Trump platzt der Kragen – hat ihn Hegseth über die Raketenkrise getäuscht?


Darum geht’s

  • Die USA sollen im Iran-Krieg erhebliche Bestände von Präzisionsmunition und Abfangraketen verbraucht haben.
  • Donald Trump bestreitet die Engpässe, droht aber gleichzeitig mutmasslichen Whistleblowern mit langen Haftstrafen.
  • Pikant: Trump soll Verteidigungsminister Pete Hegseth in Camp David wegen der geschrumpften Bestände zur Rede gestellt haben.
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Der Krieg der USA gegen den Iran verschlingt enorme Mengen amerikanischer Präzisionswaffen. Das ist nicht erst seit gestern bekannt. blue News berichtete bereits im März über Befürchtungen, den USA könnte die Munition ausgehen. Die US-Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International Studies) warnte im Mai, dass es Jahre dauern würde, um die Bestände aufzufüllen.

Das Pentagon und das Weisse Haus hatten entsprechende Berichte immer wieder bestritten. Und auch jetzt will Donald Trump von Engpässen nichts wissen. Gleichwohl soll er sich laut «Washington Post» bei einem Kabinettstreffen in Camp David den Chef des Verteidigungsministeriums (US-Bezeichnung: Kriegsministerium) zur Brust genommen und von Pete Hegseth Erklärungen zu den «extremen Munitionsengpässen» verlangt haben.

Sind die Engpässe wirklich so schlimm? Welche Auswirkungen hätten leere Munitionslager auf die USA, aber auch auf die Ukraine? Und was ist zwischen Trump und Hegseth passiert? Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist in Camp David vorgefallen?

US-Präsident Donald Trump soll Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einem Treffen in Camp David mit Berichten über stark geschrumpfte Munitionsbestände konfrontiert haben. Nach Informationen der «Washington Post» verlangte Trump eine Erklärung dafür, weshalb er offenbar nicht über das ganze Ausmass der Engpässe informiert worden sei.

Trump habe geglaubt, das Problem sei längst «behoben», berichten zwei mit dem Gespräch vertraute Personen der Zeitung. Die Frage ist dabei nicht, ob das US-Militär überhaupt noch über Raketen verfügt. Entscheidend ist vielmehr, wie viele Präzisionswaffen noch verfügbar sind, wie schnell sie ersetzt werden können und welche Reserven für andere mögliche Konflikte zurückgehalten werden müssen.

Welche Waffensystem sind betroffen und welche Munition ist angeblich knapp?

Besonders angespannt soll die Lage bei Patriot- und THAAD-Abfangraketen sein. Beide Systeme dienen vor allem dazu, ballistische Raketen zu zerstören, bevor sie ihre Ziele erreichen.

CNN berichtet unter Berufung auf mit der Lage vertraute Quellen, dass das US-Militär seit Beginn des Iran-Kriegs beinahe vier Fünftel seines ursprünglichen THAAD-Bestands verbraucht und ungefähr die Hälfte seiner Patriot-Abfangraketen eingesetzt haben soll.

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Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Sie decken sich aber grundsätzlich mit Berechnungen des Center for Strategic and International Studies. Das CSIS schätzte den verbliebenen Patriot-Bestand Ende Juli auf weniger als 1000 Raketen und den THAAD-Bestand auf rund 250 Abfangraketen.

Vor dem Krieg hätten die USA nach Berechnungen der Denkfabrik über etwa 2300 Patriot-Raketen verfügt. Bei solchen Zahlen handelt es sich ausdrücklich um Schätzungen, weil das Pentagon die exakten Lagerbestände aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht.

Knapp sollen zudem weitreichende Tomahawk-Marschflugkörper und ATACMS-Raketen geworden sein. Die «Washington Post» berichtet, die USA hätten allein im ersten Kriegsmonat mehr als 850 Tomahawks sowie mehr als 1000 Patriot- und THAAD-Abfangraketen eingesetzt. Dazu kämen mehr als 1300 ATACMS. Die Zeitung beruft sich dabei auf US-Beamte und mit den Beständen vertraute Personen.

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Ist der Munitionsmangel wirklich so schlimm?

Dass die amerikanischen Bestände unter erheblichem Druck stehen, gilt als plausibel. Schon vor Beginn des Iran-Kriegs hatten Militärvertreter vor Engpässen bei bestimmten Abfangraketen gewarnt. Der gleichzeitige Bedarf an mehreren Kriegsschauplätzen (Iran, Ukraine) verschärft die Lage zusätzlich.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die USA nun «wehrlos» wären. Das Land verfügt weiterhin über ein riesiges Waffenarsenal und kann Prioritäten setzen. Kritisch ist vielmehr, dass einige hochspezialisierte Raketen nur in relativ kleinen Stückzahlen vorhanden sind und nicht kurzfristig ersetzt werden können. Von der Bestellung bis zur Auslieferung können bis zu zwei Jahre vergehen.

Wie reagiert Trump auf die mutmassliche Munitionsknappheit?

Trump weist Berichte über dramatische Engpässe offiziell entschieden zurück. Die USA verfügten über «gewaltige Mengen an Munition, insbesondere bestimmter Arten», schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Zudem würden grosse Mengen hergestellt und bei Bedarf in die Vereinigten Staaten geliefert.

Gleichzeitig drohte Trump allen Personen, die Informationen über die Lagerbestände an Medien weitergegeben haben könnten. «Diejenigen, die diese verräterischen Informationen durchgestochen haben, werden gejagt», heisst es in seinem Post weiter. «Es werden langjährige Haftstrafen gefordert werden!»

Seine Reaktion zeigt das Dilemma des Präsidenten: Einerseits will Trump den Eindruck vermeiden, die USA seien militärisch geschwächt. Andererseits muss seine Regierung auf reale Produktions- und Beschaffungsprobleme reagieren. Das Pentagon hat den Kongress deshalb um zusätzliche Milliarden gebeten, um verbrauchte Waffen zu ersetzen und die Produktion auszubauen.

Welche Auswirkungen hat die Munitionsknappheit auf das US-Militär?

Die unmittelbare Folge wäre ein kleinerer militärischer Handlungsspielraum. Sind Patriot- und THAAD-Raketen knapp, muss das Militär genauer entscheiden, welche anfliegenden Geschosse abgefangen werden und welche «durchgelassen» werden, weil sie geringwertige Ziele im Visier haben.

Auch weitere Grossangriffe auf den Iran sind schwieriger. Laut «Washington Post» sind die Munitionsengpässe ein Grund dafür, dass Trump zuletzt immer wieder angekündigte massive Schläge abgeblasen hat. Diese Darstellung stammt allerdings aus einer anonymen Quelle und wird von der Regierung nicht bestätigt.

Und schliesslich reicht das Problem strategisch weit über den Iran hinaus. Den USA fehlen die Reserven für einen möglichen Konflikt mit China, für die Verteidigung Südkoreas, für Einsätze im Nahen Osten und für die Unterstützung ihrer Verbündeten. Das CSIS warnt deshalb vor einem kurz- bis mittelfristigen Risiko für die amerikanische Einsatzbereitschaft im westlichen Pazifik.

Welche Auswirkungen hat ein Munitionsmangel in den USA auf die Ukraine?

Die «Washington Post» berichtet, dass der Ukraine die Luftabwehrmunition ausgehe und es in westlichen Beständen nur wenige Möglichkeiten zur schnellen Ergänzung gebe. Eine geringere Zahl verfügbarer Abfangraketen würde Russland mehr Chancen eröffnen, die ukrainische Luftverteidigung mit grossen Angriffswellen zu überfordern.

Was ist nun zwischen Donald Trump und Pete Hegseth konkret vorgefallen?

Nach Darstellung der «Washington Post» kam es am Rande eines Kabinettstreffens in Camp David zu einer direkten Konfrontation. Trump habe dabei Antworten verlangt, warum er offenbar über die «extremen Munitionsengpässe» getäuscht worden sei, so die Zeitung. Hegseth habe daraufhin seinen Stellvertreter Stephen Feinberg für die Engpässe verantwortlich gemacht – und auch dafür, dass Trump nicht umfassend über die Lage informiert worden sei.

Pentagonsprecher Sean Parnell wies beide Darstellungen der Zeitung zufolge aber als «erfunden» zurück. Die Sprecherin des Weissen Hauses, Karoline Leavitt, sagte auf Nachfrage der «Washington Post» zu der kolportierten Konfrontation zwischen Trump und Hegseth: «Das ist zu 100 Prozent Fake News.» Präsident Trump habe das «äusserste Vertrauen» in Minister Hegseth.

Hegseth muss im Senat antanzen: «Sie sind der Versager!»

Wegen des Irankrieges kommt es im Senat zu heftigen Wortgefechten. Hegseth fordert weitere 70 Milliarden für den Irankrieg.

Worum geht es bei dem Streit zwischen Trump und Hegseth wirklich ?

Sollte Trump tatsächlich unvollständig über die Munitionsfrage informiert worden sein, stellt sich die Frage, ob Hegseth die Lage falsch eingeschätzt, beschönigt oder nicht klar genug kommuniziert hat. Hegseth stellte die militärischen Erfolge wiederholt besonders positiv dar. Interne Einschätzungen sollen jedoch teilweise deutlich vorsichtiger ausgefallen sein.

Hegseth gehörte nach Angaben der «Washington Post» zu den frühen und besonders entschiedenen Befürwortern eines militärischen Vorgehens gegen den Iran. Er soll Trump davon überzeugt haben, dass die Auseinandersetzung, die bereits 37,5 Milliarden US-Dollar gekostet hat, schnell und vergleichsweise einfach gewonnen werden könne. Mehr als fünf Monate nach Kriegsbeginn sieht die Wirklichkeit ganz anders aus.

Zuletzt warb Hegseth im Kongress für einen Nachtragshaushalt in Höhe von 67 Milliarden Dollar für das Verteidigungsministerium. Das Geld soll unter anderem die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte sichern, verbrauchtes Material ersetzen und Investitionen in Munition sowie neue Waffensysteme beschleunigen.

Warum ist die Angelegenheit für Trump ein Problem?

Donald Trump präsentiert sich als Präsident militärischer Stärke. Meldungen über fast leere Raketenlager widersprechen diesem Bild und könnten Gegnern signalisieren, dass die amerikanischen Möglichkeiten begrenzter sind als öffentlich behauptet.

Zugleich hat Trump den Iran-Krieg politisch zu seiner eigenen Sache gemacht. Ein langer, teurer Konflikt ohne klaren Sieg birgt für ihn erhebliche Risiken – insbesondere im Hinblick auf die anstehenden Zwischenwahlen in den USA.

Mit Agenturmaterial.

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