Neue TV-Doku

Marius Borg Høiby mit seiner Mutter Mette-Marit in Oslo im Sommer 2022.

AP NTB

Nach seiner Verurteilung ist es ruhig geworden um Marius Borg Høiby. Eine neue Doku beleuchtet sein Leben im Schatten der Krone. Eine Royal-Expertin macht Mutter Mette-Marit schwere Vorwürfe: Høiby ins Rampenlicht zu stellen, sei «der grösste Fehler» gewesen. Zudem zeigt die Doku, wie privilegiert ihn die Polizei behandelte.

Carlotta Henggeler

Darum geht’s

  • Marius Borg Høiby wurde im Juni 2026 zu vier Jahren Haft verurteilt. Eine ZDF-Doku zeichnet nach, wie er mit royalen Privilegien, aber ohne offizielle Rolle in der Monarchie aufwuchs.
  • Royal-Expertin Tove Taalesen wirft Kronprinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon vor, Høiby schon als Kind zu stark ins Rampenlicht gestellt zu haben. Sie bezeichnet dies als «grössten Fehler» und als Anfang seiner späteren Probleme.
  • Die Doku thematisiert zudem eine mögliche Vorzugsbehandlung durch die Polizei.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Der Fall Marius Borg Høiby erschüttert das norwegische Königshaus wie kaum ein Skandal zuvor. Im Juni 2026 wird der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit zu vier Jahren Haft verurteilt – unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen und Gewalt gegen eine Ex-Freundin.

Seine Untersuchungshaft verbringt der 29-Jährige inzwischen mit elektronischer Fussfessel auf Skaugum, dem Anwesen seiner Mutter und seines Stiefvaters Kronprinz Haakon. Enge Zelle? Nicht für Høiby.  Laut dem skandinavischen Magazin «Se og Hør» darf sich Høiby innerhalb eines grosszügig bemessenen Bereichs bewegen. Dieser umfasst mehrere Gebäude und offenbar auch das Haupthaus des Kronprinzenpaares. Auf den Aussenflächen kann er spazieren, trainieren oder Zeit auf den Terrassen verbringen – solange er die festgelegte Zone nicht verlässt.

Doch wie wurde aus dem kleinen herzigen Marius, den die Norweger einst ins Herz schlossen, ein verurteilter Straftäter?

Genau dieser Frage geht die ZDF-Dokumentation «Im Schatten der Krone – Skandale, Krisen, Jetset» nach, die am 25. August um 20.15 Uhr auf ZDF ausgestrahlt wird und online abrufbar ist. Sie zeichnet das Leben eines Mannes nach, der mit den Privilegien der Königsfamilie aufwuchs – ohne selbst je eine Rolle in der Monarchie zu bekommen. Dabei erhebt eine Königshaus-Expertin einen bemerkenswerten Vorwurf gegen Mette-Marit.

Royal-Expertin: «Norweger waren verliebt»

Als Mette-Marit 2001 Kronprinz Haakon heiratet, ist Marius vier Jahre alt. Und plötzlich steht auch der kleine blonde Junge im Rampenlicht.

Und die Norweger schliessen ihn schnell ins Herz. «Dieser kleine Junge, so süss, immer gut gelaunt. Wir Norweger waren ganz verliebt», erinnert sich Königshaus-Expertin Tove Taalesen in der Doku.

Royale Hochzeit mit Klein-Marius. Das Paar heiratete im August 2001.

Royale Hochzeit mit Klein-Marius. Das Paar heiratete im August 2001.

AP

Doch genau darin sieht Taalesen heute einen folgenschweren Fehler. Bei der Hochzeit nimmt das Kronprinzenpaar Marius mit auf den Balkon des Königspalasts und zeigt ihn der jubelnden Menge.

Für Taalesen war es falsch, den Vierjährigen derart ins Rampenlicht zu stellen. «Sie hatten die Wahl», sagt sie. Man hätte Marius stärker aus der Öffentlichkeit heraushalten können – doch die Familie habe ihn zeigen wollen. Taalesens Fazit fällt drastisch aus: Es sei der «grösste Fehler» gewesen, den sie hätten machen können. «Das war der Anfang aller Probleme.»

Innerhalb der Familie ist anfangs noch alles in Ordnung. Kronprinz Haakon nimmt Marius an wie seinen eigenen Sohn. «Im Alltag war er ein richtiger Vater für ihn», sagt Historiker Trond Norén Isaksen in der Dokumentation.

Marius wächst damit als selbstverständlicher Teil der Kronprinzenfamilie auf. Doch genau diese Position wird bald kompliziert.

Teil der Familie – aber nicht Teil der Monarchie

Mit der Geburt von Prinzessin Ingrid Alexandra 2004 verändert sich Marius’ Stellung. Seine Halbgeschwister gehören zur Thronfolge, er nicht. Die Doku beschreibt, wie Høiby zunehmend in die zweite Reihe gerät.

Er gehört zur Familie – aber nicht zur Monarchie. Während für Ingrid Alexandra eine künftige Aufgabe vorgesehen ist, gibt es für ihren älteren Halbbruder keine offizielle Rolle.

An den Annehmlichkeiten des royalen Lebens mangelt es ihm dennoch nicht. Laut der Dokumentation erhält Høiby von seiner Familie monatlich rund 1700 Euro Sackgeld. Er bekommt Möglichkeiten, von denen andere nur träumen können, beginnt unter anderem ein Studium in den USA. Doch nach wenigen Monaten ist er wieder zurück in Norwegen. Eine fundierte Ausbildung schliesst er nicht ab. Auch das ZDF beschreibt einen jungen Mann ohne klar definierte royale Aufgabe und ohne gefestigte berufliche Laufbahn.

Stattdessen wird Høiby zum festen Bestandteil des Osloer Nachtlebens. Im späteren Prozess beschreibt er es selbst so: Er habe ein Leben mit «vielen Partys, Alkohol, Drogen» geführt.

Polizist warnt Høiby im Streifenwagen

Die Nähe zur Krone bringt Høiby offenbar aber nicht nur Geld und Zugang zu einem privilegierten Leben. Besonders brisant ist eine Begegnung mit der norwegischen Polizei.

Skandinavische Medien haben einen Mitschnitt eines Gesprächs veröffentlicht, das Ende 2023 in einem Streifenwagen in Oslo stattgefunden haben soll. Darin wird Høiby angeblich wegen seines Umgangs im Drogenmilieu gewarnt. Die Polizei weist jedoch zurück, dass Høiby damit bevorzugt behandelt worden sei. Diese Gespräche sind eine frühe Präventivmassnahme. Dennoch sorgt die Aufnahme für Diskussionen darüber, ob Høibys Nähe zum Königshaus beim Umgang der Behörden mit ihm eine Rolle spielte.

Die Dokumentation berichtet, dass Mette-Marit vor einem Polizeieinsatz gegen ihren Sohn gewarnt worden sei. Die Kronprinzessin sei daraufhin zu Høiby gefahren und habe dessen Wohnung aufgeräumt. Als die Polizei später auf Høiby traf, soll er ein Mobiltelefon ohne SIM-Karte bei sich gehabt haben.

Ausgerechnet jene Nähe zur Krone, die Marius als kleinen Jungen auf den Balkon des Königspalasts brachte, steht damit Jahrzehnte später erneut im Zentrum.

Damals sah Norwegen einen «süssen, immer gut gelaunten» Jungen. Heute ist Marius Borg Høiby ein verurteilter Straftäter, der mit Fussfessel auf dem Anwesen der Kronprinzenfamilie lebt.


Norwegisches Königshaus: Mette-Marits Sohn zu mehreren Jahren Haft verurteilt

Mit dem Urteil endet ein Verfahren, das weit über das norwegische Königshaus hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt hat.