1.-August-Feier
Die Bundesrätinnen und Bundesräte haben den Nationalfeiertag genutzt, um für Zusammenhalt, Demokratie und Verantwortung zu werben. Guy Parmelin fiel mit rotem Käppi und einem Plädoyer für Traditionen auf, seine Amtskolleginnen und -kollegen setzten eigene Schwerpunkte – und bewiesen bei Selfies, Autogrammen und Gesprächen mit der Bevölkerung viel Volksnähe.
Darum geht’s
- Die Bundesrätinnen und Bundesräte stellten in ihren 1.-August-Reden vor allem Zusammenhalt, Vielfalt und die gemeinsamen Werte der Schweiz wie Freiheit, Demokratie und Verantwortung in den Mittelpunkt. Guy Parmelin betonte zudem den Wert von Traditionen bei gleichzeitiger Offenheit.
- Karin Keller-Sutter warb für Stabilität, gesunde Staatsfinanzen und Konsens, Ignazio Cassis verglich die Schweiz mit einem Feld, das gepflegt werden müsse, und Elisabeth Baume-Schneider hob die Mehrsprachigkeit als Schlüssel für den nationalen Zusammenhalt hervor.
- Albert Rösti sprach sich für Klimaanpassung ohne zentrale Vorgaben aus, Beat Jans betonte Heimat als offenen und vielfältigen Begriff, und Martin Pfister rief angesichts globaler Krisen zu Zuversicht und gesellschaftlichem Engagement auf.
Ob auf Dorfplätzen oder an grossen Bundesfeiern: Die Bundesrätinnen und Bundesräte nutzten den 1. August für ihre traditionellen Ansprachen. Welche Botschaften sie 2026 vermittelten – der Überblick.
Die Fernsehansprache von Guy Parmelin
Der Bundespräsident hat sich für seine TV-Ansprache ans Land eine besondere Location ausgesucht: die Fahnenfabrik Aluart in Neudorf.
«Switzerland Great Since 1291:» Bundespräsident Guy Parmelin trägt das legendäre Käppi bei der Fernsehaufzeichnung der 1.-August-Ansprache im Fahnengeschäft Aluart in Neudorf.
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Parmelin steigt ein und nimmt gleich Bezug auf die Fabrik: «Den Nationalfeiertag in einer Fahnenfabrik zu feiern, ist etwas Besonderes. Hier entsteht eines der stärksten Symbole unseres Landes: die Schweizerfahne. Unsere Fahne ist auf der ganzen Welt bekannt. Nicht wegen ihrer Form. Sie steht für das, was unser Land stark macht: für Freiheit, Demokratie, Neutralität und Zusammenhalt.»
Die drei wichtigsten Punkte aus Parmelins Rede: Zusammenhalt als Grundlage der Nation. Freiheit braucht Verantwortung und man soll Traditionen bewahren, aber trotzdem offen bleiben. Die ganze Rede von Bundespräsident Guy Parmelin gibt’s im Video oben oder hier ganz zu lesen.
Parmelin auf dem Rütli: Traditionen im Fokus
Auf dem Rütli am Urnersee betonte Parmelin in seiner Rede die lebendigen und vielfältigen Traditionen des Landes, ein Fundament der Schweiz. Rund 1100 Interessierte erschienen zur Feier auf der Urner Bergwiese. Organisiert wurde der Anlass von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG). Die Schweizerische Trachtenvereinigung, die vor hundert Jahren in Luzern gegründet worden war, war Ehrengast.
Wie SRF berichtet, sagte Parmelin auf dem Rütli, Menschen unterschiedlicher Herkunft seien gemeinsam stärker als allein – «egal welche Kleider sie tragen. Ob Tracht, Anzug oder rote Baseball-Kappe». Dabei schwenkte der Bundespräsident sein legendäres rotes Käppi, das er als «Augenzwinkern» gegenüber den USA bezeichnete.
Keller-Sutter: Gesunde Finanzen und Konsens
Bundesrätin Karin Keller-Sutter zeigte sich volksnah in Kradolf-Schönenberg. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
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Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP) hat zum 1. August in Kradolf-Schönenberg TG für Stabilität, gesunde Staatsfinanzen und Konsensfindung geworben. Mit der Entstehungsgeschichte der Nationalhymne illustrierte sie augenzwinkernd die Eigenheiten der Schweizer Politik.
Stabilität sei in der aktuellen Weltlage der grösste Trumpf der Schweiz, erklärte Keller-Sutter in ihrer Ansprache am Samstagmittag in einem Festzelt vor der Mehrzweckhalle in Kradolf. Gesunde Finanzen und die tiefe Verschuldung des Landes seien die beste Krisenvorsorge, betonte die Finanzministerin. Das gelte auch in herausfordernden Zeiten von Angriffs- und Handelskriegen, wirtschaftlicher Abschottung, Alterung sowie Klimawandel.
Verlässlichkeit und Beständigkeit seien in einer Welt des beschleunigten Wandels entscheidend. Das schweizerische System mit Föderalismus und direkter Demokratie brauche zwar manchmal länger für Entscheidungen, schaffe aber Vertrauen. Die ganze Ansprache findest du hier.
Cassis: Schweiz ist kein Geschenk des Himmels
Ignazio Cassis spricht mit den Gästen vor seiner 1. August-Rede beim Brunch auf dem Hof von Karin und Jürg Zimmermann in Düdingen FR.
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Bundesrat Ignazio Cassis hat die Schweiz in seiner 1.-August-Rede im freiburgischen Düdingen mit einem pflegebedürftigen Feld verglichen. Er rief dazu auf, dem Land Sorge zu tragen und bezeichnete die Neutralität als aktives Mittel für unseren Wohlstand.
«Die Schweiz fällt nicht vom Himmel. Sie wird kultiviert», sagte Aussenminister Cassis am Samstagmorgen laut Redetext. Er verwies dabei auf Landwirte, die sich hierzulande wegen der Trockenheit sorgten – und auf Menschen in anderen Ländern, die aus Angst vor Raketen zum gleichen Himmel blickten.
Für uns sei es alltäglich, dass sich Familien träfen und Kinder spielten. «Aber das ist nicht mehr überall normal», so Cassis. Die zunehmend instabile Zeit rufe uns in Erinnerung, dass die Schweiz mit Arbeit, Vertrauen und Geduld gepflegt werden müsse. Cassis’ ganze Rede hat die Keystone-SDA festgehalten.
Baume-Schneider: Mehrsprachigkeit ein Vorteil
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider auf dem Weg zu ihrer Festrede in Luzern vor dem KKL.
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Die Mehrsprachigkeit mache die Schweiz zur kulturellen Übersetzerin zwischen Nord und Süd und West und Ost, sagte Baume-Schneider in ihrer Ansprache vor dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL). Mehrsprachigkeit sei auch ein Wettbewerbsvorteil, denn 250 Millionen Europäerinnen und Europäer würden eine der Schweizer Landessprachen sprechen. «Was für ein kreatives und wirtschaftliches Potenzial», sagte sie.
Baume-Schneider kritisierte Tendenzen in der deutschsprachigen Schweiz – auch in Luzern – gegen das Frühfranzösisch. Dies schwäche den Zusammenhalt, betonte die Bundesrätin. Die Kenntnis der anderen Landessprachen sei mehr als eine schulische Angelegenheit. Sie sei eine unverzichtbare Bedingung für den nationalen Zusammenhalt. Dafür seien alle Staatsebenen, auch die Kantone, verantwortlich.
Rösti: Keine Klimapolitik «von oben herab»
Bundesrat Albert Rösti bei einem weiteren 1.-August-Anlass, diesmal in Uetendorf BE.
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«Die Hitze beschäftigt uns alle und plagt uns, auch die Landwirtschaft leidet», sagte der SVP-Bundesrat vor einem voll besetzten Festzelt in Fehraltorf ZH bei seinem 1.-August-Auftakt am Freitagabend.
Für Rösti ist klar, dass «wir die Leute vor der Hitze und der Trockenheit schützen müssen. Aber nicht von oben herab», sagte er. Es könne nicht sein, dass der Bundesrat dazu Vorschriften mache. Die Initiative müsse von den Gemeinden und Kantonen kommen. «Schon heute plant eine Gemeinde den Umbau eines Platzes doch anders als früher.»
Jans: «Was ist eigentlich Heimat?»
Der 1. August sei eine Gelegenheit, über die Heimat nachzudenken, sagte Beat Jans in seiner Ansprache in Therwil im Baselbiet. Die Gemeinde gehöre zu seiner Heimatregion, gleichzeitig fragte er: «Was ist eigentlich Heimat?» Er erzählte von seiner Kindheit in einem Wohnblock in Riehen BS und davon, dass er heute als Bundesrat mitten unter der Bevölkerung den Nationalfeiertag feiern könne.
Heimat bedeute für jeden etwas anderes, sagte Jans mit Verweis auf seine aus den USA stammende Frau Tracy. Die Schweiz biete Raum für unterschiedliche Lebensgeschichten und werde von jeder Generation neu geprägt.
«Unsere Geschichte ist keine Geschichte der Abschottung, sondern eine Geschichte der Vielfalt, der Offenheit und des Zusammenhalts», sagte Jans: «Das können wir mit gesundem Selbstvertrauen feststellen. Das brauchten wir jetzt, gerade jetzt.»
Martin Pfister setzt auf Zusammenhalt
Bundesrat Martin Pfister hat in seiner 1.-August-Rede in Rorschach SG den Zusammenhalt der Schweiz ins Zentrum gestellt. Nicht Schienen und Strassen hielten das Land zusammen, sondern Menschen, die sich in Vereinen, Gemeinden oder der Nachbarschaft über ihre Pflicht hinaus engagierten.
Mit Blick auf Kriege, den Klimawandel und den Vormarsch autokratischer Systeme rief Pfister zu politischer Zuversicht auf. Die Schweiz zeichne sich dadurch aus, dass Verantwortung auf viele Schultern verteilt sei und Konflikte durch demokratische Debatten und Kompromisse gelöst würden. Diese Fähigkeit gebe Anlass zur Zuversicht – trotz der aktuellen Herausforderungen.
Hier findest du die Übersicht aller 1.-August-Reden der Bundesrätinnen und Bundesräte zum Nationalfeiertag 2026.
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