Thun ist nicht allein

Thun geht gegen Lech Posen mit 0:7 unter.

www.imago-images.de

Thun hat im Europa-League-Playoff-Hinspiel gegen Lech Posen keinen Stich und geht in Polen gleich mit einer 0:7-Klatsche unter. Damit egalisieren die Berner Oberländer die höchste Niederlage eines Schweizer Teams auf europäischer Bühne.

Andreas Lunghi

Im Hinspiel der Europa-League-Playoffs blamiert sich der amtierende Schweizer Meister gegen Lech Posen. Die bereits für die Conference League qualifizierten Thuner zeigen einen auf ganzer Linie uninspirierten Auftritt und liegen bereits nach 45 Minuten mit 0:5 zurück.

Trainer Gian-Luca Privitelli wirbelt in der Pause sein Team durch, doch seine Wechsel bringen nicht den gewünschten Effekt. Bereits nach zwei Minuten in der 2. Halbzeit kassiert seine Mannschaft den nächsten Treffer. Das 7:0 der Hausherren in der 79. Minute ist nur noch Resultatkosmetik – und ein weiterer Stich ins Thuner Herz.

Mit dieser Klatsche egalisieren die Berner Oberländer einen Schweizer Negativ-Rekord. Es ist nämlich die höchste Niederlage eines Schweizer Vertreters im Europacup. Wer ebenfalls mit einem 0:7 vom Platz musste, erfährst du weiter unten.

1965/1966: Magdeburg – Sion 8:1

Sion qualifizierte sich dank des Cupsiegs in der Vorsaison für den europäischen Wettbewerb der Cupsieger. Während die Walliser in der Vorrunde noch Galatasaray schlagen konnten, gingen sie im Achtelfinale gegen Magdeburg schon im Hinspiel unter.

Die Deutschen liessen den Sittenern keine Chance gewannen gleich mit 8:1. Das Rückspiel im Tourbillon endete mit einem 2:2. Die Hinspiel-Pleite gehört bis heute zu den höchsten Niederlagen einer Schweizer Mannschaft auf europäischer Bühne.

2002/2003: FC Valencia – FC Basel 6:2

Der FC Basel qualifiziert sich 2002 als Schweizer Meister für die zweite Qualifikationsrunde zur Champions League und schafft nach Siegen gegen die Slowaken von MSK Zilina und das schottische Celtic Glasgow den Sprung in die Gruppenphase.

Das vom heutigen Nati-Trainer Murat Yakin angeführte Team gewinnt das erste Spiel gegen Spartak Moskau und spielt ein Remis gegen Liverpool. Am dritten Spieltag reisen die Basler nach Spanien und treffen im Mestalla-Stadion auf den FC Valencia. Der Norweger John Carew erzielt in den ersten 14 Minuten einen Doppelpack und leitet so den 6:2-Sieg ein. Für den FCB treffen in der zweiten Halbzeit Julio Hernan Rossi und Hakan Yakin.

Das Tor zum 6:2 von Hakan Yakin im Mestalla-Stadion ist nur noch Resultatkosmetik.

Das Tor zum 6:2 von Hakan Yakin im Mestalla-Stadion ist nur noch Resultatkosmetik.

KEYSTONE


Trotz der hohen Niederlage schaffen die Basler die Qualifikation für die zweite Gruppenphase, wo dann Endstation ist.

2008/2009: Lech Posen – GC 6:0

Über den UEFA Intertoto-Cup qualifiziert sich GC für die 2. Qualifikationsrunde des damaligen UEFA-Cups. Wie heuer für Thun heisst der Gegner damals Lech Posen.

Die Mannschaft von Hanspeter Latour muss im Hinspiel in Polen ran und kassiert eine 0:6-Kanterniederlage. Grossen Anteil daran hat der damals 20-jährige Robert Lewandowski mit seinem Doppelpack.

Im Rückspiel kommen die Hoppers nicht über ein 0:0-Remis hinaus und bleiben bereits in der Qualifikation hängen.

Hanspeter Latour kassierte 2008 mit GC eine 0:6-Niederlage gegen Lech Posen.

Hanspeter Latour kassierte 2008 mit GC eine 0:6-Niederlage gegen Lech Posen.

KEYSTONE

2008/2009: FC Basel – FC Barcelona 0:5

Im letzten Jahr unter Christian Gross qualifizierten sich die Basler erneut über die Qualifikationsrunden für die Gruppenphase. Da durften sie sich auf einen namhaften Gegner freuen: den FC Barcelona.

Am 22. Oktober 2008 ist es dann so weit, der spanische FCB mit Superstar Lionel Messi ist im St. Jakob-Park zu Gast. Es ist auch der Argentinier, der den Anfang macht. Er stellt die Weichen bereits in der 4. Minute auf Sieg. Marco Steller und Co. gehen am Schluss mit einer 0:5-Niederlage vom Platz.

Lionel Messi spielte mit Barcelona in der Saison 2008/2009 in der Champions League im Basler St. Jakob-Park.

Lionel Messi spielte mit Barcelona in der Saison 2008/2009 in der Champions League im Basler St. Jakob-Park.

KEYSTONE


Einen kleinen Trost gab es in jener Kampagne dann aber doch noch: Den einzigen Punkt holten die Basler ausgerechnet im Camp Nou. Messi und Eren Derdiyok waren die Torschützen.

2009/2010: FC Zürich – Real Madrid 2:5

Zürich holte sich 2009 den Meistertitel und qualifizierte sich für die dritte Qualifikationsrunde zur Champions League. Gegen MK Maribor hatten die Zürcher im Hinspiel noch Mühe, dank einem 3:0 zu Hause im Rückspiel schafften sie es aber doch noch in die Playoffs, wo sie gegen den lettischen Vizemeister Ventspils keine Mühe bekundeten.

In der Gruppenphase traf der FCZ mit Real Madrid, Milan und Olympique Marseille auf hochkarätige Gegner. Gleich im Auftaktspiel war Real Madrid im Letzigrund zu Gast. In der Startelf standen Weltfussballer wie Iker Casillas, Kakà, Raúl und Cristiano Ronaldo.

Gegen Cristiano Ronaldo und Co. konnte der FC Zürich nichts ausrichten.

Gegen Cristiano Ronaldo und Co. konnte der FC Zürich nichts ausrichten.

KEYSTONE


Der Portugiese eröffnete in der 27. Minute das Skore – zur Halbzeit stand es dann bereits 0:3 für die Spanier. Mit einem Doppelschlag innert zwei Minuten durch Xavier Margairaz und Silvan Aegerter kamen die Zürcher noch einmal heran. In der Schlussphase machten Cristiano Ronaldo und Guti alles klar.

2009/2010: Olympique Marseille – FC Zürich 6:1

In jener Champions-League-Saison war es nicht die einzige Kanterniederlage für die Zürcher. Am 4. Spieltag trafen sie im Stade Vélodrome auf Olympique Marseille.

In der 1. Halbzeit hielt der FCZ gut mit und lag zur Pause nur 1:2 zurück. Im zweiten Durchgang machten die Franzosen mit vier Toren dann aber kurzen Prozess.

Der FCZ tauchte am 3. November 2009 im Stade Vélodrome gegen Olympique Marseille.

Der FCZ tauchte am 3. November 2009 im Stade Vélodrome gegen Olympique Marseille.

KEYSTONE


Von dieser Kampagne blieben dem FC Zürich vor allem die Spiele gegen Milan in Erinnerung. Im San Siro schoss Hannu Tihinen den FCZ zum Sieg und im Rückspiel knüpften die Zürcher den Mailändern ein Unentschieden ab.

2011/2012: FC Bayern München – FC Basel 7:0

Nachdem sich die Basler mit einem Punkt Vorsprung auf den FC Zürich den Schweizer Meistertitel geholt hatten, qualifizierten sie sich direkt für die Champions-League-Gruppenphase. Diese war vor allem eins: vom Erfolg geprägt. In sechs Spielen holten sich die Basler elf Punkte und mussten sich nur einmal gegen Benfica Lissabon geschlagen geben.

Das Weiterkommen wurde im letzten Gruppenspiel gegen den dreifachen Champions-League-Sieger Manchester United entschieden. Mit einem 2:1 vor heimischem Publikum sicherten sich die Basler den zweiten Rang und die Achtelfinal-Qualifikation, wo der FC Bayern München wartete.

Die heutigen blue Sport Experten Alex Frei und Marco Streller standen bei der Kanterniederlage in der Allianz Arena auf dem Platz.

Die heutigen blue Sport Experten Alex Frei und Marco Streller standen bei der Kanterniederlage in der Allianz Arena auf dem Platz.

KEYSTONE


Im Hinspiel im St. Jakob-Park schenkte der FCB seinen Fans einen unvergesslichen Abend. Valentin Stocker schoss kurz vor Schluss den goldenen Treffer und liess die Basler träumen. Dieser Traum fand im Rückspiel in der Allianz Arena ein abruptes Ende. Gleich mit 7:0 fertigten die Deutschen die Basler ab, Mario Gómez gelangen vier Tore. Arjen Robben und Thomas Müller hiessen die anderen Torschützen. Unter den Schweizer Champions-League-Teilnehmern ist das bis heute die höchste Pleite in der Königsklasse.

2024/2025: YB – Atalanta 1:6

Nach vier Niederlagen in Folge, darunter die 0:5-Klatsche gegen Barcelona, empfängt der damalige Schweizer Meister am 5. Spieltag der Champions-League-Kampagne im Wankdorf Atalanta.

Die Italiener gehen bereits in der 9. Minute durch Mateo Retegui in Führung. YB reagiert zwei Minuten später dank Silvère Ganvoula auf den frühen Schock, ehe kurz vor der halben Stunde das Unheil seinen Lauf nimmt.

Die Berner holen in der UCL-Saison 2024/2025 keinen einzigen Punkt.

Die Berner holen in der UCL-Saison 2024/2025 keinen einzigen Punkt.

KEYSTONE


Die Berner kassieren drei Tore innert elf Minuten und erholen sich davon nicht mehr. Am Ende gehen sie mit einem 1:6 vom Platz und kassieren die fünfte Niederlage von insgesamt acht in jener Champions-League-Saison.