Social Media aus Europa
Die Riesen aus den USA oder China sollen jetzt Konkurrenz aus Europa bekommen.
Alicia Windzio/dpa
Mit Wedium startet eine neue Social-Media-App aus Deutschland, die sich als europäische Alternative zu Tiktok und Instagram positioniert. Verifizierte Nutzer*innen, Datenschutz nach EU-Standards und ein «gesunder» Algorithmus sollen den Unterschied machen – doch ob das reicht, um gegen die etablierten Plattformen zu bestehen, ist fraglich.
Darum geht’s
- Wedium ist eine neue Social-Media-App aus Deutschland, die als europäische Alternative zu Tiktok und Instagram antritt – mit Fokus auf Datenschutz, verifizierte Nutzer*innen und weniger Suchtpotenzial.
- Die Gründungsmitglieder versprechen einen «gesunden» Algorithmus, mehr Sicherheit für Kinder und Jugendliche sowie eine faire Beteiligung von Creator*innen an den Werbeeinnahmen.
- Ob sich Wedium gegen Tiktok, Instagram und andere etablierte Plattformen durchsetzen kann, ist offen – Expert*innen sehen die Erfolgschancen bisher kritisch.
Seit Anfang August ist im deutschsprachigen Raum eine neue Social-Media-App verfügbar: Wedium. Der Name ist eine Mischung aus «we», also «wir» und «Medium». Angepriesen wird es als «das soziale soziale Netzwerk».
Die Gründungsmitglieder aus Berlin – vier Männer und eine Frau – wollen mit der App eine Alternative bieten zu Instagram und Tiktok. «Sei Teil einer neuen Generation von Social Media – nach europäischem Standard, für echte Menschen und um unsere Demokratie zu schützen!», schreiben sie auf ihrer Website. Was steckt dahinter?
Die Gründungsmitglieder geben die Amtseinführung des US-Präsidenten im Januar 2025 als Grund an. «Das Bild von Trumps Amtseinführung, bei der er die gesamte Tech-Elite hinter sich versammelte und Elon Musk seinen rechten Arm in die Höhe reckte, liess uns nicht mehr los», schreiben sie auf ihrer Website. «Mit den Tech Bros in der ersten Reihe wurde deutlich, dass Tiktok, Instagram, Facebook, Amazon und Co. keine neutralen Tech-Konzerne mehr sind, sondern als Monopole vom neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gestützt werden.»
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte “Swisscom Werbung bei Dritten”, um diesen Inhalt anzuzeigen.
Deshalb entschlossen sich die Gründerin und die Gründer, eine eigene Social-Media-Plattform nach ihren Vorstellungen und nach europäischen Rechtsstandards zu erstellen. Zurzeit ist Wedium in Deutschland, Österreich und der Schweiz zugänglich. Ab Herbst soll die App in ganz Europa zum Download bereitstehen.
Von vier Männern und einer Frau, die sich von der Arbeit bei einer Werbeagentur kennen. Sie sind «Eltern, Unternehmer, Angestellte, Programmierer, Designer, Medienschaffende, Medienexperten und Medienkonsumenten», wie sie selbst schreiben. Unterstützt und beraten werden sie unter anderem von einer Psychologin und Expertin für Kinder- und Jugendschutz, einem Juristen und einem Umweltschützer.
Laut eigenen Aussagen konnte das Team bisher drei Investoren an Bord holen.
Was soll besser sein als bei Instagram oder Tiktok?
Die Macherin und die Macher nennen auf ihrer Website drei Punkte:
1. Alle User*innen seien verifizierte, echte Menschen, also keine Bots und keine Fake-Accounts. Die App downloaden können alle. Wer jedoch posten oder kommentieren will, muss sich mit einem Ausweis verifizieren.
2. Die Daten und Privatsphäre der User*innen stehen laut Angaben von Wedium an erster Stelle. Wedium wird in Europa gehostet und unterliegt den gesetzlichen Regeln der Europäischen Union für den Schutz persönlicher Daten.
3. Faire Vergütung für Creator*innen, Medien und NGOs: 50 Prozent der Werbeeinnahmen sollen an alle Content-Produzent*innen ausbezahlt. Bisher wird jedoch noch keine Werbung geschaltet.
User*innen können festlegen, wie lange sie die App pro Tag nutzen wollen.
Screenshot Wedium
Minderjährige ab 13 Jahren sollen die Plattform nur gemeinsam mit ihren Eltern nutzen können. Dafür will Wedium in Zukunft Eltern-Kind-Accounts anbieten, mit denen Eltern bestimmen können, was im Feed zu sehen ist.
Ausserdem kann beim Download der App festgelegt werden, wie viel Zeit man pro Tag damit verbringen will. So soll endloses Doomscrolling verhindert werden. Darauf sei der Algorithmus auch gar nicht ausgelegt. «Unsere Algorithmen sind zwar Interessen-basiert, aber ‹gesund›. Sie pushen weder Extreme, noch verzerren sie den Diskurs», steht auf der Website von Wedium.
Wie wirkt die App bisher?
Einige Nutzer*innen zeigen ihre selbstgemalten Vogelbilder, andere den Kaffee und das Brötchen vom Morgen oder das Büsi, das aus dem Fenster schaut. Vieles erinnert eher an die verwackelte Whatsapp-Story von älteren Verwandten als an Instagram oder Tiktok.
Dazwischen tauchen einige Videos auf, wie man sie vielleicht auch in manchen Ecken von Tiktok oder Instagram finden könnte – zum Beispiel eine Frau, die einem einfache Gebärdensprache beibringt, NGOs, die politische Themen erklären, oder Fotos von Travel-Influencern.
Immer wieder versucht die App sanft, einem vom Smartphone wegzulocken. Mit Textkacheln wie: «Du wolltest heute noch ins Gym. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt.» oder «Guter Scroll, Zeit für einen Stroll.» – Also Zeit für einen Spaziergang.
Mit solchen Botschaften versucht die App immer wieder, die User*innen dazu zu bringen, das Smartphone wegzulegen.
Screenshot Wedium
Auffällig häufig erscheinen im Feed und in den Kommentarspalten die Gründerin und die Gründer selbst – sie scheinen zu den aktivsten Nutzer*innen zu gehören. Die App möchte eine Alternative für Kinder und Jugendliche bieten – spricht momentan wohl aber grösstenteils Ältere an.
«Es ist ein sehr kuscheliges, nettes Netzwerk, das sich gegenseitig unterstützt», erzählt Mitgründer Johannes Meissner laut der «Berliner Morgenpost» beim offiziellen Start der App. Das mag stimmen. Sonderlich spannend ist das bis jetzt aber nicht.
In der Beta-Version, die ab März lief, registrierten sich erst 15’000 User*innen. Wie viele es jetzt, nach dem offiziellen Launch, sind, ist nicht bekannt. Das ehrgeizige Ziel der Gründerin und Gründer sind eine Million User*innen bis Ende Jahr.
Hat Wedium eine Chance gegen Tiktok und Co.?
Expert*innen sind skeptisch. «Solche ‹guten› Plattformen hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben – und leider sind sie schnell verschwunden», sagt Wolfgang Schweiger, Experte für Online-Kommunikation von der Universität Hohenheim, zur «Berliner Morgenpost».
Der Digitalexperte Gavin Karlmeier ergänzt: «Ich persönlich habe Zweifel daran, dass das Versprechen ‹Wie Tiktok, nur von hier und mit Mamas Einverständnis› oder noch schlimmer ‹Wie Tiktok, nur von hier – und Mama ist auch schon da!› den Status ‹cool› bei jungen Leuten gewinnen kann.»
5 Franken für diese Aussicht: Iseltwald zeigt Venedig, wie es geht
Ab nächstem Jahr zahlen Tagestourist*innen in Venedig 5 Euro Eintritt. Schon seit diesem Sommer lenkt Iseltwald am Brienzersee die Besucher mit einem Drehkreuz und einer Gebühr. Ein Augenschein vor Ort.
#Adessonews seleziona nella rete articoli di particolare interesse.
Se vuoi leggere l’articolo completo clicca sul seguente link






