Kiews Luft-Strategie erklärt


Sind Warenlager die neuen Raffinerien?

Greifen ukrainische Drohnen eigentlich nur noch russische Logistikzentren an? Wer ihre Ziele der letzten Tage ansieht, könnte zwar diesen Eindruck bekommen, doch Kiew achtet auch darauf, dass Moskau seine Raffinerie nicht wieder instand setzen kann.

Darum geht’s

  • Ukrainische Drohnen haben in der Nacht auf den 31. Juli Ziele angegriffen, die mehr als 1000 Kilometer von der Front entfernt liegen.
  • Raffinerien bleiben ein wichtiges Ziel ukrainischer Angriffe, weil Russland beschädigte Anlagen immer wieder repariert und in Betrieb nimmt.
  • Auch Logistikzentren geraten zunehmend ins Visier Kiews, da sie für den Onlinehandel und die Versorgung von Soldaten eine wichtige Rolle spielen.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Freitag, der 31. Juli, beginnt für den Kreml mit schlechten Nachrichten.

Wie in den Wochen zuvor haben ukrainische Drohnen schmerzhaften Schaden angerichtet: In ganz verschiedenen Regionen und tief ins Landesinnere sind sie vorgedrungen und sorgen dafür, dass sich der Himmel in Schwaden von dickem, schwarzem Rauch hüllt.

1: Wolgograd, 2: Selenodolsk, 3: Nischnekamsk, 4: Kaspijsk

1: Wolgograd, 2: Selenodolsk, 3: Nischnekamsk, 4: Kaspijsk

Google Earth

Während Wolgograd «nur» rund 460 Kilometer von der Front entfernt ist, liegen die Städte Selenodolsk und Nischnekamsk in der Republik Tatarstan in etwa 1000 Kilometer Entfernung von der Grenze zur Ukraine.

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte “Swisscom Werbung bei Dritten”, um diesen Inhalt anzuzeigen.

Auch über der Hafenstadt Kaspijsk in der Republik Dagestan am Kaspischen Meer taucht eine Drohne auf. Auch sie ist 1000 Kilometer weit geflogen – wenn sie die Strecke in gerader Luftlinie genommen hätte. Die tatsächlich zurückgelegte Strecke dürfte aber deutlich grösser sein.

Zum Einsatz kommt ein ukrainisches Leichtflugzeug vom Typ Aeroprakt A-22 Foxbat, das zur Drohne umgebaut worden ist. Auch im November 2024 war eine A-22 auf die Marinebasis in Kaspijsk losgelassen worden.

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte “Swisscom Werbung bei Dritten”, um diesen Inhalt anzuzeigen.

Am Kaspischen Meer ist möglicherweise der Hafen von Kaspijsk das Ziel, in dem auch einige Kriegsschiffe liegen. Genaue Schadensmeldungen liegen noch nicht vor.

Im Hafen von Kaspijsk liegen Kriegsschiffe (Mitte links), aber auch der Anleger für die kommerzielle Schifffahrt (oben rechts) oder die Helikopter-Basis (unten rechts) könnten das Ziel ukrainischer Drohnen sein.

Im Hafen von Kaspijsk liegen Kriegsschiffe (Mitte links), aber auch der Anleger für die kommerzielle Schifffahrt (oben rechts) oder die Helikopter-Basis (unten rechts) könnten das Ziel ukrainischer Drohnen sein.

Google Earth

Raffinerien und Logistikzentren

Was waren die anderen Ziele? In Nischnekamsk in Tartastan wurde die örtliche Raffinerie ins Visier genommen: Der Telegram-Kanal Astra berichtet von mehr als 30 Explosionen. Die Anlage war bis dato eine der wenigen in Russland, die noch bei 100 Prozent Leistung sind.

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte “Swisscom Werbung bei Dritten”, um diesen Inhalt anzuzeigen.

Hier liegt – weiterhin – ein Schwerpunkt von Kiews Luft-Kampagne: Die Schläge gegen Wladimir Putins Raffinerien müssen regelmässig wiederholt werden, um gegen die Reparaturen anzuarbeiten, die Russland unternimmt. Zwei Tage zuvor wurde beispielsweise auch die Raffinerie von Rjasan erneut attackiert – neben einem Lager der Firma Wildberries.

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte “Swisscom Werbung bei Dritten”, um diesen Inhalt anzuzeigen.

Wildberries ist ein Online-Händler und -Marktplatz: Beim aktuellen Angriff in Selenodolsk wurde der heimische Konkurrent Ozon ins Visier genommen. Ein Video zeigt, wie verängstigte Mitarbeiter das Lager verlassen, während im Hintergrund eine ukrainische Drohne einschlägt.

Dass der Angriff für Ozon nicht ganz unerwartet kommt, verrät dieses Bild eines Ozon-Lagers in Nischni Nowgorod, auf dessen Dach steht: «Das ist nicht Wildberries. Fliegt weiter.»

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte “Swisscom Werbung bei Dritten”, um diesen Inhalt anzuzeigen.

Die ganze Konsequenz von Kiews Luftschlägen zeigt sich dann im Angriff auf Wolgograd, wo einerseits ein Wildberries-Lager und andererseits die örtliche Raffinerie getroffen wurden – siehe Video ganz oben. Laut den ukrainischen Streitkräften ist dabei die Lukoil-Anlage, die zuvor bei einer Kapazität von rund 50 Prozent lief, «zerstört» worden.

Warum Wildberries?

Tatsächlich haben die grossen Warenlager von Wildberries oder Ozon als Ziele derzeit einen ähnlich hohen Status wie Russlands Raffinerien. Seit dem 18. Juli sind mindestens acht solcher Logistikzentren im ganzen Land attackiert worden. Sie haben insgesamt eine Fläche von angeblich 860’000 Quadratmetern, was 15,4 Prozent aller russischen Lager entspricht.

Diese Online-Händler sind insofern legitime Ziele, weil sie militärische Ausrüstung vertreiben. Sie verkaufen sanktionierte Elektronik, Navigationsgeräte und Chips, die für die Herstellung russischer Raketen und Drohnen benötigt werden.

Sie beliefern nicht nur die Industrie, sondern auch Soldaten oder deren Familien, die dort Schutzwesten, Funkgeräte, Wärmebildkameras, Drohnen und medizinische Ausrüstung beziehen. Gleichzeitig werden durch die Angriffe auf die Online-Wirtschaft nationale Lieferketten gesprengt, was die Produktion ausbremst.

Hunderte Millionen gehen in Rauch auf

Neben den Attacken am 31. Juli gab es auch am Vortag Angriffe auf Wildberries-Lager – dieses Mal in Pensa und der Region Udmurtien. Diese Orte liegen 600 und 1200 Kilometer von der Grenze entfernt.

Lage der Stadt Pensa (1) und der Region Udmurtien (2).

Lage der Stadt Pensa (1) und der Region Udmurtien (2).

Google Earth

Im folgenden Social-Media-Post vom Brand des Lagers in Pensa wird deutlich, dass sich Waren im Wert von Hunderten Millionen durch diese Angriffe am 30. Juli in Rauch auflösen.

In Sarapul in Udmurtien müssen Russen machtlos mitansehen, wie eine weitere ukrainische Drohne in das bereits brennende Wildberries-Lager einschlägt.

Weiteres Ziel ukrainischer Drohnenangriffe ist am 30. Juni der für die Logstik wichtige Hafen von Taman in Russland vis-à-vis der Krim, was …

… Auswirkungen bis in die Türkei hat, wo der Rauch des brennenden Öls bemerkt wird. Für Wildberries sind die Attacken verheerend: Das Unternehmen will nun angeblich Lagerhäuser in Kasachstan anmieten, wo die Ware geschützt ist. Auch Vater Staat soll der Firma helfen.

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte “Swisscom Werbung bei Dritten”, um diesen Inhalt anzuzeigen.

In die Röhre gucken dagegen jene Russinnen und Russen, die ihre Geschäfte über Wildberries gemacht haben: Sie verlieren nicht nur ihre Ware, sondern sind nun noch nicht mal mehr in der Lage, ihre Konten bei der Firma zu räumen und ihr Geld abzuziehen, klagt die blonde Frau im folgenden X-Post. Diese Auszahlung kann die Firma derzeit offenbar nicht leisten.

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte “Swisscom Werbung bei Dritten”, um diesen Inhalt anzuzeigen.