Das sind die Tops
Andrea Kimi Antonelli (Mercedes)
Italien hat einen neuen Stern am Motorsport-Himmel. Der bald 20-Jährige aus Bologna, er feiert am 25. August Geburtstag, sorgt dafür, dass die Tifosi jubeln, auch wenn Ferrari nicht gewinnt. Und er lässt Hoffnungen aufkommen, der erste Formel-1-Weltmeister seit Alberto Ascari im Jahr 1953 aus dem motorsportverrückten Land zu werden.
Dass Antonelli Talent hat, hat Mercedes-Boss Toto Wolff der Welt schon längst versprochen. Er ging das Risiko ein, den Italiener bei dessen Formel-1-Einstieg in sein Top-Team zu holen, ohne Lehrjahre in einem schwächeren Team, wo die Erwartungen deutlich tiefer sind.
Fehler machte der 19-Jährige in seinem Rookie-Jahr – und musste dann auch öffentliche Kritik vom Chef persönlich über sich ergehen lassen. Wie viel er davon gelernt hat, beweist er in seinem zweiten Formel-1-Jahr eindrücklich. Sechs Siege und insgesamt neun Podestplätze in elf Rennen – das hätte ihm wahrscheinlich niemand zugetraut. In Barcelona und in Silverstone lässt ihn sein Mercedes im Stich, sonst wäre er da ebenfalls in die Top-3 gefahren.
Antonelli überzeugt mit einer hohen Lernfähigkeit, die Fehler aus der vergangenen Saison sind ausgemerzt. Er fällt ausserdem mit viel Beständigkeit und Geduld auf. Fällt er einmal zurück, lässt er sich nicht beirren und kämpft sich wieder nach vorne. Wenn er das Niveau der ersten Saisonhälfte hält, dann wird er nicht zu bremsen sein – und Italien hätte nach 73 Jahren wieder einen Weltmeister.
«Totgeglaubte leben länger», besagt ein altes Sprichwort. Es könnte für den wiederauferstandenen siebenfachen Weltmeister nicht passender sein. Nach einem für seine Verhältnisse sehr schwachen ersten Jahr bei Ferrari (kein Podestplatz) ist der 41-jährige Brite schon fast wieder der Alte.
Schon vor der Saison zeigte sich Hamilton zuversichtlich über das neue Auto und trat auch gegenüber den Medien mit einer anderen Ausstrahlung auf. Dass er dabei nicht bluffte, zeigen die Resultate in den ersten elf Rennen – ein Sieg, der erste seit zwei Jahren, und vier weitere Podestplätze stehen ihm zu Buche. In der Fahrerwertung belegt er mit 50 Punkten Rückstand auf Antonelli Platz zwei.
Mit dem Ferrari scheint der Brite besser zurechtzukommen als Teamkollege Charles Leclerc. Er fährt sehr konstant und entscheidet das teaminterne Duell bisher deutlich für sich. Einziger Makel: In den letzten beiden Rennen liess er aufgrund von Strafen wichtige Punkte liegen. Bleiben diese Fehltritte nach der Sommerpause aus, ist mit Hamilton im WM-Kampf zu rechnen.
Hat in dieser Saison wieder mehr zu lachen: Lewis Hamilton.
www.imago-images.de
Liam Lawson (Racing Bulls)
Der 24-jährige Neuseeländer fährt schon seit vier Jahren in der Formel 1, scheint dennoch erst jetzt richtig angekommen zu sein. In den ersten beiden Jahren sprang er jeweils mitten in der Saison bei den Racing Bulls ein, überzeugte die Verantwortlichen von Red Bull aber so sehr, dass sie ihm für 2025 den zweiten Sitz neben Max Verstappen gaben. Diesen Versuch brachen sie nach nur zwei Rennen wieder ab und Lawson fuhr die Saison im Schwester-Team zu Ende.
Bei den Racing Bulls hat der Neuseeländer auch für dieses Jahr einen Vertrag erhalten und scheint sich endlich richtig wohlzufühlen. Er hat sich als «Best of the Rest» etabliert – also als bester Fahrer, der nicht für eines der vier Top-Teams fährt. Nur in drei Rennen blieb er ohne Punkte. Ohne Nebengeräusche lässt Lawson aufblitzen, was in ihm steckt, und seinen Rookie-Teamkollegen Arvid Lindblad, der in seinem ersten Formel-1-Jahr ebenfalls überzeugt, regelmässig hinter sich.
Liam Lawson gehört zu den Überraschungen der ersten Saisonhälfte.
www.imago-images.de
Der Franzose stiess zur neuen Saison vom Schwester-Team zu den Bullen und übernahm einen Sitz, der in den letzten Jahren fast verflucht schien. Pierre Gasly, Alex Albon, Sergio Perez, Liam Lawson und zuletzt Yuki Tsunoda kamen mit dem Auto nicht klar und sahen gegen Max Verstappen äusserst schlecht aus.
Hadjar nahm die Möglichkeit dennoch dankend an und sträubte sich nicht vor der Challenge. Trotz eines schwierig zu fahrenden Autos hat der 21-Jährige in den ersten elf Rennen der Saison vermehrt sein Talent aufblitzen lassen. Der Abstand zu Verstappen ist nicht gross und in drei Fällen konnte er den Niederländer sowohl im Qualifying als auch im Rennen schlagen. Die 41 Punkte Rückstand zu Verstappen in der WM-Wertung sind im Vergleich zu seinen Vorgängern überschaubar.
Das Zauberwort des Franzosen heisst Konstanz. Nur einmal kam er auf einen Nicht-Punkte-Platz ins Ziel, zweimal schied er aus. Dennoch gehört er zu den Überraschungen dieser ersten Saisonhälfte. Schade für ihn, blieb ihm der Podestplatz in Monaco aufgrund des erfolgreichen Protests von Alpine für Gasly schlussendlich verwehrt.
Isack Hadjar schafft es, seinen roten Bullen zu zähmen.
www.imago-images.de
Audi galt vor dem Saisonstart als Wundertüte. Zwar stieg die deutsche Marke mit der Übernahme von Sauber nicht wie Cadillac als komplett neues Team ein, eine solche erste Saisonhälfte trauten Audi viele aber trotzdem nicht zu. Denn statt einen Motor einzukaufen, wurde ein eigener entwickelt – und Gabriel Bortoleto fuhr damit beim Auftakt in Australien sogleich in die Punkte.
Drei weitere Male fuhr das von Mattia Binotto geleitete Team in die Top-10, sechsmal wurden die Punkte mit einem 11. Platz nur knapp verpasst. Wenn die Racing Bulls nicht so überzeugt hätten, wäre gar mehr drin gelegen. Mit der Beständigkeit, der Zuverlässigkeit des Motors und dem zwischenzeitlichen achten Platz in der Team-Wertung kann Audi dennoch mehr als zufrieden sein.
Das Fahrer-Duo mit Bortoleto und dem F1-Urgestein Nico Hülkenberg, 2010 gab er sein Debüt in der Königsklasse, harmoniert auch nach der Audi-Übernahme weiter. Sie werden an der Entwicklung des Teams einiges beitragen.
Eingespieltes Duo: Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto.
www.imago-images.de
Das sind die Flops
Um die grösste Enttäuschung der bisherigen Saison gibt es keine Debatte, es ist ohne Frage Aston Martin. Viel Geld wurde in den letzten Jahren in neue Infrastrukturen und Personal, darunter auch in den erfolgreichsten Designer der Formel-1-Geschichte Adrian Newey, investiert – bisher umsonst.
Bereits bei den Tests in Bahrain im Februar war klar, dass Aston Martin kein konkurrenzfähiges Auto und mit vielen Baustellen zu kämpfen hat. In den sechs Test-Tagen blieb das Auto mehrheitlich in der Garage. Die Gründe dafür waren schon fast erschreckend: Vibrationen gefährden die Gesundheit der Fahrer. Die Saison stand unter einem schlechten Stern, bevor sie überhaupt angefangen hatte.
Wie lange macht Fernando Alonso den Zirkus mit?
www.imago-images.de
Wenn das Auto auf der Strecke ist, ist es unfahrbar und gar langsamer als das des neuen Teams Cadillac. Teilweise büsste Aston Martin im Qualifying fünf Sekunden auf die schnellsten ein. Da nützt es auch nichts, wenn ein Fahrer des Kalibers von Fernando Alonso am Steuer sitzt.
Einen Hoffnungsschimmer gibt es: Beim letzten Rennen vor der Sommerpause brachte das Team ein beinahe neues Auto nach Ungarn und machte einen grossen Sprung nach vorne. Beim nächsten Rennen in Zandvoort Ende August sollen weitere Upgrades hinzukommen.
Vor der Saison wurde der Brite von allen, inklusive sich selbst, als grösster Titelkandidat gehandelt. Das erste Rennen in Melbourne entschied Russell standesgemäss für sich und feierte den Sieg ausgelassen. «Ich liebe dieses Auto», sagte er am Funk, während sich das gesamte Feld über das neue Energie-System aufregte – diese Worte holten den 28-Jährigen schnell ein.
Denn bereits beim zweiten Rennen in China musste er seinem Teamkollegen Antonelli den Vortritt lassen. Der Italiener legte dann eine Siegesserie von fünf Erfolgen hin und liess Russell damit verzweifeln. Der siegessichere Brite sah sich plötzlich von seinem jüngeren Teamkollegen vorgeführt.
Ist der Druck zu gross oder ist Antonelli schlicht schneller? Die Antwort bleibt offen. Klar ist, dass die Mission Weltmeister-Titel für Russell ins Wanken geraten ist. Die unverschuldeten Ausfälle in Kanada (Technik) und Belgien (von Hamilton verursachter Unfall) spielten dem 28-Jährigen ebenfalls nicht in die Karten. In Ungarn blieb er beim Start gar stehen, kämpfte sich in der Folge immerhin bis auf den siebten Platz zurück. Der Rückstand auf Antonelli beträgt in der Fahrerwertung dennoch schon 59 Punkte.
Wenn ein Konstrukteur ein Auto nicht für ein Rennen starten lassen kann, ist es äusserst unglücklich. Wenn das dem Weltmeister der letzten beiden Jahre passiert, ist es schon fast peinlich. Für McLaren ist in den ersten beiden Rennen des Jahres genau dies geschehen. In Australien musste ausgerechnet Lokalmatador Oscar Piastri zuschauen, in China gesellte sich auch noch sein Teamkollege und amtierender Weltmeister Lando Norris dazu – kein McLaren nahm den Start in Shanghai wahr.
Die Probleme nahmen auch danach nicht wirklich ab. Norris kam zwei weitere Male nicht ins Ziel, Piastri fiel einem Technikschaden in Ungarn zum Opfer. Bitter: Sein Teamkollege fuhr währenddessen mit dem aufgerüsteten McLaren den ersten Saisonsieg ein. Ein Steigerungslauf des britischen Rennstalls ist bis zum Saisonfinale nicht auszuschliessen.
Die Saison verläuft noch nicht nach dem Gusto von Oscar Piastri und McLaren.
www.imago-images.de
Eine Steigerung im Vergleich zum letzten Jahr hat auch der Williams-Pilot Carlos Sainz erwartet. Die Latte lag aufgrund seiner beiden Podestplätze (Aserbaidschan und Katar) hoch – das versprochene konkurrenzfähige Auto hat er allerdings nicht erhalten.
Die vom Spanier und von Alex Albon gesammelten elf Punkte in ebenso vielen Rennen sind der Beweis, dass es Williams nicht läuft. Und Sainz ist der Frust förmlich anzumerken. Schliesslich fuhr er vor zwei Jahren bei Ferrari noch um Podestplätze. Heuer dümpelt er in den hinteren Regionen des Feldes herum.
Der bisher negative Höhepunkt ereignete sich in Ungarn. Als Piastri ihn überrunden wollte, fuhr der Spanier in den McLaren. Einsichtig zeigte sich der 31-Jährige auch nach dem Rennen nicht. Er habe im Kampf gegen Alonso Piastri hinter sich nicht gesehen, verteidigte er sich. Dabei ignorierte Sainz mehrere blaue Flaggen, die ihn dazu aufforderten, Piastri vorbeizulassen.
Carlos Sainz findet mit Williams nicht aus der Negativspirale.
www.imago-images.de
Das Team des österreichischen Getränkeherstellers dürfte sich vor der Saison höhere Ziele gesteckt haben als die Resultate, die bis jetzt herausgeschaut haben. Von den vier Top-Teams ist Red Bull deutlich das schwächste. Am Motor, der seit dieser Saison im eigenen Haus produziert wird, liegt es nicht. Der Antrieb gilt nämlich als einer der besten und zuverlässigsten im Feld.
Die Probleme liegen anderswo. Die Balance, der Reifenverschleiss und das Energie-Management haben sie bisher nicht in den Griff bekommen. Da weiss auch Ausnahmekönner Verstappen nur wenig mit dem ihm zur Verfügung stehenden Material anzufangen. Seine vier Podestplätze und Hadjars gute Leistungen sind die einzigen Lichtblicke.
Sollte sich die Situation in der zweiten Saisonhälfte nicht verbessern, dürften sich die Gerüchte rund um den Abgang vom viermaligen Weltmeister Max Verstappen nur weiter verdichten.
Bleibt Max Verstappen dieses Jahr ohne Rennsieg?
www.imago-images.de
Das könnte dich auch interessieren
#Adessonews seleziona nella rete articoli di particolare interesse.
Se vuoi leggere l’articolo completo clicca sul seguente link






