Abriss, Namensstreit, Millionenloch
Donald Trump will das Kennedy Center umbennenen.
Imago / bildmontage blue News
Darum geht’s
- Trumps Regierung argumentiert vor Gericht, das Kennedy Center müsse grundlegend renoviert werden – andernfalls könnte sogar ein Abriss nötig werden.
- Parallel kämpft Trump darum, seinen Namen dauerhaft am Gebäude zu verewigen, obwohl ein Gericht die Umbenennung für rechtswidrig erklärt hat.
- Interne Finanzdaten zeigen einen starken Einbruch bei Einnahmen, Spenden und Ticketverkäufen seit Trumps Übernahme.
Das Kennedy Center gehört zu den bekanntesten Kulturinstitutionen der USA und ist zugleich nationale Gedenkstätte für den 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy.
Seit Donald Trump die Kontrolle über das Haus übernommen hat, steht es jedoch im Zentrum eines politischen und juristischen Machtkampfs. blue News erklärt dir die wichtigsten Punkte.
Warum plötzlich sogar von Abriss die Rede ist
Der eigentliche Streit dreht sich um eine von Trump angeordnete Grossrenovierung des Kennedy Centers. Die Arbeiten sollen rund 250 Millionen Dollar kosten und das Gebäude für zwei Jahre schliessen. Ein Gericht hatte im Mai die Schliessung für Renovierungsarbeiten dann aber ebenso untersagt wie eine Namensänderung in «The Donald J. Trump and the John F. Kennedy Memorial Center for Performing Arts».
Nun hat das US-Justizministerium die Argumentation noch einmal deutlich verschärft. In einer Eingabe an ein Bundesgericht schreibt die Regierung, das Gebäude könne sich ohne umfassende Renovierung zu einer unsicheren und heruntergekommenen Struktur entwickeln. Im Extremfall müsse es dann «abgerissen» werden.
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Als mögliche Alternative wird sogar ein grosser Freiluft-Amphitheater-Bau am Potomac River erwähnt. Das Kennedy Center betont allerdings, es handle sich dabei lediglich um ein hypothetisches Szenario für den Fall, dass die Renovierung politisch oder juristisch blockiert werde.
Kritiker sehen darin trotzdem eine Drohkulisse. Der Anwalt der demokratischen Abgeordneten Joyce Beatty sprach von einer «nicht gerade subtilen Drohung», das Kennedy Center abzureissen, wenn Trump sich mit seinen Plänen nicht durchsetzen könne.
Was Trump selbst will – und warum sein Name so wichtig ist
Trump präsentiert sich seit seiner Übernahme des Kennedy Centers als Retter des Hauses. Seine Regierung verweist darauf, dass unter seiner Führung 257 Millionen Dollar vom Kongress für Reparaturen gesichert worden seien.
Der von Trump dominierte Verwaltungsrat will das trotz des oben erwähnten Gerichtsurteils auch sichtbar machen. Geplant ist eine neue Inschrift an der Fassade: «Restored and Renovated by President Donald J. Trump». Später könnte eine zweite Inschrift hinzukommen, wenn ein Fonds die Marke von 100 Millionen Dollar erreicht.
Genau dieser Namensstreit ist juristisch heikel. Ein Bundesrichter hatte im Mai entschieden, dass die Umbenennung des Kennedy Centers nach Trump gegen Bundesrecht verstösst, weil das Haus vom Kongress ausdrücklich John F. Kennedy gewidmet worden sei – und nur der Kongress könne daran etwas ändern.
Trumps Name wurde daraufhin wieder von der Fassade entfernt. Der von ihm kontrollierte Vorstand hält aber an einer neuen Form der Würdigung fest. Auch der Vorplatz soll nach Trump benannt werden.
Einnahmen und Spenden brechen ein
Während Trump und seine Verbündeten öffentlich von einer finanziellen Rettung des Kennedy Centers sprechen, zeigen interne Unterlagen ein deutlich anderes Bild.
Laut Dokumenten, die der «Washington Post» vorliegen, waren für das Geschäftsjahr 2026 rund 220 Millionen Dollar Einnahmen budgetiert. Ende Mai rechnete die Führung jedoch nur noch mit etwa 124 Millionen Dollar. Trotz massiver Sparmassnahmen drohte ein Defizit von rund 23 Millionen Dollar.
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Besonders deutlich ist der Rückgang bei Ticketverkäufen und Spenden. Bereits nach Trumps Übernahme gingen die Verkäufe zurück, nach der Umbenennung verschärfte sich der Einbruch nochmals. Intern sei von einem regelrechten Absturz gesprochen worden.
Das Kennedy Center bestreitet die Probleme nicht, macht dafür aber vor allem die frühere Führung verantwortlich. Diese habe jahrelang schlecht gewirtschaftet. Trumps Name habe dagegen neue Geldgeber angezogen und zusätzliche Mittel für die Renovierung gebracht.
Der Streit ist inzwischen zu einem Grundsatzkonflikt darüber geworden, wem das Kennedy Center eigentlich gehört – politisch, kulturell und symbolisch.
Trump hat nach seinem Amtsantritt zahlreiche Mitglieder des Verwaltungsrats ersetzt und sich selbst an die Spitze des Gremiums gesetzt. Gegner werfen ihm vor, eine nationale Kulturinstitution politisch umzubauen.
Die demokratische Abgeordnete Joyce Beatty argumentiert vor Gericht, die geplante zweijährige Schliessung könne auch dazu dienen, die schlechten Besucher- und Einnahmezahlen zu kaschieren. Laut internen Daten liegt das Kennedy Center bei den Einnahmen tatsächlich deutlich unter Plan.
Trump und seine Verbündeten weisen diese Sicht zurück. Das Weisse Haus erklärt, der Präsident stelle endlich die nötigen Mittel und die nötige Führung bereit, um das Kennedy Center zu modernisieren und wieder zu einer führenden Kulturstätte zu machen.
Der Konflikt dreht sich somit im Zentralen vor allem um Trumps Einfluss auf eine der wichtigsten Kulturinstitutionen der USA – und um die Frage, wie stark ein amtierender Präsident einer nationalen Gedenkstätte seinen eigenen Stempel aufdrücken darf.
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