Darum geht’s
- Seit seiner Entlassung beim FC Basel Ende Januar ist Ludovic Magnin ohne Klub.
- Er geniesst die Zeit mit seiner Familie und wartet bewusst auf einen Klub, der hundertprozentig zu ihm passt.
- Die Entlassung habe ihn geschmerzt, so Magnin. Trotzdem will der 47-Jährige unbedingt Trainer bleiben. Hier verrät er, warum ein Wechsel in seinen erlernten Lehrerberuf derzeit kein Thema ist.
Ludovic Magnin hat mehr Zeit als ihm lieb ist. Seit Ende Januar und seinem Rauswurf beim FC Basel ist er ein Fussballtrainer ohne Klub. blue Sport hat sich mit dem charismatischen Ex-Nati-Star auf einer Wanderung auf der Alp Palfries im Seeztal unterhalten. Über den seine Entlassung beim FC Basel, den Trainerjob, die Liga und seinen erlernten Lehrerberuf.
Ludovic Magnin, seit Ende Januar bist du ohne Klub. Was machst du so, wenn du nicht gerade mit mir wandern gehst?
Vieles. In den ersten Wochen habe ich erst einmal nur das Leben genossen. Zuletzt war ich viel mit dem E-Bike unterwegs, war oft wandern und habe die Zeit mit meiner Familie genossen. Das ist schon Lebensqualität. Als Trainer ist abschalten nur schwer möglich. Du machst dir quasi pausenlos Gedanken und musst auch immer erreichbar sein für den Sportchef oder den Präsidenten.
War es für deine Frau Chantale nicht schwierig, als du plötzlich so viel zuhause warst?
So schlimm kann es bis jetzt nicht gewesen sein. Denn immer wenn meine Frau danach gefragt wurde, hat sie geantwortet, dass sie es sich eigentlich schlimmer vorgestellt hätte. Das hat mich gefreut. Doch zuletzt gab sie mir schon zu verstehen, dass es nun wieder Zeit wäre, zu arbeiten.
Bist du auch bereit für einen Klub?
Ich wäre schon sofort nach meiner Entlassung beim FCB bereit gewesen. Die Situation ist anders als nach meiner Entlassung beim FCZ. Da habe ich zuvor jahrelang als Trainer gearbeitet und brauchte Zeit, um Energie zu tanken. Jetzt waren meine Batterien voll.
Und warum bist du noch ohne Klub?
Ich habe nicht den Drang gespürt, etwas anzunehmen, das nicht hundertprozentig zu mir passt. Aber in den letzten Wochen habe ich mich schon intensiver auf meine Rückkehr vorbereitet. Ich habe viele Spiele geschaut und mich mit vielen anderen Trainern ausgetauscht.
Was ist das für ein Luxus, wenn man wählerisch sein und auf ein passendes Angebot warten kann?
Es ist sicher ein Vorteil, eine gewisse finanzielle Sicherheit zu haben und auch Nein sagen zu können. Aber es kann auch gefährlich sein, wenn man zu wählerisch ist. Es besteht die Gefahr, Chancen zu verpassen, die du in ein paar Monaten nicht mehr haben wirst.
Nach deiner Entlassung beim FCB bist du wieder ins Rheintal gezogen.
Schon nachdem ich beim FCZ entlassen wurde, hat meine Familie ihren Lebensmittelpunkt ins Rheintal verlegt. Hier kommt meine Frau her, hier haben wir schon ein Haus gebaut, als ich noch beim VfB Stuttgart spielte. Das war immer so geplant. Ich glaube, eine gewisse Stabilität tut einer Familie gut. Ansonsten müssten wir mit unserem verrückten Trainer-Job alle paar Monate den Wohnort wechseln.
Nach gut einem halben Jahr war dein Abenteuer beim FCB bereits vorbei. Wie weh hat die Entlassung getan?
Ich habe die Entlassung nicht verstanden. Ich hatte das Gefühl, dass ich meine Arbeit nicht fertigbringen konnte, deswegen war der Abgang auch so schmerzhaft. Aber das ist Teil des Business. Und doch ist es auffallend, wie wenig Zeit man als Trainer bei einzelnen Klubs mittlerweile bekommt. Jürgen Klopp zum Beispiel hat den ersten Titel mit Liverpool erst nach vier Jahren gewonnen. Aber hier gilt dasselbe, was ich immer zu meinen Spielern sage: Man muss nicht alles verstehen, man muss es akzeptieren.»
Du wirkst sehr entspannt. Bist du sicher, dass du dir den Trainerjob nochmals antun willst?
Klar. Der Fussball fehlt mir. Ich vermisse die Kabine und ich möchte wieder jeden Tag auf dem Platz stehen.
Du bist 47 und könntest dir auch etwas mit weniger Stress und Druck suchen. Hast du dir das noch nie überlegt?
Natürlich. Wie jeder Mensch habe auch ich mich schon gefragt, ob ich mal noch etwas ganz anderes machen und irgendwo quer einsteigen will. Aber das ist derzeit überhaupt kein Thema.
Als ausgebildeter Lehrer wärst du kein Quereinsteiger. Es herrscht Lehrermangel in der Schweiz. Wäre das nichts für dich?
Eher weniger. Ich habe meine Lehrer-Ausbildung vor rund 25 Jahren abgeschlossen. Die Anforderungen und Ansprüche an Lehrer und Lehrerinnen haben sich seither total verändert – der Beruf hat sich weiterentwickelt. Ich bin sicher nicht mehr auf dem aktuellen Stand, das würde ich mir nicht zutrauen.
Und was ist mit 13 Wochen Ferien im Jahr?
Die haben die Lehrerinnen und Lehrer sicher verdient. Ich glaube, viele haben eine falsche Vorstellung vom Lehrerjob. Obwohl du als Fussballtrainer stets in der Öffentlichkeit stehst und all deine Entscheidungen kommentiert werden, denke ich, dass der Lehrerjob anstrengender ist. Ich habe den grössten Respekt vor allen Lehrerinnen und Lehrern.
Bleiben wir also im Fussballbusiness. Nach deiner Entlassung beim FCZ warst du kurzfristig Experte bei blue Sport. Kannst du dir das vorstellen?
In Zukunft sicher. Aber im Moment will ich als Trainer arbeiten. Es ist das, was mir derzeit am meisten Spass macht.
Trotzdem noch zwei Fragen an den Fussball-Experten Magnin. Wer ist der Topfavorit auf den Meistertitel?
In der letzten Saison hat man gesehen, dass es auch ganz anders kommen kann, als alle gedacht haben. Aber wenn man sich die ersten Spiele anschaut, muss man YB, Basel und Lugano favorisieren. Sion und St. Gallen konnten auch überzeugen. Die Doppel- oder Dreifachbelastungen könnten entscheidend sein. Diese fünf Teams sehe ich ganz sicher in den Top 6.
Das sind ein wenig viele Topfavoriten …
Also gut: Müsste ich wetten, würde ich auf YB und Basel setzen.
Und wer steigt ab?
Da sehe ich ein paar Vereine, die gegen den Abstieg werden kämpfen müssen. Aber ich sehe kein Team, welches abgeschlagen Letzter wird. Vaduz, Thun, GC und der FCZ dürften am Tabellenende stehen. Vielleicht erwischt eines dieser Teams aber auch eine positive Spirale und schafft’s gar auf Rang 6 und in die Meisterrunde.
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