Darum geht’s
- Am 12. August können die Menschen in Europa Zeugen einer Sonnenfinsternis werden, die in der Schweiz zumindest partiell zu beobachten ist.
- Während die totale Finsternis in Island und Spanien tausende Touristen lockt, begibt man sich auch hierzulande auf die Suche nach dem besten Beobachtungsort.
- Die wichtigsten Fakten und Hintergründe zum anstehenden astronomischen Grossereignis im Überblick.
Am Mittwochabend dürften Millionen von Augen gen Himmel gerichtet sein: Europa erwartet mit der anstehenden Sonnenfinsternis ein besonderes astronomisches Grossereignis, das für viel Aufregung, vorfreudige Touristen und manche Geschäftemacherei sorgt.
Während in Teilen Nord- und Südeuropas die Sonne komplett verschwindet, kann man in der Schweiz immerhin einer aussergewöhnlich starken partiellen Verfinsterung beiwohnen. Wann und wo man die beste Sicht hat und was sonst zu beachten ist, erklärt der Überblick.
Wann genau geht die Sonnenfinsternis los?
Das globale Spektakel beginnt am 12. August im hohen Norden: Die partielle Verfinsterung beginnt um 17.34 Uhr MESZ nahe den Aleuten-Inseln bei Alaska und endet um 21.58 Uhr im Atlantik südlich der Kapverden.
Der Kernschatten, der die Zone der totalen Finsternis bildet, berührt die Erde erstmals um 18.58 Uhr MESZ in der sibirischen Laptewsee. Von dort zieht der Totalitätspfad über das Nordpolarmeer, Grönland und den Nordatlantik nach Europa.
Um 20.26 Uhr trifft der Kernschatten an der nordspanischen Küste ein und erreicht um 20.31 Uhr Mallorca, bevor sein Pfad und damit die totale Sonnenfinsternis um 20.34 Uhr im westlichen Mittelmeer endet.
Wie sieht der Zeitplan für die Schweiz aus?
Exakt um 19.23 Uhr und 57 Sekunden soll der Mondschatten auf dem Hagen im Kanton Schaffhausen als Erstes auf Schweizer Boden treffen. Landesweit beginnt das Spektakel gegen 19.25 Uhr, der Höhepunkt wird je nach Standort zwischen 20.17 Uhr und 20.20 Uhr erreicht.
Das Ende lässt sich in der Schweiz nicht mehr am Himmel verfolgen: Die Sonne geht zwischen 20.40 Uhr und 20.50 Uhr im Westen unter, während der Mond sie noch immer teilweise verdeckt.
Hierzulande kann man eine partielle Sonnenfinsternis erleben; der Mond wird die Sonne zu 85 bis 90 Prozent, in der Westschweiz sogar bis zu 93 Prozent verdecken. Es ist die stärkste partielle Verfinsterung in der Schweiz seit 1999. Wer indes die totale Sonnenfinsternis erleben will, muss sich ausser Landes begeben.
Wo findet die totale Sonnenfinsternis statt?
Wer Augenzeuge der totalen Verfinsterung werden will, inklusive des Blicks auf die feurige Korona, der muss in die Totalitätszone reisen. Dabei stehen vor allem zwei Länder im Fokus.
In Island erreicht der Kernschatten um die späte Nachmittagszeit erstmals bewohntes Land, wobei die Sonne in der Region um Reykjavík und die Westfjorde mit rund 25 Grad noch vergleichsweise hoch über dem Horizont steht und sich die Landschaft für bis zu gut zwei Minuten vollständig verdunkelt. Vor der isländischen Westküste dauert die Totalität mit 2 Minuten und 18 Sekunden weltweit am längsten.
Im weiteren Verlauf rast der Mondschatten über den Nordatlantik und trifft um 20.26 Uhr MESZ an der spanischen Nordküste ein. Aufgrund des flachen Einfallswinkels zieht die Verfinsterung auf der Iberischen Halbinsel extrem zügig von Galicien über das Landesinnere bis zu den Balearen, wo sich kurz vor Tagesende für knapp zwei Minuten das Phänomen der tief stehenden «schwarzen Sonne» zeigt.
Wo kann man das Spektakel am besten sehen?
Tausende Touristen haben sich bereits in Richtung der Sonnenfinsternis-Hotspots auf den Weg gemacht. Wer spontan hinreisen will, hat die Wahl aus verschiedensten Orten.
In Spanien empfiehlt das Stilmagazin «Esquire» unter anderem Valencia (hervorragende Wetterchancen und mediterranes Flair), Bilbao (Kultur-Städtetrip am Guggenheim-Museum), A Coruña (Blick von der Atlantikküste oder beim historischen Herkulesturm), Oviedo (weniger Finsternis-Tourismus, grüne Kulisse) sowie Palma de Mallorca.
In Island liegen die Hauptstadt Reykjavík und die abgelegenen Westfjorde direkt in der Totalitätszone. Letztere locken mit unberührter Natur und null Lichtverschmutzung.
Grönland liegt zwar ebenfalls auf der Route, ist aber extrem abgelegen und eignet sich eher für Expeditionen. Eine Alternative können Kreuzfahrtschiffe im Nordatlantik bieten, die der Bewölkung flexibel ausweichen können.
Wo ist die Sicht hierzulande ideal?
Auch wenn es in der Schweiz «nur» eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen gibt, werden die meisten Einheimischen das Spektakel wohl hierzulande verfolgen. Um den besten Blick zu erhaschen, gilt es im Vorfeld einiges zu bedenken.
Da der Höhepunkt kurz vor Sonnenuntergang stattfindet, steht die Sonne extrem tief am West-Nordwest-Horizont (Richtungswinkel etwa 289 Grad), wie unter anderem «20 Minuten» betont. Eine freie Sicht nach West-Nordwest ist daher unbedingt erforderlich.
Ideale Voraussetzungen bieten Natur und Gewässer, insbesondere erhöhte Lagen oder östliche Seeufer mit freiem Blick nach Westen. Darunter zählen etwa der Seedamm bei Rapperswil am Zürichsee, das Ufer in Villeneuve am Genfersee oder die Promenade sowie der Zugerberg in Zug.
Zudem laden zahlreiche Schweizer Sternwarten zu Sonderveranstaltungen ein. In Bülach ZH gibt es freien Blick nach Westen und ein Gratis-Programm; die Sternwarte Schafmatt (AG/BL/SO) kombiniert Teleskop-Beobachtungen mit Verpflegung; auf dem Chäserrugg (SG) oder dem Chasseral (BE) lässt sich das Naturschauspiel mit einem Abendessen verbinden. Auch die Sternwarte François-Xavier Bagnoud in Saint-Luc VS und das Verkehrshaus Luzern bieten Spezialveranstaltungen an.
Wer den Blick an seinem Wunschort vorab testen möchte, kann dies etwa mithilfe von Smartphone-Apps wie Peakfinder oder Stellarium tun. Per Augmented Reality kann so geprüft werden, ob Häuser oder Bäume die tief stehende Sonne verdecken.
Wird auch das Wetter mitspielen?
Der beste Ort nützt natürlich wenig, wenn das Wetter nicht mitspielt und graue Wolken den Blick auf Sonne und Mond verdecken. Für die Schweiz sieht es allerdings aktuell gut aus. Laut «MeteoSchweiz» wird viel Sonne erwartet, vor allem im Mittelland dürfte die Sicht kaum verdeckt werden. In den Bergen, vor allem im Wallis und Tessin, können sich im Verlauf des Nachmittags jedoch Quellwolken bilden.
Schwieriger könnte es in manchen Regionen Spaniens werden: Nach Angaben des spanischen Wetterdiensts AEMET könnten im Bergland trotz hochsommerlicher Temperaturen lokale Wolken und Gewitter die Sicht einschränken. Auf Mallorca wird für den Mittwochabend dagegen wolkenloser Himmel erwartet – zudem tagsüber Hitze bis 40 Grad.
Hat man einmal den richtigen Ort gefunden, ist gute Vorbereitung alles. Schliesslich darf man die Sonnenfinsternis keineswegs mit blossem Auge betrachten. Ein direkter Blick in die Sonne ohne Spezialschutz ist extrem gefährlich, vor schweren Augenschäden wird eindringlich gewarnt.
Auch eine gewöhnliche Sonnenbrille reicht keinesfalls aus. Wie ein Experte des Universitätsspitals Zürich gegenüber «20 Minuten» erläutert, lässt die sichtbare Helligkeit bei einer Finsternis zwar nach, nicht jedoch die unsichtbare UV- und Infrarotstrahlung. Diese dringt ungehindert ins Auge ein und kann irreparable Netzhautschäden verursachen.
Auch behelfsmässige Mittel wie russgeschwärztes Glas, Alufolie, CDs oder optische Geräte ohne Spezialfilter dürfen niemals verwendet werden.
Benutzt werden dürfen nur zertifizierte Sonnenfinsternis-Brillen, die die Norm ISO 12312-2:2015 erfüllen und ein CE-Zeichen tragen, wie das Bundesamt für Gesundheit warnt.
An vielen Orten sind die notwendigen Brillen allerdings schon ausverkauft, der Run der Schweizerinnen und Schweizer scheint gross zu sein. So sei die Verfügbarkeit beim Onlinehändler Digitec Galaxus laut Anfrage nicht optimal. Es würden eigentlich drei geeignete Brillen im regulären Sortiment geführt – die beiden günstigeren Modelle seien derzeit aber ausverkauft, heisst es bei Digitec Galaxus. Nachschub gebe es erst gegen Ende des Monats.
Laut «Blick» könnte man bei der Suche nach einer Brille Glück haben bei Anbietern wie der Apotheke Benu oder in einzelnen Filialen von Fachhändlern wie Foto Vision Zumstein. Auch einige Optiker führen die sogenannen «SoFi»-Brillen
Wer leer ausgeht, kann das Spektakel an Veranstaltungsorten wie der Sternwarte Schaffhausen oder auf dem Chäserrugg verfolgen, wo Schutzbrillen direkt vor Ort an die Gäste abgegeben werden.
Was ist das Besondere an der Sonnenfinsternis?
Auch wenn hierzulande die beeindruckende Korona nicht zu sehen ist, nimmt ab etwa 50 Prozent Bedeckung das Tageslicht spürbar ab. Da die Sonne zur Sichel schrumpft, wirken Objektschatten auf dem Boden in einer Richtung ungewöhnlich scharfkantig.
Trotz des verbleibenden Sonnenlichts lässt sich zudem der Planet Venus als heller Punkt am Westhimmel entdecken.
Weitere Besonderheiten sind dem Zeitpunkt der Sonnenfinsternis geschuldet: Da das Abdeckungsmaximum etwa 30 Minuten vor dem Sonnenuntergang liegt, wird es nach 20.20 Uhr noch einmal ganz kurz etwas heller. Zudem folgt nach Sonnenuntergang ein weiteres kosmisches Spektakel: In der Nacht erreicht der Perseiden-Meteorstrom seinen Höhepunkt, sodass zahlreiche Sternschnuppen zu sehen sein werden.
Wie wird mit der Sonnenfinsternis Geld gemacht?
Während in der Schweiz Gastronomie und Bergbahnen Pakete schnüren, löst das Ereignis vor allem in Spanien einen kleinen wirtschaftlichen Boom aus. Wie unter anderem die «FAZ» berichtet, verlangen Hotels in der spanischen Provinz teils astronomische Summen.
In der Stadt Soria seien die Zimmerpreise von üblicherweise 100 Euro demnach auf bis zu 960 Euro (etwa 860 Franken) pro Nacht gestiegen; in Burgos verdoppelten bis vervierfachten sich die Kosten.
Selbst günstig gelegene Plätze mit Blick auf das Grossereignis finden anscheinend Interessenten: Laut «n-tv» verlangen Privatpersonen für Balkone mit freier Sicht auf den Sonnenuntergang bis zu 700 Euro (etwa 650 Franken).
Das Beratungsunternehmen AFI rechnet dem Sender zufolge mit einem zusätzlichen Wirtschaftsimpuls von 421 Millionen Euro (rund 393 Millionen Franken) für Spanien. Besonders strukturschwache, ländliche Regionen im Landesinneren («España vaciada») könnten demzufolge von ausgebuchten Campingplätzen und Vorausbuchungen in Restaurants profitieren.
Wann ist die nächste Sonnenfinsternis?
Wer das Himmelsspektakel verpasst, hat schon im nächsten Jahr erneut eine Chance. Allerdings mit etwas weniger spektakulären Eckdaten: Am 2. August 2027 gibt es wieder eine partielle Sonnenfinsternis in der Schweiz, allerdings wird die Sonne dann nur zu etwa 50 bis 55 Prozent verdeckt. Die Totalitätszone verläuft durch Südspanien und Nordafrika.
Wer eine totale Sonnenfinsternis in der Schweiz beobachten will, muss sich auf eine etwas längere Wartezeit einstellen: Erst in 55 Jahren, am 3. September 2081, ist das Himmelsspektakel hierzulande wieder in voller Pracht zu sehen.
Am Mittwoch verschwindet die Sonne – Warum es trotz 90 Prozent Bedeckung nicht dunkel wird
Am Mittwoch erlebt die Schweiz eine partielle Sonnenfinsternis. Warum gerade die letzten paar Prozent den gewaltigen Unterschied machen und warum Sonnenfinsternis-Fans für 2027 vor allem Ägypten auf dem Radar haben sollten.
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