Trockenheit in der Schweiz
In vielen Kantonen wird es voraussichtlich kein Feuerwerk und keine Höhenfeuer geben am 1. August.
Thomas Padilla/AP/dpa
Darum geht’s
- Wegen der anhaltenden Trockenheit fordert ein Aargauer Feuerwehrmann ein Feuer- und Feuerwerksverbot für den 1. August. Die Feuerwehr-Koordination Schweiz hält die Forderung für nachvollziehbar.
- In weiten Teilen der Schweiz ist die Waldbrandgefahr gross bis sehr gross. Mehrere Kantone haben bereits ein absolutes Feuerverbot erlassen, weitere Verschärfungen sind möglich.
- Gewitter bringen laut Meteo Schweiz kaum Entlastung. Für eine nachhaltige Entspannung der Lage wäre langanhaltender Regen nötig.
«Hey Kanton Aargau, es wäre höchste Zeit, im Zuge des 1.8. frühzeitig ein absolutes Feuer- und Feuerwerksverbot zu erlassen!», schrieb letzte Woche ein Feuerwehrmann aus dem Fricktal auf der Plattform X. «Die ‹Entspannung› diese Woche wird die Brandgefahr nicht merklich senken.»
Im Aargau gilt momentan ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe, jedoch kein absolutes Feuerverbot. «Könnte ich entscheiden, hätte ich das generelle Feuerverbot inklusive Feuerwerksverbot schon längst ausgesprochen», sagt der Feuerwehrmann zur «Aargauer Zeitung».
Wie ist die Lage in der Schweiz?
Nach der langen Hitzeperiode herrscht im grössten Teil der Schweiz sehr grosse (dunkelrot) bis grosse (rot) Waldbrandgefahr, wie ein Blick auf die Gefahrenkarte des Bundes zeigt. Einzig in kleinen Teilen des Tessins, Graubündens und des Kantons Bern wird die Gefahr als erheblich (orange) oder mässig (gelb) angegeben.
Welche Regeln gelten zurzeit in den Kantonen?
Die Massnahmenkarte des Bundesamts für Umwelt auf Kantonsebene. Hellgrau: keine Massnahmen, hellblau: Mahnung, dunkelgrau: Feuerverbot in Waldesnähe, grau schraffiert: absolutes Feuerverbot.
Bundesamt für Umwelt BAFU
Die Kantone sind zuständig für das Ergreifen von Massnahmen. Die kantonalen Vorschriften sind massgebend, wie das Bundesamt für Umwelt schreibt. Einzelne Gemeinden können die Massnahmen auf ihrem Gebiet verschärfen, abschwächen jedoch nicht.
In den Kantonen Freiburg, Glarus, Neuenburg, Tessin, Uri, Waadt und Wallis gilt ein flächendeckendes absolutes Feuerverbot (grau schraffiert). Es ist generell kein Feuer im Freien erlaubt. Dazu zählt auch Feuerwerk. Ein absolutes Feuerverbot gilt auch für Teile Graubündens, wobei hier für gewisse Regionen bisher gar keine Massnahmen beschlossen wurden (hellgrau).
Für alle anderen Kantone, darunter dem vom Feuerwehrmann kritisierten Aargau, gilt ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe (dunkelgrau). Nur fürs Berner Oberland gilt lediglich eine Mahnung zum sorgfältigen Umgang mit Feuer in Wald und Waldesnähe (hellblau).
Einzelne Gemeinden haben diese Regelungen aber eigenständig verschärft. So hat beispielsweise die Stadt Zürich auf ihrem Gebiet ein absolutes Feuerverbot ausgesprochen.
Wie kann sich die Lage entschärfen?
Gewitter, wie sie vergangene Woche über Teile des Landes ziehen, nützen kaum gegen die Trockenheit. «Diese sind Tropfen auf den heissen Stein», sagt Meteorologe Roger Perret von Meteo News auf Anfrage von blue News. «Es müsste langanhaltend über Stunden oder besser Tage regnen, damit das Wasser wirklich in den Boden eindringen kann.» So eine Wetterlage sei im Sommer aber selten geworden und zeichne sich in nächster Zeit auch nicht ab. Deshalb werde uns die Trockenheit wohl noch länger begleiten, so der Meteorologe.
Welche Voraussagen für den 1. August können schon jetzt getroffen werden?
Seriöse Wettervorhersagen, die mehr als fünf bis sieben Tage in die Zukunft gehen, gibt es laut dem Meteorologen nicht. Was man sagen könne, sei, dass es nächste Woche kaum Schauer und Gewitter geben wird und sicher keinen langanhaltenden Regen, wie er gegen die Trockenheit nötig wäre.
«Aber was in der Woche vor dem ersten August passiert, können wir noch nicht sagen», so Roger Perret. Es könne sein, dass es auch dann relativ trocken bleibt. «Das Risiko für ein Feuerverbot am ersten August ist also gross.»
Was sagen andere Feuerwehren?
«Wenn die Situation am 1. August noch gleich ist wie jetzt, wäre ein absolutes Feuerverbot in den Kantonen eine Entlastung für die Feuerwehren», sagt Petra Prévôt auf Anfrage von blue News. Sie ist Generalsekretärin der Feuerwehr-Koordination Schweiz (FKS). Die FKS vertritt die Feuerwehren aller 26 Kantone und ist Ansprechstelle für nationale Feuerwehrfragen. Prévôt findet die Forderung des Aargauer Feuerwehrmanns nach einem absoluten Feuer- und Feuerwerksverbot aufgrund der momentanen Lage nachvollziehbar.
«Im Wald ist es aktuell dermassen trocken, dass die Bäume bereits auf Herbst umstellen und die Blätter abwerfen», so Prévôt. «Natürlich besteht da Gefahr, wenn ein Feuerwerkskörper im Wald landet.» Prinzipiell müssten die Regeln nicht nur am Ort der Zündung des Feuerwerks eingehalten werden, sondern auch am Wirkungsort, also dort, wo die Funken oder brennende und heisse Teile potenziell niedergehen könnten.
Wie viele Brände gibt es durch Feuerwerk in der Schweiz?
Laut FKS kommt es pro Jahr in der Schweiz zu etwa 120 Bränden, die durch Feuerwerk verursacht wurden. Im Vergleich mit der Anzahl aller Brände sei diese Zahl klein, so Prévôt. «Meist handelt es sich um kleinere Brände, zum Beispiel von Briefkästen oder Abfalleimern.»
Wer haftet für einen Brand?
Wer trotz Verbot zeuselt, muss unter Umständen tief in die Tasche greifen. Laut dem Ratgebermagazin «Beobachter» wird bei jedem Brand eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Wird in dieser ein Verantwortlicher oder eine Verantwortliche gefunden, der oder die mutwillig oder fahrlässig gehandelt hat, muss diese Person die Kosten übernehmen. Wer trotz eines Feuerverbots ein Feuer entfacht und damit einen Brand verursacht, muss damit rechnen, dass dies als fahrlässiges Verhalten gewertet wird.
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