Illegale Geschäfte US-Firma
Donald Trump schaut auf Grönland vorbei – in einem KI-Video, das er selbst gepostet hat.
Truth Social/@realDonaldTrump
Darum geht’s
- Eine texanische Firma, die im Osten Grönlands nach Öl bohren will, hat ohne Genehmigung schweres Material in das Gebiet verlegt, in dem ein bis zu eine Billion Dollar wertvolles Ölfeld liegen könnte.
- Die autonome Regierung von Grönland hat die Firma streng verwarnt und das Material vorerst einlagern lassen.
- Donald Trump erhöht davon ungerührt mit einer TV-Aussage und einem Post den Druck in der Grönland-Frage.
«Der Rechteinhaber wird eine strenge Verwarnung erhalten», schreiben die Behörden von Grönland. Die Rede ist von einer amerikanischen Ölfirma, die mit der autonomen Regierung offiziell kritisiert wird.
Was ist passiert? Es geht um das Unternehmen Greenland Energy, das letztes Jahr in Texas gegründet wurde. Es will im Nordosten Grönlands in Nunap Qeqqa, das bis 2023 Jameson Land hiess, nach Öl bohren. Dort sollen Vorkommen im Wert von einer Billion Dollar liegen.
Aus diesem Grund hat Greenland Energy schweres Material für den Bau von Bohrtürmen bewegt. Es wurde bereits im September 2025 von Pituffik an der Westküste, wo die USA einen Militärstützpunkt betreiben, nach Tasiilaq an der Ostküste der Insel verschifft. Zu diesem Zeitpunkt gab es eine Genehmigung für den Vorgang.
«Kein Zusammenhang mit einer Annexion»
Doch dann wurde dieses Material weitertransportiert, obwohl diese Genehmigung ausgelaufen war, so die Behörden. Es wurde trotzdem auf der Halbinsel Nunap Qeqqa alias Jameson Land angelandet. Nun wird es in Nerlerit Inaat, einem Ort auf der Halbinsel, zwischengelagert. «Es wäre unverhältnismässig, zu verlangen, dass die Ausrüstung zurück nach Tasiilaq transportiert wird», schreiben die Behörden.
Fest steht: «Die Materialien werden nicht weiterbefördert, bevor die erforderlichen Genehmigungen vorliegen.» Nun könnte man davon ausgehen, dass Greenland Energy einfach einen Fehler gemacht hat, doch was die Angelegenheit so heikel macht: Die Firma hat enge Verbindungen zu Donald Trump und der US-Regierung, weiss der britische «Guardian».
Der Vorstandsvorsitzende und Grossaktionär von Greenland Energy, Larry Swets, hat demnach einen engen Draht zum Umfeld des US-Präsidenten. Allerdings versichert Swets, das Ölprojekt habe «keinen Zusammenhang mit einer Annexion durch die USA».
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Greenland Energy hat laut «Guardian» jedoch einen früheren US-Marineoffizier engagiert, der zuvor für den Golden Dome mitverantwortlich war. Das ist das geplante Raketenabwehrsystem der US-Streitkräfte, für dessen Betrieb die Annexion von Grönland unerlässlich wäre, wie Trump gesagt hat.
«Hello, Greenland»: Trump legt nach
Weiter hält der «Guardian» fest, dass Greenland Energy zudem Phil McGraw alias Dr. Phil angeheuert hat: Der konservative TV-Star, der Teil der Kommission für religiöse Freiheiten der US-Regierung ist, soll eine Dokumentation über das Öl-Projekt drehen und «die Mission dieser modernen Ölspekulanten einfangen».
Dr. Phil McGraw (links) und US-Präsident Donald Trump kennen sich gut: Das Foto entstand am 1. Mai im Ort The Villages in Florida.
FR121174 AP
Noch im Juni hat Greenland Energy mitgeteilt, dass man eine Genehmigung für den Transport des Baumaterials habe. Doch nun muss der Vorsitzende der Firma zurückrudern: «Unsere Begeisterung für das Projekt hat dazu geführt, dass wir uns so ausgedrückt haben, dass es zu Verwirrung kam», zitiert der «Guardian» Larry Swets.
Donald Trump trägt nicht gerade dazu bei, die «Verwirrung» aufzuklären: Am Tag nach der Warnung spricht der US-Präsident im Telefonat mit dem rechten US-Sender Real America’s Voice über die Causa. Der 80-Jährige sagt, Grönland werde bis zum Ende seiner Amtszeit in US-Hand sein. «Sie können tatsächlich darauf wetten», tönt er.
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Zwei Tage nach diesem Interview postet Trump ein sonderbares KI-Video, das mit «Hallo, Grönland!» überschrieben ist: Ein übergrosser US-Präsident pickt sich dabei offenbar die Rosinen der Insel heraus. Klar ist: Das Weisse Haus hält in dieser brisanten Frage den Druck hoch. Die Insel-Regierung, Dänemark als ihr internationaler Vertreter und die EU müssen es aushalten.
«Denkt nicht einmal daran»
«Niemand soll glauben, Trump hätte den Plan, Grönland zu übernehmen, aufgegeben», kommentiert der irische Politologe John O’Brennan auf X. «Das ist der jüngste Akt der Gesetzlosigkeit, den seine Gefolgsleute gerade begehen. Europa: Ihr steht kurz vor einer schweren Bewährungsprobe.»
«Hat Trumps Invasion Grönlands schon begonnen?», fragt Kenneth Roth, Ex-Chef der NGO Human Rights Watch. Historikerin Ruth Ben-Ghiat ergänzt: «Invasionen fangen oft mit ‹technischen› Projekten an, die die Anwesenheit von Agenten und ‹technischen Experten› rechtfertigen, die gleichzeitig ausspähen und Vorbereitungen treffen.»
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Jessica Berlin von der Brüsseler Denkfabrik Center for European Policy Analysis warnt Grönland und Dänemark auf X: «Denkt nicht einmal daran, das zuzulassen. Wenn ihr ihnen einen Finger gebt, nehmen sie die ganze Hand. Schmeisst sie sofort raus oder findet euch damit ab, dass ihr gerade die Schleusen geöffnet habt.»
Trump gegenüber dürfe man keine Schwäche zeigen – analog zu Wladimir Putin.
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