Darum geht’s
- Die Street Parade ist kostenlos für Besucher*innen, die Organisation kostet aber rund 4,8 Millionen Franken.
- Finanziert wird der Anlass unter anderem durch Sponsoren, Standgebühren und freiwillige Ticketkäufe.
- Ein grosser Teil des Budgets fliesst in Sicherheit, Infrastruktur und Reinigung. Allein für die Abfallentsorgung fallen jährlich rund 250’000 Franken an.
- Von der Street Parade profitieren vor allem Hotels, Gastronomie und Detailhändler.
- Andere Geschäfte entlang der Strecke verzeichnen dagegen oft Umsatzeinbussen oder bleiben geschlossen.
Wenn am Samstag Hunderttausende Menschen rund um das Zürcher Seebecken feiern, denkt viele nicht ans Geld.
Dabei kostet der Grossanlass Millionen. Die Organisator*innen müssen für Sicherheit, Bühnen, Toiletten, Reinigung und Infrastruktur aufkommen. Gleichzeitig profitieren Hotels, Bars, Restaurants und Detailhändler vom Besucheransturm. Doch nicht alle machen an diesem Wochenende ein gutes Geschäft.
Fast fünf Millionen Franken für einen einzigen Tag
Die Street Parade ist zwar gratis, aber keineswegs kostenlos. Offiziell ist der Anlass als Demonstration angemeldet. Das bedeutet, ein Ticket muss nicht gekauft werden. Die Veranstaltenden müssen dennoch tief in die Tasche greifen, um den Anlass überhaupt regelkonform zu stemmen. Laut Swissinfo waren 2025 rund 4,8 Millionen Franken nötig, damit der Anlass reibungslos verläuft.
Dieses Budget umfasst unter anderem den Bau der Bühnen, die Technik, die Stromversorgung, die Sicherheitsmassnahmen, Sanität, Toiletten, Reinigung sowie die gesamte Organisation.
Die DJs erhalten für ihre Auftritte keine Gage. Das sei seit Jahren Teil des Konzepts, schreiben die Organisator*innen auf der Street-Parade-Webseite.
Sicherheit kostet Hunderttausende Franken
Ein erheblicher Teil des Budgets fliesst in die Sicherheit. Neben privaten Sicherheitsdiensten sind auch Stadtpolizei, Kantonspolizei sowie Schutz und Rettung Zürich mit einem Grossaufgebot im Einsatz. Auf Anfrage von blue News erklären die Veranstalter*innen der Street Parade: «Für die Sicherheit müssen wir Kosten von 350’000 Franken decken.»
Allein Schutz und Rettung Zürich stellte 2025 laut ihrer Webseite für die Street Parade zusätzlich rund 400 Mitarbeitende bereit. Dazu kommen sechs Sanitätsposten entlang der Route, 13 zusätzliche Rettungswagen, Notärzt*innen, Feuerwehr, Zivilschutz sowie Boote auf dem Zürichsee. Ziel ist es, trotz Hunderttausenden Besucherinnen und Besuchern jederzeit medizinische Hilfe leisten zu können.
Auch die Reinigung gehört zu den grössten Kostenpunkten. Rund 90 Tonnen Abfall fallen an der Street Parade an. Bereits in der Nacht nach der Parade beginnen zahlreiche Mitarbeitende mit der Entsorgung von Müll und Glasscherben, damit die Stadt am Sonntagmorgenwieder möglichst sauber daher kommt.
Besonders ärgerlich ist für die Organisator*innen die Abfallentsorgung. Laut der Organisation bezahlt der Verein dafür jedes Jahr rund 250’000 Franken.
Die Organisatoren kritisieren seit Längerem, dass viele Besucher ihre Getränke günstig bei umliegenden Detailhändlern kaufen und anschliessend auf dem Festgelände konsumieren und entsorgen. Die Grossverteiler würden zwar gute Umsätze erzielen, sich aber nicht an den Entsorgungskosten beteiligen.
«Wir können unsere Rechnungen nicht mehr bezahlen, wenn fremde Firmen uns mit Abfall fluten», sagte Street-Parade-Präsident Joel Meier nach der Parade 2025 gegenüber SRF.
Wer bezahlt die Street Parade?
Da der Eintritt kostenlos ist, muss sich der Verein Street Parade anders finanzieren. Ein wichtiger Teil des Geldes stammt von Sponsoren, Partnern und freiwilligen Unterstützungsbeiträgen. Zusätzlich verdienen die Veranstaltenden an den offiziellen Getränkeständen sowie an verschiedenen Lizenz- und Standgebühren.
Auf ihrer Website rufen sie Besucher*innen ausdrücklich dazu auf, Getränke an den offiziellen Verkaufsständen zu kaufen. «Indem du deine Getränke an den offiziellen Ständen kaufst, hilfst du mit, das Event zu finanzieren.»
Auch freiwillige Tickets sollen helfen, einen Teil der Kosten zu decken. Wer sich dazu entscheidet, kann auf der Homepage einen Betrag von 10, 20, 50 Franken überweisen. Auch ein Individueller Betrag kann eingegeben werden.
Detailhändler verdienen – beteiligen sich aber nicht an den Kosten
Für Supermärkte und Kioske rund um das Zürcher Seebecken ist die Street Parade einer der umsatzstärksten Tage des Jahres. Eine Halbliter-Wasserflasche, kann bis zu sechs Franken kosten. Viele Geschäfte räumen ihre Verkaufsflächen um und bieten zusätzliche Getränke und Snacks an.
Die Getränke von den Detailhändlern sind teuer. Die Street Parade verlangt eine Kostenbeteiligung bei der Veranstaltung.
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Das sorgt jedoch für Kritik. Die Organisator*innen argumentieren, dass die Detailhändler von den Hunderttausenden Besucherinnen und Besuchern profitieren, sich aber nicht an den Kosten für Reinigung und Infrastruktur beteiligen. Wie das SRF dieses Jahr berichtete, finden bereits Gespräche statt. Coop, mit einer Filiale am Bahnhof Stadelhofen, bestätigt dem SRF Verhandlungen, an denen auch die Stadt Zürich beteiligt war. Eine finanzielle Beteiligung gibt es bisher aber nicht.
Hotels und Gastronomie profitieren
Laut einer unabhängigen Studie der Zürcher Fachhochschule HWZ sorgt der Event für einen Umsatz von über 100 Millionen Franken in der Schweiz. Von den Besucherinnen und Besuchern profitieren zahlreiche Branchen. Rekordumsätze erzielen unter anderem Restaurants, Hotels, Lebensmittelgeschäfte, Taxis, Transportunternehmen, Clubs, Partyveranstalter, Boutiquen und weitere Detailhandelsbetriebe.
Zu den grossen Gewinnern gehören die Hotels. Viele Unterkünfte in Zürich sind rund um die Street Parade Wochen im Voraus ausgebucht oder erzielen deutlich höhere Zimmerpreise als an gewöhnlichen Sommerwochenenden.
Auch Restaurants, Bars, Imbissstände und Take-aways profitieren vom Besucheransturm. Besonders rund um Bellevue, Bahnhof Stadelhofen, Seefeld und die Innenstadt herrscht den ganzen Tag Hochbetrieb.
Zusätzlich verdienen zahlreiche bewilligte Markt- und Essensstände auf dem Festgelände. Für diese sind Bewilligungen der Stadt Zürich erforderlich.
Nicht alle Geschäfte machen ein gutes Geschäft
Während Bars, Kioske und Lebensmittelgeschäfte häufig Rekordumsätze erzielen, sieht die Situation für andere Branchen anders aus.
Dutzende Geschäfte schliessen wegen des Anlasses am Samstag.
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Modegeschäfte, Schmuckläden, Banken oder Dienstleistungsbetriebe entlang der Strecke schliessen teilweise ganz oder früher als üblich. Wegen der Absperrungen und der Menschenmassen lohnt sich ein regulärer Geschäftsbetrieb oft nicht. Hinzu kommen Sicherheitsüberlegungen und die erschwerte Erreichbarkeit für Kundinnen und Kunden.
Konkrete Zahlen zu den Umsatzeinbussen veröffentlichen die Stadt Zürich und die Geschäfte selber nicht. Wirtschaftsverbände und betroffene Geschäfte berichten jedoch regelmässig, dass der normale Verkauf an diesem Tag praktisch zum Erliegen kommt.
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