchtbarkeitsbehandlungen.

Auch beim Thema Fruchtbarkeit gebe es enormen gesellschaftlichen Druck. «Es gibt so viele negative Botschaften, die sich an Frauen und ihre Familienentscheidungen richten», so Ocasio-Cortez. Frauen würden dadurch in eine Position von Angst und Unsicherheit gedrängt. Sie wolle sich dagegenstellen.

In einem «politischen Umfeld», in dem reproduktive Gesundheitsversorgung eingeschränkt werde – von Abtreibungsrechten bis zur Begleitung einer gesunden Schwangerschaft –, seien offene Gespräche wichtig. Gerade für berufstätige Frauen solle das Thema sichtbarer und normalisiert werden.

Herausforderungen im Alltag

Ocasio-Cortez sprach auch über die Herausforderung, die Behandlung mit ihrem Alltag als Abgeordnete zu koordinieren. Etwa sich eine Hormonspritze direkt vor einem Interview mit dem Sender ABC zu setzen, um anschliessend über internationale Ereignisse, Innenpolitik und Wahlen zu sprechen.

Die Politikerin erhält in den sozialen Medien viel Zuspruch. Amanda Litman, Mitgründerin der progressiven politischen Non-Profit-Organisation «Run for Something», schrieb auf X, sie sei dankbar für AOCs Offenheit. Die demokratische Strategin Xochitl Hinojosa betonte, es werde zu selten darüber gesprochen, was Frauen auf dem Weg zur Familiengründung durchmachen. Sie dankte Ocasio-Cortez für ihren Mut.

Doch wie so oft, wenn eine Frau selbst über ihren Körper entscheidet, haben viele Menschen eine Meinung dazu, oftmals eine negative.

Kritik von Republikanern

Beispielsweise der rechte Kommentator Benny Johnson. Am Sonntag schwärmte er in den sozialen Medien davon, wie erfüllend es sei, Kinder zu haben und Vater zu sein.

Dann veröffentlichte er ein Video auf Youtube mit dem Titel «AOC Shocks Internet: Lifts Up Her Shirt To Reveal Her Medical Treatment» («AOC schockiert das Internet: Sie hebt ihr Shirt hoch und zeigt ihre medizinische Behandlung»).

Das Teaser-Bild auf dem Youtube-Kannal von Benny Johnson.

Das Teaser-Bild auf dem Youtube-Kannal von Benny Johnson.

Screenshot Youtube

Andrew Kolvet, Sprecher von Turning Point USA und regelmässiger Gastgeber des Podcasts «Charlie Kirk Show», kritisierte AOC dafür, dass sie ihre Eizellen einfrieren lässt, ebenso wie dafür, dass sie öffentlich über ihre Erfahrung spricht.

«Das ist keine weibliche ‹Befreiung›, das ist eine Warnung», schrieb er in den sozialen Medien. «Das ist die Botschaft, die Progressive in Sachen Familienplanung verbreiten, und einer der Gründe, warum die Geburtenraten abstürzen. Friert einfach eure Eizellen ein, Kinder! Verfolgt eure Karriere, auch wenn ihr seit vier Jahren mit einem Mann verlobt seid, den ihr seit dem College kennt.»

AOC und ihr langjähriger Partner Riley Roberts waren insgesamt rund ein Jahrzehnt zusammen, bevor sie sich im Jahr 2022 verlobten. Doch aktuellen Berichten zufolge haben sich die beiden bereits vor rund 18 Monaten getrennt.

Mögliche Präsidentschaftskandidatin 2028

Auch die 33-jährige und kinderlose Trump-Beraterin Laura Loomer beklagt, sie wünschte sich, «in die Zeit zurückzukehren, als Frauen ihre reproduktive Gesundheit für sich behielten. Ich möchte ehrlich gesagt nichts über irgendjemandes reproduktiven Weg wissen.»

Und weiter: «Ich finde es nur ironisch, dass eine Frau, die andere Frauen dazu ermutigt hat, ihre Gebärmutter durch mehrere Abtreibungen zu ruinieren, jetzt versucht, ihre Eizellen einzufrieren, damit sie als Requisite ein Kind haben kann, wenn sie 2028 für die Präsidentschaft kandidiert.»

AOC gilt als mögliche demokratische Präsidentschaftskandidatin für 2028. Kurz zuvor hatte sie eine Umfrage in New Hampshire zu potenziellen Bewerber*innen der Demokraten knapp angeführt. Sie selbst hat sich noch nicht dazu geäussert.


Oberstes US-Gericht kippt Recht auf Abtreibung

Historische Zäsur in den USA: Der Oberste Gerichtshof des Landes hat das seit fünf Jahrzehnten geltende Recht auf Abtreibung gekippt. Die Gerichtsentscheidung wurde auch international scharf kritisiert.


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