Auf die Grösse kommt es an

Welches Foldable hat mich wohl am meisten überzeugt?

ChatGPT @ blueNews

Die letzten Wochen habe ich im Dauerwechsel mit dem Z Fold8 Ultra, dem Z Fold8 und dem Pixel 11 Pro Fold verbracht und dabei wurde mir einmal mehr klar, wie weit sich Foldables inzwischen entwickelt haben.

Martin Abgottspon

Darum geht’s

  • Samsung und Google zeigen mit ihren neuesten Foldables, dass das Format erwachsen geworden ist, und selbst Apple soll diesen Herbst mit einem eigenen faltbaren iPhone nachziehen.
  • Alle drei getesteten Geräte fallen im Fazit positiv aus, unterscheiden sich aber deutlich in Ausstattung und Zielgruppe.
  • Persönlicher Favorit ist das Z Fold8, weil sein neues, handliches Format es zum ersten Foldable macht, das sich im Alltag nicht wie ein Kompromiss anfühlt.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Faltbare Handys hatten lange den Ruf, eher Statussymbol als Alltagsgerät zu sein. Wacklige Scharniere, eine deutlich sichtbare Displayfalte und Apps, die auf dem grossen Innenbildschirm bestenfalls improvisiert wirkten, prägten die ersten Generationen. Bei den drei Geräten, mit denen ich jetzt wochenlang unterwegs war, ist davon kaum mehr etwas zu spüren. Das Segment ist in der dritten oder vierten Generation angekommen, und das merkt man in praktisch jedem Detail.

Wie ernst der Markt das Thema inzwischen nimmt, zeigt sich schon an den Verkaufszahlen. Samsung meldete für Z Fold8 und Z Fold8 Ultra zusammen 1,44 Millionen Vorbestellungen innerhalb der ersten Woche. Selbst Apple, jahrelang der letzte grosse Foldable-Verweigerer, soll laut übereinstimmenden Berichten aus der Lieferkette im September ein erstes faltbares iPhone zeigen, kolportiert als «iPhone Fold» oder «iPhone Ultra». Offiziell bestätigt ist davon zwar noch nichts, aber dass ausgerechnet Apple nachzieht, zeigt, wohin die Reise geht.

Samsung schickt seine achte Foldable-Generation gleich mit zwei Modellen ins Rennen. Das «Galaxy Z Fold8 Ultra» führt die klassische, schmale Fold-Linie fort und bekommt als erstes Ultra-Foldable überhaupt die stärkste Ausstattung im Haus. Das «Galaxy Z Fold8» dagegen ist ein komplett neuer Formfaktor mit breiterem Aussendisplay, gedacht für alle, die lieber konsumieren als produzieren. Google kontert mit dem «Pixel 11 Pro Fold», das äusserlich kaum verändert wurde, dafür bei Helligkeit, Robustheit und Kamera spürbar nachgelegt hat.

Das Fold8: endlich handlich

Ich halte das Fold8 zum ersten Mal in der Hand und merke sofort, dass hier kein Kompromiss-Foldable mehr steckt. Zugeklappt hat es ungefähr die Grösse eines Reisepasses, lässt sich mühelos mit einer Hand bedienen und verschwindet locker in der Hosentasche. Nach Jahren, in denen sich faltbare Samsung-Handys zugeklappt eher wie schmale Fernbedienungen anfühlten, ist das ein echter Wendepunkt. Genau dieses neue Format hat mich überzeugt, noch bevor ich auch nur ein einziges AI-Feature geöffnet habe.

Aufgeklappt wird aus dem schmalen Handy ein breiter Bildschirm, auf dem sich Serien und Filme angenehm anschauen lassen, ohne dass ich ständig zoomen muss. Gedreht eignet er sich fast noch besser zum Lesen von E-Books oder langen Artikeln. Zugeklappt liegt das Fold8 so leicht in der Hand, dass ich es öfter aufgeklappt liegen lasse, während ich koche oder am Küchentisch sitze, statt es wegzustecken wie ein normales Handy. Der Akku hat mich in den Testwochen kein einziges Mal im Stich gelassen und hielt selbst an Tagen mit viel Streaming locker bis zum Abend durch.

Der einzige spürbare Kompromiss zeigt sich beim Fotografieren. Ein Teleobjektiv für Zoomaufnahmen fehlt komplett, für Schnappschüsse am Familientisch oder unterwegs in der Stadt reicht die Kamera aber völlig. Wer öfter ranzoomen möchte, etwa am Spielfeldrand oder im Konzert, stösst hier an Grenzen und sollte eher zur Ultra-Variante greifen. Mit 1’729 Franken für die Einstiegsversion bleibt das Fold8 trotzdem ein Gerät für den gehobenen Geldbeutel.

Fold8 Ultra: maximale Power, kleine Abstriche

Wer beim vertrauten, schmalen Fold-Format bleiben will und dafür die stärkste Ausstattung sucht, landet beim Z Fold8 Ultra. Trotz des grossen Innendisplays liegt es angenehm dünn und leicht in der Hand, und die Displayfalte spüre ich beim Wischen praktisch nicht mehr. Fotografisch spielt es in einer anderen Liga als das reguläre Fold8, der Zoom liefert auch bei Konzerten oder Sportanlässen noch brauchbare Bilder, und selbst bei wenig Licht am Abendtisch gelingen erstaunlich scharfe Aufnahmen. Der Akku hält bei mir zuverlässig eineinhalb bis zwei Tage durch, und ist er doch mal leer, ist er in gut einer Stunde wieder voll.

Zwei Dinge stören mich trotzdem. Samsung hat die S-Pen-Unterstützung ersatzlos gestrichen, was alle vermissen dürften, die bisher gerne direkt aufs Display notiert haben. Ausserdem schützt das Ultra-Modell zwar zuverlässig vor Wasser, gegen Staub aber nicht mehr ganz so umfassend wie frühere Spitzenmodelle, ein Nachteil etwa am Strand oder auf der Baustelle. Für 1’899 Franken in der Einstiegsversion darf man eigentlich keine Abstriche erwarten.

Pixel 11 Pro Fold: hell, robust, aber kein Leichtgewicht

Google spielt beim Pixel 11 Pro Fold eine andere Karte. Äusserlich hat sich seit dem Vorgänger wenig getan, dafür lässt sich der Bildschirm jetzt auch bei praller Sonne auf der Terrasse tatsächlich noch ablesen, was mir bei den Samsung-Modellen an manchen Tagen schwerfiel. Erstmals übersteht das Gerät auch einen unfreiwilligen Sturz in die Badewanne oder einen Regenschauer ohne Bedenken, ein Punkt, in dem Google die Samsung-Foldables sogar überholt. Bei der Kamera zeigt sich der Fortschritt vor allem in der Dämmerung, Fotos beim Apéro auf dem Balkon wirken merklich rauschfreier als beim Vorgängermodell.

Im Alltag merke ich vor allem, dass das Pixel spürbar wuchtiger in der Hosentasche liegt als beide Samsung-Modelle, gerade beim Sitzen fällt das auf. Der Akku hält einen normalen Tag locker durch, an intensiven Tagen mit viel Kamera- und Kartennutzung wurde es bei mir aber knapper als bei den beiden Fold8-Modellen. Die farbige «HiLight»-LED in der Kamerainsel für Anrufe und Gemini-Status wirkt auf mich eher wie eine Spielerei als ein echtes Bedürfnis. Mit 1’799 Franken für die Einstiegsversion liegt es preislich zwischen den beiden Samsung-Geräten.

Für wen sich welches Modell lohnt

Wer viel unterwegs produktiv arbeitet und mit Zoom-Fotografie liebäugelt, ist beim Z Fold8 Ultra am besten aufgehoben. Wer vor allem Inhalte konsumiert und ein Foldable im Alltag wie ein normales Handy bedienen will, findet im Pixel 11 Pro Fold dank Displayhelligkeit und Wasserschutz eine ernsthafte Alternative. Mich persönlich hat aber keines der beiden so überzeugt wie das Fold8, das ich nach zwei Wochen wirklich ins Herz geschlossen habe.

Es ist das erste Foldable, bei dem ich nicht mehr ständig überlege, ob ich es lieber zuklappen sollte, um es bequemer zu halten. Genau darin liegt für mich der eigentliche Fortschritt dieser Generation. Samsung hat mit dem neuen Formfaktor geschafft, woran sich die ganze Branche seit Jahren die Zähne ausbeisst, nämlich ein Klapphandy zu bauen, das sich nicht wie ein Kompromiss anfühlt.