«Trauriger kleiner Scheisser»
Das Unternehmen ist bekannt für subversive und rotzig-provokante Werbeaktionen.
www.imago-images.de
Darum geht’s
- Cards Against Humanity plant auf einem Grundstück in Texas ein provokantes Anti-Elon-Musk-Denkmal. Für 10 Dollar können Unterstützer*innen einem Komitee beitreten und über dessen Gestaltung mitentscheiden.
- Die Firma hatte das Grundstück nahe der mexikanischen Grenze 2017 gekauft, ursprünglich um Donald Trumps geplante Grenzmauer zu behindern.
- Später soll SpaceX die Fläche unerlaubt für Baumaterial und Fahrzeuge genutzt haben, worauf Cards Against Humanity 15 Millionen Dollar Schadenersatz forderte.
Ein Kartenspiel legt sich mit dem reichsten Mann der Welt an. Cards Against Humanity möchte ein Denkmal bauen – zu «Ehren» von Elon Musk, wie das Unternehmen letzte Woche mitteilte. Das «Elon Musk Is a Sad Little Bitch with No Friends»-Denkmal. Auf Deutsch: «Elon Musk ist ein trauriger kleiner Scheisser ohne Freunde.»
Cards Against Humanity ist ein Kartenspiel, bei dem Spieler*innen möglichst absurde und geschmacklose Antworten auf vorgegebene Fragen und Lückentexte geben. In der Schweiz kennt man eine Adaption des Spiels unter dem Namen «Kampf gegen das Bünzlitum».
Das Unternehmen ist bekannt für subversive Werbeaktionen. Am Black Friday 2016 grub es ein Loch – und streamte die Buddelarbeiten live. Letztes Jahr verkaufte Cards Against Humanity am selben Tag verschiedene absurde Dinge zu lächerlichen Preisen: eine Ritterrüstung für 8,99 Dollar, versteinerten Dinosaurier-Kot für 65 Cent oder einen Nachdruck des Buches, das Jeffrey Epstein zu seinem 50. Geburtstag erhielt, für 99 Cent.
Land kaufen und Grenzzaun verhindern
Cards Against Humanity scheut sich bei solchen Aktionen auch nicht davor, sich mit den Grossen anzulegen und politisch zu werden. 2017 kaufte das Unternehmen ein Stück Land in Texas, unweit des Flusses Rio Grande an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Das erklärte Ziel: Zu verhindern, dass der damalige und heutige US-Präsident Donald Trump dort seine Grenzmauer bauen kann. Man wolle den Bau der Mauer für Trump «so zeitaufwendig und kostspielig wie möglich gestalten», schrieb Cards Against Humanity damals.
Kritiker*innen antwortete das Unternehmen in einem FAQ auf seiner Website im gewohnt rotzig-provokanten Ton. Dort steht unter anderem: «Frage: Mir gefällt es nicht, dass ihr jetzt politisch werdet. Warum bleibt ihr nicht einfach bei Kartenspielen? Antwort: Warum versuchst du nicht lieber mal, wie viele Hot-Wheels-Autos du dir in den Arsch stecken kannst?» Oder: «Frage: Ist Cards Against Humanity jetzt politisch korrekt? Antwort: Wir sind einfach nur ganz normal korrekt.»
Elon Musk, SpaceX und die City of Starbase
Als Cards Against Humanity das Grundstück in Texas kaufte, war SpaceX bereits Nachbar. Seit 2014 baut Elon Musks Raumfahrtunternehmen an der texanischen Golfküste einen Standort auf, an dem Raketen gebaut und getestet werden. Nach 2017 nahm die Entwicklung rasant Fahrt auf. Ab 2018 kaufte SpaceX nach und nach Häuser von Bewohner*innen der benachbarten Siedlung Boca Chica auf, während immer mehr SpaceX-Angestellte zuzogen.
2025 wurde aus dem Ort eine eigene Gemeinde: die City of Starbase. Die Siedlung Boca Chica wurde in sie integriert. Für die Gründung stimmten fast ausschliesslich SpaceX-Angestellte, die mittlerweile einen Grossteil der Bevölkerung ausmachen.
Parallel zum Ausbau des Standorts entwickelte SpaceX auch Grundstücke rund um jenes von Cards Against Humanity. In den vergangenen Jahren entstanden dort mehrere Häuser.
Doch laut Cards Against Humanity blieb auch das eigene Grundstück davon nicht unberührt. Das Unternehmen behauptet, SpaceX habe die Fläche ohne Erlaubnis genutzt, um dort unter anderem Baumaterial und Fahrzeuge abzustellen. Cards Against Humanity verklagte SpaceX daraufhin wegen der unbefugten Nutzung des Grundstücks auf 15 Millionen Dollar – und machte die Klage öffentlich. Recherchen der Investigativplattform Bellingcat zeigten anhand von Satellitenbildern, dass das Grundstück bereits ab Mitte 2023 genutzt wurde.
Satellitenaufnahmen zeigen Veränderungen
Der folgende Vergleich zeigt Satellitenbilder von März 2022 und April 2026. Der ungefähre Landabschnitt, der Cards Against Humanity gehört, ist rot markiert. Auch in der öffentlichen Grundstücksabfrage des Verwaltungskreises ist ersichtlich, dass das Grundstück der Hole Holding LLC gehört – einer Firma, die Cards Against Humanity für seine Werbeaktionen gegründet hat. Die Grundstücke nördlich und südlich davon gehören der Space Exploration Technologies Corp., besser bekannt als SpaceX.
Im September 2025 einigten sich Cards Against Humanity und SpaceX aussergerichtlich – wenige Wochen vor dem angesetzten Prozess. Die Bedingungen blieben geheim. Laut Cards Against Humanity habe SpaceX seinen «Kies, seine Traktoren und seinen Weltraumschrott» vom Grundstück entfernt. Geld floss nach Angaben von Cards Against Humanity keines.
Die Gemeinde Starbase war da bereits gegründet. Inzwischen liegt das Land von Cards Against Humanity also innerhalb ihrer Grenzen. Und genau diese Eingemeindung bringt Cards Against Humanity nun auf die nächste Idee: das Anti-Musk-Denkmal.
Wer mithelfen will, kann für 10 Dollar einem «Design-Komitee» beitreten, das über die Form des Denkmals mitentscheiden soll. Damit könne man sich einer «Bewegung von Gleichgesinnten anschliessen, die gemeinsam daran arbeiten, der reichsten und hässlichsten kleiner Scheisser der Welt einen Moment der Selbstreflexion aufzuzwingen».
Weder Elon Musk noch SpaceX haben sich bisher zu den Plänen von Cards Against Humanity geäussert.
Mehr aus dem Ressort
SpaceX träumt gross: Musk peilt Billionen-Umsatz an
Elon Musk peilt mit SpaceX bis zum Jahr 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar an. Angetrieben durch Künstliche Intelligenz, den Satelliten-Internetdienst Starlink und die Riesenrakete Starship.
#Adessonews seleziona nella rete articoli di particolare interesse.
Se vuoi leggere l’articolo completo clicca sul seguente link





