Diddl gibt ein Comeback – alles, was du über die Kult-Maus wissen musst


Ikone der 90er und 00er

Die Diddl-Maus aus den 90ern ist zurück in den Schweizer Läden.

DPA

Nach mehr als zehn Jahren kehrt Diddl zurück in die Läden. Warum die Figur einst zum Massenphänomen wurde, weshalb sie verschwand und wieso das Comeback perfekt zur aktuellen Nostalgiewelle passt.

Britta Gfeller

Darum geht’s

  • Diddl feiert nach mehr als zehn Jahren ein Comeback. Die Kultmaus ist in der Schweiz, Deutschland und Österreich wieder erhältlich.
  • Erfunden wurde Diddl 1990 vom deutschen Zeichner Thomas Goletz. In den 90er- und 00er-Jahren wurde die Maus mit Duftblättern, Schreibblöcken und Fanartikeln zu einem der grössten Kindertrends im deutschsprachigen Raum.
  • Der Hype endete 2014 mit einem Produktionsstopp. Heute sorgen Nostalgie und die Nachfrage langjähriger Fans für das Revival der Diddl-Produkte.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Duftende Diddl-Blätter tauschen, ins Diddl-Freundschaftsbuch schreiben, eine Runde Diddl-Memory spielen oder den Diddl-Schlüsselanhänger an den Eastpak-Rucksack oder den Schulthek hängen – Ende der 1990er und Anfang der 2000er war die weisse Maus mit den grossen Füssen auf Pausenplätzen und in Kinder- und Jugendzimmern allgegenwärtig.

Jetzt erlebt sie unter dem offiziellen Motto «Diddl is back» ein Comeback. Nachdem über zehn Jahre keine Diddl-Produkte mehr hergestellt wurden, stehen wieder neue Hefte, Plüschtiere, Etuis, Tassen und Stifte in den Regalen.

Seit 2025 sind sie in Belgien und Frankreich erhältlich – und waren dort kurz nach dem Launch schon vergriffen. Seit dieser Woche ist Diddl auch in der Schweiz, Deutschland und Österreich zurück. Woher kommt die Figur überhaupt? Und warum ist sie gerade jetzt zurück?

Diddl ist eine Springmaus – deshalb auch die grossen Füsse. Erfunden wurde sie vom deutschen Zeichner Thomas Goletz (heute 59). 1990 fertigte er die erste Skizze der Figur an – damals noch als Känguru. Erst in späteren Entwürfen wurde eine Maus daraus. Den Namen «Diddl» habe er ausgewählt, weil er einfach perfekt passe, sagt der Zeichner in einem Interview. Er klinge «niedlich, quirlig und etwas frech».

Goletz fertigte Postkarten mit Zeichnungen seiner Maus an und suchte nach einem Vertrieb. Die deutsche Firma Depesche sagte zu und sicherte sich die Lizenz an der Figur Diddl. So begann die Erfolgsgeschichte.

Maus Diddlina, Bär Pimboli und Pferd Galupy feiern ebenfalls ein Comeback.

Maus Diddlina, Bär Pimboli und Pferd Galupy feiern ebenfalls ein Comeback.

www.imago-images.de

Später kamen weitere Figuren zum Diddl-Universum dazu, darunter Diddls Freundin Diddlina, der Mäuse-Wissenschaftler Diddldaddl Blubberpeng, das Kaninchen Mimihopps, der Bär Pimboli, der Rabe Ackaturbo und das Pferd Galupy.

In den 90ern und Anfang der 00er-Jahre wurde Diddl zum Kultprodukt. Vor allem im deutschsprachigen Raum war er ein Phänomen. Insgesamt wurden die Produkte in 26 Ländern vertrieben.

Wie viel Umsatz Diddl eingebracht hat oder wie viele Artikel verkauft wurden, verriet die Firma Depesche nie, wie die Wirtschaftszeitung «Handelsblatt» schreibt. Der Umsatz soll jedoch im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Warum war die Maus beliebt?

Nicht die Plüschtiere lösten den Hype aus, sondern vor allem die bunten Schreibblöcke. Sie waren mit den Figuren aus dem Diddl-Universum verziert. Manche der Blöcke glitzerten oder waren parfümiert – mit relativ normalen Düften wie Rose oder Orange, aber auch mit aussergewöhnlicheren wie Pizza oder Mist. Die Gerüche passten jeweils zum abgebildeten Motiv.

Schreibblöcke mit verschiedenen Motiven und Düften lösten den Diddl-Hype aus.

Schreibblöcke mit verschiedenen Motiven und Düften lösten den Diddl-Hype aus.

www.imago-images.de

Die Blätter wurden auf den Schulhöfen zum Tauschmaterial, manche füllten ganze Ordner mit verschiedenen Ausführungen und gaben ihr ganzes Sackgeld in der Papeterie aus. Durch die Blöcke wurden auch die anderen Diddl-Produkte immer beliebter. Die Figuren standen für eine heile Welt, in der Freundschaft und Zusammenhalt im Zentrum steht. Die «Welt» bezeichnet Diddl als eines der «letzten grossen, rein analogen Kinderphänomene, bevor das Smartphone den Alltag dominierte».

2014 beendete Depesche die Zusammenarbeit mit Zeichner Thomas Goletz. Der Diddl-Hype war abgeflacht, viele hatten genug von der allgegenwärtigen Maus. Viele Kinder wandten sich anderen Trends und Figuren zu. Auch das Smartphone trug seinen Teil zum Untergang von Diddl bei: Die Diddl-Welt beruhte vor allem auf physischen Produkten und Sinneseindrücken. Gegen das Smartphone kamen sie nicht an.

Warum kommt Diddl jetzt zurück?

«Seit einiger Zeit fragen immer mehr nach einem Comeback, auch immer mehr Firmen schreiben mich an und fragen nach einer Lizenz, um Diddl-Produkte herstellen zu können», erzählt Diddl-Erfinder Thomas Goletz im Interview mit der Boulevardzeitung «Bild». «Ich denke, die Menschen sehnen sich nach ihrer schönen, unbeschwerten und behüteten Diddl-Kindheit zurück und wünschen sich das jetzt auch für ihre eigenen Kinder.»

Diddl hat bis heute treue Fans. «Ausmalblöcke! Löscht das Internet, wir treffen uns auf dem Schulhof», schreibt eine Instagram-Userin unter einem Post zu den neuen Diddl-Produkten. «Mein inneres Kind schreit! Ein Hoch auf Erwachsenengeld», meint eine andere. Und eine dritte Userin schreibt: «Sofort Kindheitserinnerungen. Was war das für eine schöne Zeit!»

Das Comeback passt zur Nostalgiewelle und dem Y2K-Trend, also dem Revival der Mode- und Popkultur der späten 90er und frühen 2000er Jahre. Wie eine Umfrage im Auftrag der deutschen Secondhand-Plattform Kleinanzeigen vom Mai zeigt, sind Retro-Produkte heute so gefragt wie schon lange nicht mehr. So sind die Preise für Diddl-Blöcke auf der Plattform seit 2021 um bis zu 357 Prozent gestiegen.

Der Trendforscher Eike Wenzel erklärt den erneut entflammten Hype im Interview mit dem Sender SWR damit, «dass eine Gesellschaft sich gerne erinnert, zurückguckt und nach Identität sucht, gerade auch dann, wenn sie in der Zukunft keine Identität findet.»


Dr. Sommer wusste alles über Sex – und die Schweizer Jugend?

Die «Bravo» wird 65. Generationen von Jugendlichen hat die Zeitschrift mit ihrer Aufklärungsrubrik «Dr. Sommer» begleitet. «blue News»-Redaktor Bruno Bötschi wollte deshalb von den Schweizer*innen wissen, wie sie aufgeklärt wurden.