Neue Euro-Banknoten
So könnte der neue 20-Euro-Schein einmal aussehen: mit der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie auf der Vorderseite.
Screenshot EZB
Darum geht’s
- Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Euro-Banknoten nach 20 Jahren neu gestalten und lässt bis zum 21. September über zehn Entwürfe abstimmen.
- Zur Wahl stehen zwei Serien: «Europäische Kultur» mit berühmten Persönlichkeiten wie Marie Curie oder Beethoven und «Flüsse und Vögel» mit Naturmotiven und EU-Institutionen.
- Im Netz sorgt vor allem die geplante 20-Euro-Note mit Marie Curie für Kritik, nachdem Streamer sie abwertend kommentiert haben.
Nach 20 Jahren ist es Zeit für einen Wechsel: Die Euro-Banknoten sollen ein neues Design erhalten. Ende Juli präsentierte die Europäische Zentralbank (EZB) zehn Entwürfe für die künftigen Noten. Bis zum 21. September können Europäer*innen in einer Online-Umfrage für ihren Favoriten abstimmen.
«Es ist an der Zeit, mit einem neuen Design sicherzustellen, dass sich alle Europäerinnen und Europäer noch stärker mit den Euro-Banknoten identifizieren können», sagte Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, in einer Mitteilung.
Zugleich will die EZB die Scheine mit modernen Sicherheitsmerkmalen noch fälschungssicherer machen, ihre Erkennbarkeit und Zugänglichkeit für alle Menschen verbessern und bei der Produktion stärker auf ökologische Nachhaltigkeit achten.
Die Europäische Zentralbank hat Anfang 2025 die Motive für zwei mögliche Serien neuer Banknoten festgelegt: «Europäische Kultur» und «Flüsse und Vögel».
Gesichter und Symbole Europas
Mit dem Kultur-Thema rücken Persönlichkeiten in den Fokus, die Kunst, Musik, Wissenschaft und Literatur in Europa geprägt haben. Dazu zählen Opernsängerin Maria Callas auf dem Fünf-Euro-Schein, Komponist Ludwig van Beethoven auf der Zehn-Euro-Note und Physikerin und Chemikerin Marie Curie auf dem 20-Euro-Schein.
Auf der 50-Euro-Banknote wäre Schriftsteller Miguel de Cervantes zu sehen, auf den höheren Stückelungen Maler Leonardo da Vinci und Pazifistin und Schriftstellerin Bertha von Suttner.
Ende Juli präsentierte die EZB die Entwürfe für die neuen Euro-Noten.
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Die alternative Serie setzt auf die Natur. Jede Banknote zeigt eine europäische Vogelart in einer Flusslandschaft. Auf der Rückseite erscheinen die wichtigsten Institutionen der Europäischen Union.
Bahnbrechende Forschung und zwei Nobelpreise
Wie so oft bei neuen Banknoten haben alle eine Meinung dazu. Vor allem in den sozialen Medien werden die möglichen Motive genau unter die Lupe genommen, gelobt oder kritisiert. Besonders hart trifft es diesmal den 20-Euro-Schein mit Marie Curie.
Zur Erinnerung: Curie war eine polnisch-französische Physikerin und Chemikerin, die mit ihren bahnbrechenden Forschungen die Grundlagen der Radioaktivitätsforschung legte.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Pierre Curie entdeckte sie 1898 die Elemente Polonium und Radium, prägte den Begriff der Radioaktivität und wurde bis heute als einzige Person mit Nobelpreisen in zwei verschiedenen Naturwissenschaften (Physik und Chemie) ausgezeichnet.
Ihre Arbeit hatte weitreichende Folgen für die moderne Strahlentherapie, die Radiologie und die Nuklearmedizin.
Curie als «Hässlichkeit» bezeichnet
Doch darüber wird im Netz gar nicht gesprochen, sondern über ihr Aussehen. Ein deutscher Streamer, Marli, geht deswegen seit letzter Woche viral. In einem seiner Streams reagiert er nämlich auf die möglichen Noten und sagt über Curie: «Digga, wenn ihr diese Hässlichkeit auf meinen 20-Euro-Schein macht…» Zudem vergleicht er sie mit Vitalik Buterin, dem Gründer des Krypto-Unternehmens «Ethereum».
Seine Reaktion auf die Nobelpreisträgerin kommt online gar nicht gut an. Als Gegenreaktion posten Nutzerinnen und Nutzer Videos, in denen erklärt wird, wer Curie war und was sie in ihrem Leben erreicht hat. Ausserdem betonen sie, wie unfair es ist, sie auf ihr Äusseres zu reduzieren.
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Auch Marli äussert sich wenig später in einem Stream zu Curie und seiner Reaktion darauf. Er sagt, er habe gedacht, Marie Curie sei auf dem Hunderter- und nicht auf dem Zwanziger-Schein abgebildet. Auf dem Hunderter ist Leonardo da Vinci zu sehen. Zudem habe er ja auch den Fünf-Euro-Schein mit einer Frau abgebildet, also mit Maria Callas, gelobt. Beim Zwanziger habe er schliesslich «einen Witz gemacht», sagt er.
«Was ihr aus einem Witz macht», sagt er im Stream. Er sagt auch, viele hätten ihm vorgeworfen, er habe gewusst, wer sie sei, aber extra so getan, als würde er sie nicht kennen, um sie auf ihr Äusseres zu reduzieren.
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Marli ist nicht der einzige deutsche Streamer, der sich abwertend über Curie geäussert hat. Auch Beraat tat dies. Er bezeichnete Curie als «ugly ass mega mind», auf Deutsch etwa «hässlicher Riesenkopf».
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Er entschuldigt sich später in einem Video für seine Aussage. «Es tut mir echt unnormal leid», sagt er im Tiktok-Video. «Ich wusste wirklich nicht, wer sie ist und dass sie zwei Nobelpreise gewonnen hat.» Mehr habe er nicht zu sagen, ausser dass er es «krass findet», dass er erstmals über Tiktok von Curie erfahre und nicht in der Schule oder anderswo, obwohl sie «so ein krasser Mensch ist», so Beraat.
Er räumt ein, dass er «scheisse gelabert» habe, sagt aber, er habe nicht vorgegeben, zu wissen, wer sie sei, um sie auf ihr Äusseres zu reduzieren.
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In den Kommentaren unter den Videos zeigen sich einige unzufrieden mit den «Entschuldigungen»: Die beiden würden sich darin lediglich dafür entschuldigen, Curie nicht erkannt zu haben, und nicht wirklich für ihre getätigte Aussage. Andere wiederum finden, man könne ihnen das kaum verübeln, da wohl nur wenige Curie auf Anhieb erkennen würden.
Noch sind die neuen Euro-Noten nur Entwürfe. Ob Marie Curie tatsächlich darauf zu sehen sein wird, bleibt abzuwarten. Das Ergebnis der öffentlichen Befragung zu den Motiven wird erst Ende 2026 erwartet, wenn die Abstimmung abgeschlossen ist.
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