Trockenheit setzt Schweizer Bauern unter Druck – drohen bald Engpässe?


Darum geht’s

  • Seit dem Frühling herrscht in der Schweiz eine anhaltende Trockenheit mit wenig Niederschlag und hohen Temperaturen, was Böden, Gewässer und Grundwasser stark belastet.
  • Besonders die Landwirtschaft leidet unter Ernteausfällen, steigenden Kosten und ersten Engpässen bei einzelnen Gemüsesorten.
  • Für Konsument*innen ist die Versorgung derzeit noch stabil und die Preise bleiben weitgehend unverändert, doch die weitere Entwicklung hängt stark vom Wetter ab.
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In der Schweiz, insbesondere im Mittelland, hält seit dem Frühling eine ausgeprägte Trockenheit an. Die Niederschlagsmengen liegen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, während die Temperaturen häufig über den saisonalen Normwerten liegen. Darauf weist das Bundesamt für Umwelt (BAFU) auf seiner Website hin.

Die Folgen sind deutlich sichtbar: Böden trocknen aus, Pegelstände von Gewässern sinken, und auch das Grundwasser liegt vielerorts auf tiefem Niveau.

Besonders stark betroffen ist die Landwirtschaft – und damit auch die Ernte. Welche Gemüsekulturen derzeit am stärksten von Hitze und Trockenheit betroffen sind, lässt sich nicht eindeutig sagen. «Grundsätzlich leiden alle Kulturen unter Hitze und Trockenheit», erklärt Matija Nuic, Direktor des Verbands Schweizer Gemüseproduzenten, auf Anfrage von blue News.

Selbst in Gewächshäusern, wo mit Beschattung gearbeitet werden kann, bleibt die Situation angespannt. «Die Temperaturen sind überall eine Herausforderung», so Nuic. Besonders entscheidend sei aber der Zugang zu Wasser. Dieser sei regional sehr unterschiedlich geregelt und mit hohen Kosten verbunden.

Auch die Arbeitsstunden häufen sich bei dieser Trockenheit, weil mehr bewässert werden muss: «Die Produzent*innen und ihre Mitarbeitenden arbeiten seit Wochen unaufhörlich, um weiterhin Gemüse liefern zu können», so Nuic.

Vereinzelte Engpässe

Ob die Preise für Konsument*innen dadurch nun steigen, kann Nuic nicht sagen. Das würde der Detailhandel entscheiden. «Für die Produktion ist es aber wichtig, dass die höheren Kosten gedeckt werden.»

Zudem kann es vereinzelt zu Engpässen kommen. Laut Nuic war das bei Bohnen und Eisbergsalat bereits der Fall. Wie sich die Lage entwickelt, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, insbesondere mit Blick auf den Herbst. Bisher sei die Versorgung jedoch auch ohne grössere Importe gesichert gewesen, wohl nicht zuletzt wegen der Sommerferien.

Für die Zukunft ist für Nuic klar: «Langfristig muss der Zugang zu Bewässerungswasser gesichert werden.» In professionellen Gemüsebaubetrieben sei dies heute zwar weitgehend gewährleistet, entscheidend bleibe jedoch eine nachhaltige Absicherung, je nach Region mit unterschiedlichen Lösungen.

Gleichzeitig verweist er auf das Jahr 2021, als anhaltender Regen zu grossen Ausfällen führte. «Dann braucht es wiederum andere Massnahmen», sagt Nuic. «Schlussendlich lohnt sich die Absicherung gegen die Wetterextreme aller Art aber nur, wenn die Produktion auch weiss, dass die dadurch entstehenden Mehrkosten bei den Abnehmern gedeckt werden können.»

Während Produzent*innen den Druck zunehmend spüren, bleiben Detailhändler vorerst noch vergleichsweise entspannt.

«Weitere Entwicklung hängt von der Witterung ab»

Die anhaltende Hitze und Trockenheit wirken sich laut Migros je nach Region und Kultur unterschiedlich auf den Gemüse- und Früchteanbau aus. Für eine verlässliche Gesamtbeurteilung der diesjährigen Ernte sei es derzeit noch zu früh.

«Aktuell gibt es in unserem Sortiment keine Einschränkungen, sämtliche relevanten Gemüsesorten sind verfügbar», schreibt ein Sprecher der Migros auf Anfrage von blue News.

Auch bei den Verkaufspreisen zeigt sich bislang kein auffälliger Trend: Gemüse und Früchte bewegen sich aktuell insgesamt auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. «Je nach Produkt und Erntenverlauf sind kurzfristige Schwankungen möglich», heisst es weiter. Für eine präzise Prognose der weiteren Preisentwicklung sei es jedoch noch zu früh.

Bei den Einkaufspreisen beobachtet die Migros ebenfalls keine aussergewöhnlichen Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr. «Die weitere Entwicklung hängt unter anderem vom Witterungsverlauf in den kommenden Wochen ab», so der Migros-Sprecher.

Derzeit ist das Unternehmen nicht auf zusätzliche Importmengen angewiesen. «Neben dem üblichen Anteil an Importware können wir die Nachfrage aktuell mit den verfügbaren Mengen decken», heisst es weiter. Sollte es im weiteren Saisonverlauf zu Engpässen kommen, könnten Importe zur Sicherstellung der Versorgung beitragen.

Denner beobachtet die Entwicklung stets

Bei Denner zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei der Migros: Wie sich die aktuelle Wetterlage auf einzelne Kulturen auswirkt, hängt stark von Region, Produktionsbedingungen und Erntezeitpunkt ab.

«Deshalb sind pauschale Aussagen zu einzelnen Gemüsesorten derzeit nur bedingt möglich. Vereinzelt kann es zu Schwankungen bei Verfügbarkeit, Qualität oder Erntemengen kommen, wie dies bei aussergewöhnlichen Wetterereignissen grundsätzlich der Fall ist», so eine Sprecherin von Denner auf Anfrage von blue News.

Die Entwicklung werde laufend beobachtet, zudem stehe man in engem Austausch mit Produzent*innen und Lieferant*innen. «Wo erforderlich, prüfen wir alternative Bezugsquellen innerhalb unseres bestehenden Beschaffungsnetzwerks, um eine möglichst konstante Warenverfügbarkeit sicherzustellen», heisst es weiter.

Zu möglichen Preisentwicklungen lasse sich derzeit keine generelle Aussage machen.

Wenige Salatsorten bei Coop sind temporär betroffen

Auch bei Coop ist das Gemüseangebot aktuell in gewohntem Umfang grundsätzlich erhältlich. «Bei wenigen Salatsorten kann es temporär zu einer leicht geringeren Verfügbarkeit kommen», so der Detailhändler auf Anfrage von blue News.

Schweizer Produkte hätten bei Coop stets Priorität. Bei Bedarf wird das Sortiment punktuell und temporär mit Importware ergänzt, um die Verfügbarkeit sicherzustellen. Wie sich die Preise entwickeln, hängt laut Coop vom weiteren Verlauf des Sommers sowie von der tatsächlichen Nachfrage während der Ferienzeit ab.

Lidl Schweiz äussert sich grundsätzlich nicht zu konkreten Preisthemen oder Marktentwicklungen, heisst es auf Anfrage von blue News. «Um flexibel auf Ernteveränderungen reagieren zu können, stehen wir dazu in regelmässigem und engem Austausch mit unseren Lieferanten», teilt das Unternehmen aber mit.

Während die Produzentinnen und Produzenten bereits unter Druck stehen, bleibt für Konsument*innen vorerst alles beim Alten. Ob sich die Trockenheit für dich auch bald im Supermarkt bemerkbar macht, dürfte sich in den nächsten Wochen zeigen.


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