Die Vorwürfe gegen Jared Leto sind nicht neu – doch passiert ist bisher nichts


Darum geht’s

  • Musiker und Schauspieler Jared Leto steht wegen schwerer Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens in der Kritik.
  • In einer neuen BBC-Doku schildern mehrere Frauen, dass sie von Leto sexuell belästigt und bedrängt wurden. Viele von ihnen waren zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig.
  • Es sind nicht die ersten Vorwürfe gegen Leto. Seit Jahren wird immer wieder über sein angebliches Fehlverhalten gesprochen.
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Jared Leto ist Schauspieler, Oscar-Gewinner, Frontmann der Band «Thirty Seconds To Mars» und mutmasslicher Sexualstraftäter. Letzteres zeigt unter anderem die neue BBC-Doku «Jared Leto: Hollywood’s Dark Secret».

Darin erheben mehrere Frauen, von denen einige damals noch minderjährig waren, schwere Vorwürfe gegen ihn: Sie berichten von sexuellen Übergriffen, anzüglichen Anrufen und Nachrichten sowie davon, dass sie als unter 18-Jährige auf sein Drängen hin Sex mit Leto hatten.

Der BBC sind 120 Vorwürfe von mutmasslichem sexuellem Fehlverhalten des Schauspielers und Sängers bekannt.

Doch es ist nicht das erste Mal, dass Leto wegen solchen Vorwürfen in der Kritik steht. In der Vergangenheit gab es bereits mehrere Anschuldigungen gegen den heute 54-Jährigen.

Vorfälle gehen bis in die frühen 2000er-Jahre zurück

Beispielsweise veröffentlichte das Online-Magazin «Air Mail» im Juni 2025 einen Bericht mit dem Titel «The Cult of Leto». Neun Frauen warfen dem Schauspieler und Musiker darin sexuelles Fehlverhalten und Belästigung vor.

Wie in der BBC-Dokumentation gaben einige der betroffenen Frauen an, zum Zeitpunkt der Übergriffe minderjährig gewesen zu sein. Laut dem Bericht gehen die Vorfälle bis in die frühen 2000er-Jahre zurück.

Auslöser des Artikels soll DJ Allie Teilz gewesen sein. Sie zählt auch zu den neun Frauen, die Leto im «Air Mail»-Beitrag sexuellen Missbrauch vorwerfen.

Im Jahr 2012 postete sie auf Facebook: «Man ist erst dann wirklich in L.A., wenn Jared Leto versucht, einen backstage zu belästigen … im Kilt … und mit Schneemütze.»

Im April 2025 veröffentlicht Teilz ihren Beitrag aus dem Jahr 2012 nochmals, diesmal jedoch in ihrer Instagram-Story. Dazu schrieb sie: «Ich wurde mit 17 von diesem Widerling angegriffen und traumatisiert. Er wusste, wie alt ich war, und es war ihm egal.»

Sexuelle Gespräche mit einer Minderjährigen

Eine Frau berichtete dem Magazin, dass Leto sie 2006 angesprochen habe, als sie 16 Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt war er 34. Sie stand vor einem Café in Los Angeles, während Leto dort mit Schauspielerin Ashley Olsen (damals 19) sass. Laut ihrer Aussage griff er nach ihrem Arm.

«Ich schaute nach unten und es war Jared Leto», sagte sie. «Wir hatten ein kurzes Gespräch, und er bekam meine Nummer.» Einige Tage später habe er sie zu Hause angerufen: «Ich weiss nicht, ob er auf Drogen war oder was … Es war die seltsamste, widerlichste Stimme … Aber für mich war es eben Jared.»

Er habe sie zu einer Party in seinem Haus eingeladen. Sie lehnte ab und erklärt: «Ich hatte nicht einmal einen Führerschein.» Dennoch habe Leto sie weiterhin angerufen, «immer um ein, zwei oder drei Uhr morgens».

«Die Gespräche wurden dann sexuell. Er stellte Fragen wie: ‹Hattest du schon mal einen Freund? Hast du schon mal einen geblasen?›», so die Frau.

Schwere Vorwürfe weiterer Frauen

Das Model Laura La Rue schilderte im Artikel ein ähnliches Erlebnis. Sie sei 2008 im Alter von 16 Jahren auf einer Veranstaltung in einem Privathaus in Beverly Hills gewesen, wo Leto sie «sehr intensiv beobachtet» habe.

«Er fragte, wie alt ich bin. Ich sagte: ‹Ich bin 16. Wie alt bist du?›», berichtete La Rue. Leto, damals 36, habe sie anschliessend nach ihrer Nummer gefragt. Es habe sich ein E-Mail-Kontakt entwickelt, der schliesslich dazu führte, dass sie ihn im April 2009 zu Hause besuchte.

«Ich erinnere mich, dass er mich die ganze Zeit aufzog», sagte sie. «Er flirtete mit mir, beugte sich nah zu mir, zog sich dann wieder zurück, als wäre es ein Spiel.»

Ein Sprecher Letos erklärte gegenüber «Air Mail», die Kommunikation habe «nichts Sexuelles oder Unangemessenes» enthalten. Zudem habe sich La Rue später als persönliche Assistentin bei Leto beworben, was belege, dass es nichts Unangemessenes gegeben habe. Laut «Air Mail» bestreitet La Rue, sich jemals auf eine solche Stelle beworben zu haben.

Bei einem weiteren Treffen sei Leto, so La Rue, nackt aus einem Raum gekommen, als sie 17 war. «Er kam einfach raus, komplett nackt, als wäre das normal … Ich dachte, so verhalten sich erwachsene Männer vielleicht», sagte sie.

Leto weist die Vorwürfe zurück

Eine weitere Frau berichtete, sie habe als Minderjährige begonnen, mit Leto zu schreiben. Bei Besuchen in seinem Haus habe er ihr unangemessene Fragen gestellt, etwa: «Ficken dich die kleinen Jungs, mit denen du rumhängst?»

Sie fügte hinzu, dass Leto, als sie 18 war, «plötzlich seinen Penis herauszog und anfing zu masturbieren». «Dann kam er zu mir, nahm meine Hand und legte sie auf ihn. Er beugte sich vor und sagte: ‹Ich will, dass du darauf spuckst›», berichtete sie.

Leto weist sämtliche Vorwürfe zurück. In keinem der oben geschilderten Fälle liegt bislang eine rechtskräftige Verurteilung vor, es gilt deshalb die Unschuldsvermutung.

Letos Verhalten ist nichts Neues

Einer der ersten Artikel, in dem Letos Fehlverhalten thematisiert wird, erschien bereits im Jahr 2005 in der «New York Post». Darin steht, dass Leto vor allem auf «junge Frauen steht». Er soll in New York gezielt minderjährige Models angesprochen, ihnen geschrieben und sie zu seinen Shows eingeladen haben, wie mehrere anonyme Quellen damals der Zeitung sagten.

Im Jahr 2014 berichtete «Celebitchy», ein Promi-Blog, über einen Vorfall zwischen Leto und einer ehemaligen Stripperin. Sie soll dem «Star Magazin» damals erzählt haben, dass Leto sie am Hals gepackt haben soll, während sie seinem Bruder einen Lapdance gab.

«Als ich anfing, für Shannon zu tanzen, packte Jared mich plötzlich von hinten am Hals und sagte: ‹Ich kann in 30 Sekunden pure sexuelle Befriedigung erreichen, nur indem ich dir in die Augen schaue.› Offensichtlich war das eine ziemlich seltsame Situation», sagte sie damals.

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Auch in Promi-Kreisen scheint Letos Vorliebe für sehr junge Frauen und minderjährige Mädchen kein Geheimnis gewesen zu sein. 2018 veröffentlichte Schauspieler Dylan Sprouse auf X einen Beitrag mit den Worten: «Yo @JaredLeto, jetzt wo du allen weiblichen Models zwischen 18–25 in die DMs geslidet bist, wie hoch ist deine Erfolgschance bisher?»

Regisseur James Gunn antwortete damals auf den Beitrag von Sprouse mit: «Er beginnt bei 18 im Netz?» Der Kommentar wurde inzwischen gelöscht.

Verstörende Geschenke am Set

Unabhängig von den Vorwürfen der sexuellen Übergriffe tauchten in der Vergangenheit auch immer wieder Berichte über ungewöhnliche oder grenzüberschreitende Aktionen des Schauspielers auf. Vor allem im Zusammenhang mit seiner Joker-Rolle in «Suicide Squad» (2016).

Er soll sich extrem in die Joker-Rolle vertieft und am Set Kolleg*innen verstörende «Geschenke» gemacht haben. Wie Co-Star Adam Beach gegenüber «E! News» berichtet, schickte Leto unter anderem Margot Robbie eine Liebesbotschaft, zusammen mit einer schwarzen Box, in der sich eine lebende Ratte befand.

Auch Will Smith erhielt ein ungewöhnliches Präsent: Patronen, ebenfalls begleitet von einem Brief. Doch damit nicht genug: Laut Beach soll Leto dem Cast zusätzlich ein totes Schwein geschickt haben.

«Mars Island»

Und dann war da noch «Mars Island» im Jahr 2019: ein dreitägiges Fan-Retreat, organisiert von Thirty Seconds to Mars, bei dem Frontmann Jared Leto selbst vor Ort war. Medien und Teilnehmende beschrieben das spirituell angehauchte Event – für das Fans mehrere tausend Dollar zahlten, um in weissen Gewändern gemeinsam mit Leto zu meditieren – teils als kultähnlich.

Tatsächlich spricht Leto bereits seit mindestens 2013 selbst von einem «Kult», wenn er die Fangemeinde seiner Band meint. Die Anhängerinnen und Anhänger nennen sich «Echelon».

Spätestens seit 2015 inszeniert Leto bei den «Mars Island»-Events eine Ästhetik, die stark an sektenartige Strukturen erinnert. Nicht zuletzt durch visuelle und inhaltliche Parallelen zur «Source Family», einer spirituellen Kommune rund um Guru Father Yod im Los Angeles der 1970er-Jahre, die zeitweise selbst als Sekte galt.

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Trotz der zahlreichen Anschuldigungen, die Jared Leto seit Jahren begleiten, läuft es für ihn weiterhin bemerkenswert gut. 2025 stand er als Hauptdarsteller im Disney-Film «Tron: Ares» vor der Kamera, 2026 verkörpert er Skeletor in «Masters of the Universe».

Zudem bleibt er ein gern gesehener Gast auf den grössten Bühnen – etwa an der Met Gala – und im kommenden Jahr geht er mit seiner Band erneut auf grosse Tour. Von einem Karriereknick kann also keine Rede sein. So viel zur oft bemühten These, «falsche» Anschuldigungen könnten ein Leben zerstören.


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